Ehrenamtliche Wegbegleiter gesucht
Kinder brauchen Bezugspersonen
- Nicht alle Kinder aus stationären Wohngruppen bekommen regelmäßig Besuch von einer Bezugsperson. Der Verein Ehrenamtliche Wegbegleiter Deutschland stellt den Kontakt zwischen ehrenamtlichen Helfern und den Kindern her. Foto: EDW e.V.
- hochgeladen von Angelika Koenig
Bergisch Gladbach (sf). Das Leben in einer stationären Wohngruppe bietet Kindern, Jugendlichen oder jungen Erwachsenen, die nicht bei ihren Familien wohnen können, einen strukturierten Alltag und pädagogische Begleitung. Die Bewohnerinnen und Bewohner erhalten Unterstützung durch gut ausgebildete Fachkräfte, doch können diese die fehlenden familiären Bindungen nicht vollständig ersetzen. Dabei spielt gerade im Alter zwischen sieben und 17 Jahren die Beziehung zu erwachsenen Personen eine entscheidende Rolle für die Entwicklung des Selbstvertrauens und somit auch für emotionale Stabilität und für die Orientierung im Übergang ins Erwachsenenleben. Wenn Kontakte zu erwachsenen Bezugspersonen außerhalb der Wohngruppen fehlen, bedeutet dies, dass die Kinder und Jugendlichen daheim bleiben müssen, wenn andere Gleichaltrige für Tagesausflüge oder sonstige Unternehmungen abgeholt werden. Neben einem momentanen Gefühl der Enttäuschung kann dies für die Kinder auch langfristig negative Auswirkungen haben: Unsicherheiten im Bindungsverhalten, ein verringertes Vertrauen in Beziehungen und Schwierigkeiten beim Übergang in ein eigenständiges Leben sind mögliche Folgen.
Der Verein Ehrenamtliche Wegbegleiter Deutschland (EWD e.V.) möchte dem entgegensteuern, indem er Kinder und Jugendliche in stationären Wohngruppen mit ehrenamtlich aktiven Wegbegleitern zusammenbringt. Das Konzept geht erfolgreich auf: Allein im Raum Köln/ Bonn/ Bergisches Land konnten bereits 22 langfristige Beziehungen mit betroffenen Kindern und Jugendlichen aufgebaut werden. „Ehrenamtliche Wegbegleiter schließen hier eine wichtige Lücke. Nicht als Ersatz für professionelle Betreuung, sondern als Ergänzung – persönlich, freiwillig und auf Augenhöhe“, sagt Julius Daven, Vorstandsvorsitzender des Vereins EWD. Die Besuche finden in der Regel mindestens alle 14 Tage statt und können ganz individuell gestaltet werden – von persönlichen Gesprächen über Schule, Zukunft oder Alltag über gemeinsame Freizeitaktivitäten wie Kinobesuche oder Sport bis hin zum gemeinsamen Kochen ist alles möglich. Wichtig ist, dass diese Besuche regelmäßig erfolgen: „Entscheidend ist nicht die Qualität von Ausflügen, sondern die absolute Zuverlässigkeit und Kontinuität der Betreuung. Es braucht nicht viel, um einen jungen Menschen das zu geben, was ihm fehlt: Einfach da sein und immer wiederkommen ist der größte Wunsch“, betont Daven. Auch wenn die 22 Tandems in der Region als erster Erfolg verbucht werden können, ist der Bedarf damit noch lange nicht gestillt: „Viele Kinder und Jugendliche warten weiterhin auf ihren Wegbegleiter außerhalb der Wohngruppe. Ziel des Vereins ist es daher, die Zahl der Tandems in den kommenden Jahren mindestens zu verdoppeln“, sagt Daven.
Ehrenamtliche Betreuer, die die jungen Menschen ein Stück auf ihrem Lebensweg begleiten, berichten häufig, dass die Unterstützung auf Gegenseitigkeit beruht und sie von den Kindern und Jugendlichen viel zurückbekommen: „Sie gewinnen neue Perspektiven, erleben intensive Begegnungen und haben das Gefühl, konkret etwas bewirken zu können“, sagt Daven.
Wer an einer langfristigen Betreuung eines Kindes in einer stationären Wohngruppe interessiert ist, sollte Zeit haben, die Person mindestens alle zwei Wochen für einige Stunden zu besuchen und in der Lage sein, den Besuchskontakt langfristig aufrechtzuerhalten. „Die Beziehung kann auch nach dem Auszug aus der Wohngruppe bestehen bleiben“, sagt Daven. Interessierte Erwachsene, die den jungen Menschen ein wenig ihrer Zeit schenken möchten, werden vom Verein umfassend auf ihre Aufgabe vorbereitet. Sie erhalten eine entsprechende Qualifizierung und werden fachlich begleitet. Weitere Informationen und Kontakt unter www.ehrenamtliche-wegbegleitung-deutschland.de
Redakteur/in:RAG - Redaktion |
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