Streit um Mega-Bauprojekt in Sindorf
An der alten Glasfabrik hängt die Grundschule
- Seit Wochen nur noch ein trauriger Anblick: Auf dem Gelände der alten Sindorfer Glasfabrik sollen bis zu 640 Wohneinheiten entstehen.
- Foto: Zingsheim
Von der alten Sindorfer Glasfabrik mit ihrer markanten Front steht seit Wochen nur noch ein Gerippe. Jetzt gibt es Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Investor und der Stadt Kerpen. Es geht um den Bau der dritten Sindorfer Grundschule.
Kerpen-Sindorf (zi). Das Vorhaben eines Projektentwicklers ist ambitioniert: Auf dem Gelände der früheren Sindorfer Glasfabrik an der Hüttenstraße sollen rund 640 Wohneinheiten entstehen, Kita und Kleingewerbe kommen noch dazu. Und auch die seit Jahren geplante und geforderte dritte Grundschule für Sindorf, die ebenfalls an der Hüttenstraße gebaut werden soll, hat mit dem neuen Wohnviertel zu tun. Angeblich soll es für die Schule im Rathaus einen sechsmonatigen Planungsstopp gegeben haben.
Nun hat der Projektentwickler aus Berlin die Zusammenarbeit mit der Kerpener Verwaltung bemängelt und wirft ihr falsche Annahmen bei der Erarbeitung der Schulentwicklungsplanung vor. Angebeliche Planspiele der Kolpingstadt Kerpen zur Verhinderung des Baus der dritten Grundschule im Stadtteil Sindorf gehören ebenfalls zu den Vorwürfen. Nur mit der zusätzlichen Grundschule kann auch das neue Wohngebiet komplett realisiert werden.
Die Verwaltung habe seit Beginn des Planungsprozesses auf die angespannte Lage der Schulplätze in Sindorf und der zeitlichen Abhängigkeit der wohnbaulichen Entwicklung an der Hüttenstraße und die Inbetriebnahme der Grundschule im Vogelrutherfeld hingewiesen. „Durch den Ende 2024 vorgestellten Schulentwicklungsplan wurde der Hinweis auf die angespannte Versorgungssituation bestätigt. Das Ergebnis des Schulentwicklungsplanes wurde seitens der Verwaltung offen kommuniziert und dem Projektentwickler mitgeteilt“, heißt es aus dem Rathaus.
Auch mangelnde Kommunikation bestreitet die Stadtverwaltung: „Die Aussage, dass keine Kommunikation zwischen dem Projektentwickler und der Verwaltung stattfindet, ist nicht zutreffend – es findet auf Führungsebene ein Austausch zwischen leitenden Mitarbeitenden des Stadtplanungsamtes und dem Projektentwickler statt.“ Auf der Arbeitsebene gebe es einen regen Austausch zwischen dem vom Projektentwickler beauftragten Stadtplanungsbüro mit Mitarbeitenden des Stadtplanungsamtes. Gemeinsames Ziel sei die öffentliche Auslegung des Bebauungsplanes für den Bereich südlich der Hüttenstraße vorzubereiten.
„Die Behauptung, dass die Stadt bereits vor langer Zeit Planspiele in Auftrag gegeben habe, die eine Verzögerung oder Absage des zweiten und dritten Bauabschnittes in Betracht ziehen, um auf den Schulneubau zu verzichten ist unzutreffend“, erklärt die Stadtverwaltung, die seit Jahresbeginn vom Ersten und Technischen Beigeordneten Thomas Marner geleitet wird, der auch Chef des Bauressorts ist.
Der erste Bauabschnitt umfasst 160 Wohneinheiten, dafür wird noch keine neue Grundschule gebraucht, wohl aber für den zweiten Bauabschnitt mit weiteren 480 Einheiten. Sollte die Stadt die Schule nicht bauen, wäre vermutlich auch das große Bauprojekt des Investors geplatzt.
Der Projektenwickler hatte behauptet, dass die Schulbedarfsanalyse methodisch fehlerhaft sei und die Schülerzahlen zu hoch angesetzt seien. „Ein Nachweis dieser Behauptung liegt der Kolpingstadt Kerpen nicht vor“, sagt die Stadt. „Entgegen der Annahme des Projektentwicklers entsprechen die tatsächlichen Grundschulanmeldungen für das Schuljahr 2026 den im Schulentwicklungsplan angenommenen Zahlen.“
Laut Stadt Kerpen hätte der Investor im Teil des Baugebietes südlich der Hüttenstraße bereits Wohnhäuser errichten können. „Bereits Anfang 2024 wurden entsprechende Planungen vorgestellt, ohne dass bisher ein Baubeginn stattgefunden hat“, teilt die Stadt Kerpen mit.
Der Bebauungsplan SI 392 „Quartier an der Glashütte“ könnte in der ersten Jahreshälfte 2026 Rechtskraft erlangen, dann könnten die ersten 160 Einheiten gebaut werden, was die Stadt „nach wie vor maximal unterstützt“, heißt es. Daher sei eine gute Zusammenarbeit zwischen der Kolpingstadt Kerpen und dem Projektentwickler im Interesse der Stadt.
„Die dritte Grundschule in Sindorf ist ein zentrales Infrastrukturprojekt, das eng mit der Wohnraumentwicklung im Stadtteil verknüpft ist. Für Familien, Schülerinnen und Schüler sowie für die gesamte Entwicklung Sindorfs ist es von größter Bedeutung, dass hier keine Unsicherheiten bestehen“, hatte SPD-Bürgermeisterkandidat Thomas Jurczyk an die Stadt geschrieben und an die Bedeutung des Projekts erinnert.
Redakteur/in:Georg Zingsheim aus Kerpen |
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