Katastrophenschutzübung in Zuckerfabrik
Mit Rohr im Rücken auf Rettung warten

Rotkreuzsanitäter versorgen auf dem Freigelände der Euskirchener Zuckerfabrik zuvor aus dem Gebäudeinneren geborgene Verletztendarsteller.
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  • Rotkreuzsanitäter versorgen auf dem Freigelände der Euskirchener Zuckerfabrik zuvor aus dem Gebäudeinneren geborgene Verletztendarsteller.
  • Foto: Stephan Everling/pp/Agentur ProfiPress

Eine großangelegte Katastrophenschutzübung unter starker Beteiligung des Roten Kreuzes fand in der Zuckerfabrik von Pfeiffer & Langen in Euskirchen statt. Simuliert wurde ein Großeinsatz mit vielen Verletzten.

Kreis Euskirchen (red). Überall lagen die gekonnt für die Übung zurechtgemachten „Opfer“. Auch das Verhalten von Patienten mit derartigen Verletzungen und Verbrennungen hatten die Darsteller zuvor einstudiert.

Für die Helfer bietet sich bei solchen Übungen ein möglichst realistisches Bild: Wem zuerst helfen? Was muss als Nächstes getan werden? Wohin mit den Geretteten? Es müssen mehr Ärzte und Rettungssanitäter vor Ort gebracht werden. Nerven behalten, klare Entscheidungen getroffen werden.

Damit Einsatzkräfte in einer echten Gefahrensituation nicht überfordert werden, wird regelmäßig geübt – auch im großen Stil wie diesmal in der Zuckerfabrik mit 200 Rettungskräften.

„Es ist das erste Mal seit Corona, dass wir eine so große Übung fahren, erklärt Rainer Brück, Koordinierender Leiter Rettungsdienst im Kreis.

Im Normalbetrieb wird zweimal im Jahr im Verbund von Rotem Kreuz, Rettungsdienst, THW, Feuerwehr und Notärzten trainiert. Es gibt feste Strukturen, aber sie müssen geübt werden, so Rainer Brück: „Solche Lagen sind nicht das tägliche Brot!“ Allein das Abstellen der Fahrzeuge stellt ein Problem dar: Wer steht bei einem solchen Einsatz wo am besten? Und wie versorge ich in der Anrückphase die Opfer, wenn noch nicht genug Material und Personal vor Ort ist?

Mit dem Bildungszentrum Euregio der Malteser in Aachen war noch ein weiterer Partner vor Ort im Rotkreuzzentrum Kreis Euskirchen/Eifel am Jülicher Ring. Dort findet ein Kurs für Leitende Notärzte statt. Einige Teilnehmer beteiligten sich aktiv an der Übung, andere als fachlich geschulte Beobachter.

25 Verletztendarsteller waren über zwei Stockwerke verteilt worden. Während die 13 Darsteller im Untergeschoss schnell gefunden wurden, war auf der Metalltreppe und im Obergeschoss mehr Akribie erforderlich. „Das dauert aber“, stöhnte daher Burkhard Kühn. Neben einer beeindruckenden „Knochenverletzung“ an der Schulter ragte aus seinem Rücken ein Rohrende, das auf eine Lungenverletzung hindeutete.„Ich spiele immer die, die im Ernstfall nicht die größten Überlebensaussichten hätten“, erklärte der Rotkreuzler aus der Mechernicher Bereitschaft. Um sechs Uhr sei er an diesem Morgen aufgestanden, dann habe es noch ein gemeinsames Frühstück gegeben, bevor es ans Schminken ging.Auch seine Frau Jessica, wie er seit zehn Jahren dabei, wartete hinter einer Maschine auf die Retter: „Verletzte darzustellen ist interessant, dann kann man die Kollegen beobachten, wie sie unter Druck reagieren.“ „Eine Übung läuft nie ganz perfekt“, berichtete Aileen Jungmann: „Es ist ein Lernprozess!“

„Wir machen öfter kleinere Übungen in der Zuckerfabrik“, erklärte Martin Fehrmann, der Leiter der Abteilung Gefahrenabwehr beim Kreis Euskirchen. Er ist für die Zusammenarbeit mit Pfeiffer & Langen dankbar. „So eine Übung ist natürlich auch in unserem Sinne“, bestätigte Guido Degen von der Zuckerfabrik: „Auf so einem Gelände ist es wichtig, zu wissen, was wo ist, nicht nur die Löschteiche“. Weil die Einsatzkräfte häufig wechselten, müsse oft geübt werden.

Rotkreuzsanitäter versorgen auf dem Freigelände der Euskirchener Zuckerfabrik zuvor aus dem Gebäudeinneren geborgene Verletztendarsteller.
Seit zehn Jahren sorgen die Ehrenamtler von der Opferdarstellung des Jugendrotkreuzes des DRK-Kreisverbandes Euskirchen für ein möglichst realistisches Ambiente bei solchen Übungen.
Redakteur:

Lars Kindermann aus Rhein-Erft

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