Hürther Drillinge
Eine kleine Sensation

Zum 60. Geburtstag waren die Hamacher-Drillinge der Einladung des Sana-Krankenhauses Hürth gefolgt: Wilma, Hermann, Maria und Norbert Hamacher, Geschäftsführer Sebastian Haeger, Christoph Hofmeister (kaufmännischer Direktor) und Pflegedirektorin Rita Gast (v.l.).
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  • Zum 60. Geburtstag waren die Hamacher-Drillinge der Einladung des Sana-Krankenhauses Hürth gefolgt: Wilma, Hermann, Maria und Norbert Hamacher, Geschäftsführer Sebastian Haeger, Christoph Hofmeister (kaufmännischer Direktor) und Pflegedirektorin Rita Gast (v.l.).
  • Foto: Stefan Mülders

Als Wilma, Hermann und Norbert Hamacher vor 60 Jahren am 26. Mai im Hürther Krankenhaus geboren wurden, war das eine kleine Sensation. Jetzt waren sie gemeinsam mit ihrer Mutter Maria noch einmal in ihrem Geburtshaus zu Gast.

Hürth (me). Mit dem Zufall ist das so eine Sache: Die einen glauben nicht daran, andere haben eine physikalisch-wissenschaftliche Definition dafür, wieder andere halten ihn für die Fügung höherer Mächte. Wie auch immer man die Sache betrachten mag, im Sana-Krankenhaus Hürth staunte man nicht schlecht, als ausgerechnet kurz vor Christi Himmelfahrt in diesem Jahr, der auf den 26. Mai fiel, ein alter Bilderrahmen wieder auftauchte. Darauf zu sehen: Die Drillinge Wilma, Hermann und Norbert Hamacher nach ihrer Geburt und mit etwa zwei Jahren. Sie wurden am 26. Mai 1962 im Hürther Krankenhaus auf natürliche Weise zwei Monate zu früh geboren – damals durchaus eine kleine Sensation. Im heutigen Sana-Krankenhaus zögerte man nicht lange und nahm Kontakt auf, verbunden mit einer herzlichen Einladung, das Haus noch einmal zu besuchen.

„Wir haben uns sehr über Ihren Brief gefreut und sind dankbar für die Wertschätzung unserer Mutter gegenüber“, sagte Hermann Hamacher stellvertretend für alle anderen wenige Wochen nach dem gemeinsamen Geburtstag. Er und seine Drillingsgeschwister waren gemeinsam mit Mutter Maria der Einladung gefolgt und tauschten mit Geschäftsführer Sebastian Haeger, Pflegedirektorin Rita Gast und dem kaufmännischen Direktor Christoph Hofmeister bei Kaffee und Kuchen Erinnerungen aus. Und die begannen mit dem Tag der Geburt. „Der Chefarzt meinte, es würde ein kräftiger Junge“, sagt Maria Hamacher. „Wir wollten ja auch ein Brüderchen für unsere damals fünfjährige Tochter.

Aber die Hebamme meinte dann schon, es werde eine Frühgeburt, sicherlich Zwillinge.“ Und dann lacht die inzwischen 87-jährige Drillings-Mama und ergänzt: „Ich habe dann nur gesagt, dass ich mit zwei gar nicht erst anfange.“

Da ahnte sie allerdings noch nicht, was tatsächlich auf sie zukommen würde. Jedenfalls war die Überraschung auf allen Seiten groß und das Ereignis traf die junge Familie unvorbereitet. Auch die Medien waren aufmerksam geworden. „Chancen standen 1:9500“ titelte damals der Kölner Stadt-Anzeiger.

„Es gab keine Mehrlings-Kinderwagen, keine Wegwerfwindeln und kaum Babynahrung.“ Glücklich schätzen konnten sich Maria und ihr bereits vor 25 Jahren verstorbener Ehemann Hermann-Josef, dass sie ihre ganze Familie um sich hatten: Eltern und Schwester wohnten Tür an Tür und die auf einen Schlag sechsköpfige Familie konnte auf deren Unterstützung bauen. Weitere Hilfe gab es aus der Industrie, denn ein namhafter Hersteller von Babynahrung versorgte die Drillinge ein Jahr lang kostenlos und bot sie der Familie danach zu Großhandelskonditionen an.

Nicht nur unmittelbar nach der Geburt hatte Maria Hamacher um ihre Kinder gebangt. „Sie wurden sofort in die Lindenburg verlegt, weil es in Hürth nur einen Brutkasten gab.

Gesehen habe ich die drei sechs Wochen lang nicht.“ Als sie nach Hause durften, waren sie immer noch sehr klein, mussten aber mindestens 2500 Gramm auf die Waage bringen. Tochter Wilma, die Erstgeborene, kam nur kurz danach erneut ins Krankenhaus. Norbert musste als Einjähriger eingewiesen werden und Hermann erlitt kurz nach Schulbeginn einen Blinddarmdurchbruch. Und doch haben es alle geschafft und gemeinsam nun den 60. Geburtstag gefeiert. Keine Selbstverständlichkeit angesichts der damaligen medizinischen Möglichkeiten. Heute haben die eineiigen Zwillinge Hermann und Norbert selbst Kinder und Letzterer ist inzwischen „Patchwork-Opa“. Er ist übrigens Elektrikermeister, die anderen beiden landeten in der Versicherungsbranche. Mutter Maria wohnt bis heute mit ihrer ältesten Tochter im Elternhaus, die Brüder in Hürther Stadtteilen und Schwester Wilma hat es nach Köln verschlagen.

Bis in die späten 1980er Jahre hinein wurden Kinder im damaligen städtischen Krankenhaus Hürth geboren. Kreißsaal und Kinderzimmer gibt es nicht mehr, an ihrer Stelle findet man heute die Endoskopie und ein Chefarztbüro. Und nicht nur Maria Hamacher erinnerte sich beim Rundgang an das frühere Aussehen des Krankenhauses. Auch die Drillinge hatten durch verschiedenste Besuche in der Vergangenheit noch Erinnerungen an die ehemaligen Flure und Räume.

Zum 60. Geburtstag waren die Hamacher-Drillinge der Einladung des Sana-Krankenhauses Hürth gefolgt: Wilma, Hermann, Maria und Norbert Hamacher, Geschäftsführer Sebastian Haeger, Christoph Hofmeister (kaufmännischer Direktor) und Pflegedirektorin Rita Gast (v.l.).
Das Foto zeigt die siebenmonatigen Drillinge. Ein Rahmen mit diesem und einem weiteren Kinderfoto der Drillinge wurde dem Krankenhaus in den 1960er Jahren als Dank überreicht und befindet sich jetzt wieder in Händen der Familie.
Redakteur:

Martina Thiele-Effertz aus Elsdorf

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