Fünftägiger Stadtgeburtstag
725 Jahre Bergneustadt
- Für das Fest wurden zwei Stadttore aufgebaut.
- Foto: Michael Kupper
Bergneustadt. Fünf Tage lang - von Mittwoch bis Sonntag - feierte die Feste Neustadt ihren 725. Stadtgeburtstag.
Den Auftakt machten die Bergneustädter Kindergartenkinder mit einem Einmarsch ins Festzelt an der Bahnstraße.
Stadtdukaten
In bergischer Mundart bekamen die Gäste sodann beim traditionellen Brunnengespäch der Waschweiber Minchen (Helga Sterling-Schmuck) und Jettchen (Antje Schnellenbach) den Tratsch des letzten Jahres zu hören. Vollkommen überrascht waren die Frauen, als in den Beifall hinein Bürgermeister Matthias Thul auf die Bühne trat und ihre langjährigen Verdienste für die Bergneustädter Gesellschaft lobte. Für ihr Engagement im Heimatverein, bei den Marketenderinnen und als ehrenamtliche Standesbeamtinnen verlieh er ihnen den Bergneustädter Stadtdukaten.
Stadttore
Für den Vormittag von Christi Himmelfahrt war die Weihe der Stadttore angesetzt. Da die ursprünglichen nicht mehr existieren, wurden schon Tage zuvor neue aufgebaut – acht Meter breit und sechs Meter hoch. Das Untere Tor stand am Eingang zu Altstadt bei der Krawinkel-Villa, das Obere auf der anderen Seite der Hauptstraße in der Nähe des Jägerhofs. Bei der festlichen Zeremonie mit einer launigen Ansprache von Pfarrer Andreas Spierling war auch Petrus zugegen. Als Spierling drohte, eine Wasserbombe zu werfen, kam ihm der Wächter des Himmelstores mit einem kräftigen Hagelschauer zuvor. Am Ende gab es Freibier beim Fassanstich auf dem Kirchplatz.
Festempfang mit Wüst
Der Nachmittag war dem Festempfang zum 48. Treffen der Neustädte gewidmet, für das sich auch NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst avisiert hatte. Zunächst jedoch begrüßte Matthias Thul zahlreiche Delegationen der Neustadt-Gemeinschaft aus Deutschland und Europa herzlich in ihrer Landessprache, ebenso Peter Mühle, Vizevorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Neustadt in Europa. Thul unterstrich die Bedeutung gemeinsamer Werte wie Freiheit, Demokratie, Respekt und Menschlich-
keit als Grundlage für Frieden und Zusammenhalt: „Die Gemeinschaft der Neustädte Europas ist weit mehr als irgendein kulturelles Netzwerk oder eine schöne Tradition – Sie ist ein lebendiges Zeichen dafür, dass Europa zusammengehört und dass Verständigung möglich ist.“
Hendrik Wüst würdigte die lange Geschichte der Stadt, ihre Verwurzelung im Bergischen Land und das starke bürgerschaftliche Engagement vor Ort. Dieser Zusammenhalt stärke die Demokratie und mache sie widerstandsfähig gegen Extremismus. Ein Schwerpunkt seiner Rede war der Begriff Heimat: „Heimat bedeutet, sich zu interessieren und sich einzubringen.“ Heimat funktioniere aber nur mit Demokratie, Offenheit und der Bereitschaft, auch Zugezogene und Menschen am Rand der Gesellschaft mit einzubeziehen.
Femegericht
Einer der Höhepunkte am Freitag war das Femegericht vor dem Heimatmuseum. Dort wurden 16 Delinquenten vom Richtergremium Uwe Binner, Wilfried Holberg, Detlef Kämmerer und Helga Sterling-Schmuck um den Vorsitzenden Utz Walter gehörig die Leviten gelesen. Pfarrer Andreas Spierling stand bereit, wenn der Scharfrichter mit dem Beil drohte. Enthauptet wurde letztlich niemand, alle konnten sich in letzter Sekunde gegen eine Spende freikaufen.
Großer Festzug
Die Krönung des Stadtgeburtstages war der Festumzug durch die Altstadt mit rund 2.800 Teilnehmerinnen und Teilnehmern in 57 Gruppen. Etwa die Hälfte davon stellten die Gäste aus den anderen Neustädten, einige in ihren regionalen Trachten. „Die Vorbereitung war optimal und die Stimmung ist grandios“, freute sich Zugleiterin Andrea Ribinski bereits bei der Aufstellung in der Talstraße. Danach schlängelte sich der kunterbunte Lindwurm durch die engen Gassen der Altstadt, drehte nach der Pusteblume noch eine Runde um das Türmchen und löste sich nach zwei Stunden schließlich beim Festzelt auf, wo kräftig gefeiert wurde – bis zum Finale mit „The Music of Queen Live“.
Ausstellung und Mittelaltermarkt
[p]Während sämtlicher Festtage hatten die Besucher die Möglichkeit, im Krawinkelsaal in die Ausstellung der Oberbergischen Abteilung des Bergischen Geschichtsvereins in vergangene Zeiten einzutauchen. Gleiches bot der von Andreas Tabor organisierte Mittelaltermarkt. Dort gab es allerlei Schmuck und historische Gerätschaften, aber auch Kulinarisches im Stil vergangener Zeiten. Typisch mittelalterlich war es etwa bei dem Bergneustäder Wolfgang Reuter, der Wildkrakauer und Wildfleischkäse anbot, ohne Hausschweinanteil - ausschließlich aus Reh, Hirsch und Wildschwein.
Die Bühne auf dem Kirchplatz bot zudem ein mittelalterliches Spektakulum. Nach der Ankündigung des Marktes durch Jürgen Körber alias „Walther von der Pferdeweide“ wechselten sich Gaukler und Musikanten ab. Geschichtenerzähler Tandaniel berichtete etwa vom Steinbeißer oder den „Drei Wünschen“, die Gruppe Chapelloise spielte auf historischen Instrumenten und der 400-jährige Schotte Lord Merlin begeisterte die Kinder mit seinen Zauberkunststücken. Der Höhepunkt am Samstagabend war eine war eine beeindruckende Feuershow des Gummersbacher Gauklerpaares Kasper und Phine, die als The Burning Mice auch brennende Diabolos in den nachtblauen Himmel steigen ließen.
Freie/r Redaktionsmitarbeiter/in:Michael Kupper aus Reichshof |