Beethovenhalle wiedereröffnet
Ein Ende ohne Schrecken

Erstrahlt innen wie außen, optisch wie technisch, in neuem Glanz. Die Arbeiten an der Beethovenhalle sind abgeschlossen - sie steht für Veranstaltungen und Konzerte wieder zur Verfügung.  | Foto: fes
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  • Erstrahlt innen wie außen, optisch wie technisch, in neuem Glanz. Die Arbeiten an der Beethovenhalle sind abgeschlossen - sie steht für Veranstaltungen und Konzerte wieder zur Verfügung.
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Bonn (fes). Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier war sich sicher: „Die Beethovenhalle wird erneut Strahlkraft entfalten und sich zum kulturellen Zentrum entwickeln.“ Deutschlands höchster Mann im Staat war gekommen, um gemeinsam mit 1.600 Gästen die feierliche Wiedereröffnung der denkmalgerecht sanierten Beethovenhalle mit einer „Langen Beethoven-Nacht“ zu feiern. Für ihn sei die Halle nicht nur das „musikalische Wohnzimmer, an dem der Geist Beethovens wortwörtlich bis ins Fundament hinein zu spüren ist“, das die Bonner nun wieder zurückbekommen haben, sondern auch ein politischer Ort, der zum Gedächtnis der Bundesrepublik gehöre, in dem in den fast fünf Jahrzehnten, als Bonn Bundeshauptstadt war, gelebte Demokratie stattgefunden habe. Vier Bundespräsidenten wurden hier unter anderem gewählt und Papst Johannes Paul II. empfangen.

Fast neun Jahre war die 1959 durch den damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss eingeweihte Beethovenhalle eine Dauerbaustelle, geprägt durch Pleiten, Pech und Pannen. Eigentlich sollte die 2016 geschlossene Halle bereits zum Beethovenjahr 2020 wieder im neuen Glanz erstrahlen und das Beethoven-Orchester dort wieder einziehen. Stattdessen explodierten die Kosten von den einst veranschlagten 60 Millionen auf zuletzt 221 Millionen Euro.

Lange Zeit tat sich wenig, bis die damalige Oberbürgermeisterin Katja Dörner (Grüne) 2022 Steffen Göbel als Projektleiter an den Rhein holte. Er hatte bereits die Berliner Flughafen-Dauerbaustelle BER zu einem erfolgreichen Ende gebracht.

Beide waren am Festabend anwesend, ihn dankte Dörners Nachfolger Guido Déus (CDU) in seiner Rede ausdrücklich. OB Déus sprach von einem „Mammutprojekt, das viel Engagement, Fachwissen und Leidenschaft erforderte“ und lobte alle Beteiligten, Architekten, Handwerker und Planer. Insgesamt seien rund 200 Gewerke und 2.100 Handwerker in den vergangenen neun Jahren sowie rund 40 Fachplanungs- und Gutachterbüros beteiligt gewesen. Der OB zeigte sich überzeugt, dass die Bonnerinnen und Bonner die Beethovenhollen trotzdem wieder in ihr Herz schließen werden und dass die aus dem Ruder gelaufenen Kosten zu einem Lernprozess in Verwaltung und Politik führen würden. Nach diesem Satz erklang ein Raunen und Gelächter aus dem Publikum durch die Halle. Déus hofft, dass die Halle ein „Ort der Begegnung, der Inspiration und der Freude sein wird, an dem die Musik im Mittelpunkt steht und an dem wir gemeinsam unvergessliche Momente erleben werden.“

Auch NRW-Kulturministerin Ina Brandes (CDU) war geladen und sprach zu den Gästen nach der Eröffnungs-Ouvertüre durch das Beethoven Orchester: „Wir feiern heute die Wiedereröffnung eines Lebensgefühls. Es war wunderbar zu hören, wie die Streicher ineinandergeflossen sind.“ Als Spitze schob sie allerdings hinterher: „Ich bin mir aber nicht ganz sicher, ob das wirklich 200 Millionen Euro zusätzlich wert war.“

„Danke. Endlich“, mit diesen Wort kommentierte Bonns Generalmusikdirektor und Dirigent des Beethoven Orchester Dirk Kaftan die Wiedereröffnung des Gebäudes. Kaftan war 2017 nach Bonn gekommen, dirigierte allerdings bislang das Ensemble an verschiedenen Interimsstandorten. Er lobte das Bekenntnis von Politik und Verwaltung zur Kultur und verglich die sanierte Halle mit einem Raumschiff: „Schaffen wir es, dieses Raumschiff mit Lebensfreude gemeinsam zu befeuern, dann wird es auch abheben. Danke Bonn.“

Nun spielte das Beethoven Orchesters erstmals in der neuen Halle vor vollem Haus. Eine Premiere für die neue Akustik des Gebäudes. Auf dem Festprogramm der langen Beethoven-Nacht, die inklusive zweier Pausen fast viereinhalb Stunden dauerte, standen zu Beginn Beethovens Ouvertüre zum Ballett „Die Geschöpfe des Prometheus“, gefolgt von Beethovens Konzert für Klavier und Orchester Nr. 4-G-Dur op. 58. Am Klavier begeisterte Fabian Müller das Publikum. Im zweiten Teil gab es einen experimentellen musikalischen Exkurs mit dem Werk „Everything. Always“ (2022) der zeitgenössischen 34-jährigen kroatischen Komponistin Sara Glojnarić, die auch zur Eröffnung gekommen war, bevor im finalen dritten Teil das furios aufspielende Beethoven Orchester Gustav Mahlers Auferstehungssinfonie (1888 – 1894) begleitet von den Solistinnen Gerhild Romberger (Alt) und Katerina von Bennigsen (Sopran) und dem Bundesjugendorchester begeisterte. An der ebenfalls sanierten Klais-Orgel spielte Cameron Carpenter. Die Gäste spendeten mehrfach stehende Ovationen.

Wie es weitergeht

Im August übergab die damalige OB Katja Dörner die modernisierte Beethovenhalle an die Betreibergesellschaft Bonn Conference Center Management GmbH (Bonn CC), einer hundertprozentigen Tochtergesellschaft der Bundesstadt Bonn, die auch für den Betrieb des WCCB verantwortlich zeichnet. Geschäftsführer ist der frühere Leiter der Bezirksverwaltungsstelle Beuel, Ralf Birkner. Insgesamt bietet die Halle Platz für Events mit bis zu 3.200 Personen, davon im Großen Saal für rund 1.700 Personen.

Neben den Konzerten des Beethoven Orchesters stehen für 2026 unter anderem auf dem Programm Auftritte des „Kyiv Classic Ballett“ mit dem Klassiker „Schwanensee“, eine Johann-Strauß-Konzert-Gala im Februar kommt Schlagersänger Nino de Angelo („Jenseits von Eden“), es folgen die Concert-Show „ABBA Gold“, Max Raabe mit seinem Palast-Orchester, ein großer Loriot-Abend, Helge Schneider, das Musical „Das Dschungelbuch“, Till Brönner sowie mehrere Tribute Shows mit den Hits von Tina Turner, Pink Floyd oder Michael Jackson und die Höhner präsentieren im Dezember ihr Weihnachtskonzert. Für den Mai 2027 haben sich bereits die Kastelruther Spatzen angesagt. Auch das Restaurant, ehemals „Da Capo“, jetzt „Santos“, wurde denkmalgerecht im Stil der 1950er Jahre saniert und kann auch unabhängig von den Veranstaltungen in der Beethovenhalle besucht werden. Infos unter: www.beethovenhalle.de

Redakteur/in:

Frank Engel-Strebel aus Bornheim

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