Initiative zur Unterschutzstellung
Der Gillbach darf nicht austrocknen
- Bei einer Info-Veranstaltung in Rheidt-Hüchelhoven informierten sich Bürgerinnen und Bürger über den Erhalt des vom Austrocken bedrohten Gillbachs
- Foto: Helmut Paul
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Was passiert mit dem Gillbach, wenn RWE nach dem Ende der Braunkohleverstromung seine Kühlwasser-Pumpen abstellt? Der rund 30 Kilometer lange Zufluss der Erft durchfließt das Stadtgebiet von Bergheim, die Gemeinde Rommerskirchen, Grevenbroich und Neuss. Das ursprüngliche Quellgebiet, der Bethlehemer Wald, ist den Tagebauen Bergheim und Fortuna-Garsdorf zum Opfer gefallen und wurde zwischen den 1950er und 1980er Jahren abgebaggert.
Der Streit dreht sich vor allem um die historische Wasserführung: In den Augen des Kraftwerksbetreibers ist der Gillbach "ephemer" und wird in seinen „ursprünglichen Zustand“ mit einer rein temporären Wasserführung übergehen. Was bedeutet, dass der Gillbach nur nach starken Niederschlagsereignissen Wasser führen wird und abschnittsweise auszutrocknen droht. Dagegen formiert sich Widerstand in den betroffenen Kommunen. Zur Rettung des Gillbachs hat sich eine Initiative gegründet, die um den Erhalt dieses vom Verschwinden bedrohten Stücks Heimat kämpft. Bei einem gut besuchten Info-Abend informierten Stadträtin Michaela Eckrodt, Kreistagsmitglied Helmut Paul und die beiden Ortsbürgermeister Dennis Bloch aus Rheidt-Hüchelhoven und Johannes Hübner aus Auenheim die Öffentlichkeit über den Stand der Dinge.
In einem gemeinsamen Schreiben an Umweltminister Oliver Krischer haben CDU-Mann Helmut Paul und Grünen-Ratsfrau Katharina Janetta aus Rommerkirchen jetzt die Unterschutzstellung des Gillbachs nach Natur- und Denkmalrecht gefordert. Eine Prüfung ist bereits zugesagt durch die Kreisstadt Bergheim und den Rhein-Erft-Kreis. Mit einbezogen sind auch der Rhein-Kreis-Neuss und die Bezirksregierung Köln. Außerdem soll ein Gutachten die jahrhundertelange durchgängige Wasserführung des Gillbachs anhand von umfänglichen historischen und wissenschaftlichen Dokumenten objektiv belegen. „Es liegen bereits viele aussagekräftige Dokumente und Karten vor, in den Archiven sind sicher weitere zu finden, man muss es nur wollen", so Paul.
„Für die betroffenen Menschen gibt es keine Zweifel an der Bedeutung und an der durchgängigen Wasserführung über die Jahrhunderte. Insofern sehen wir RWE als Bergbautreibende in der Pflicht, den Zustand des Gewässers aus den Zeiträumen vor dem Abbaggern des Gillbach-Quellgebiets wiederherzustellen“, heißt es in dem Schreiben an das Umweltministerium. Eine eindeutige Rechtspflicht ergibt sich auch aus dem Braunkohleplan Fortuna-Garsdorf von 1983: „Soweit und solange infolge der braunkohlebergbaubedingten Grundwasserabsenkung schutzwürdige Feuchtgebiete und Gewässer außerhalb des Abbaubereiches ihren typischen Charakter und damit ihre ökologische Stabilisierungsfunktion verlieren, ist vom Bergbautreibenden angemessener Ausgleich oder Ersatz zu schaffen.“
Fundstücke aus der Zeit um 400 vor Christus belegen, dass die fruchtbaren Gebiete am Bach bereits seit der jüngeren Steinzeit von Menschen besiedelt wurden. So weit will der Bergheimer Stadtrat Hans-Jürgen Knabben, Jahrgang 1949 und gebürtiger Rommerskirchener, gar nicht zurückgehen: „Wir Kinder spielten immer am und im Gillbach im Sommer, es gab in der Zeit meiner Jugend nie Wassermangel.“ Regen- und geklärtes Abwasser allein reichten nicht aus, um den Gillbach als vitales Fließgewässer und prägendes blaues-grünes Band in der Landschaft zu erhalten.
Auch die geplante Einleitung aus der Rheinwassertransportleitung und die Wiederanhebung des Grundwasserspiegels sei keine Lösung: Dies werde noch viele Jahrzehnte dauern, bis dahin sei der Gillbach sei längst von der Landkarte verschwunden. Bisher sei ohnehin nur vorgesehen, den unteren Gillbachverlauf bachabwärts von Anstel aus mit Rheinwasser zu befüllen. „Unser Stadtratsbeschluss, den Oberlauf über die Hambachleitung mit der gleichen Menge wie die für den Unterlauf vorgesehene Wassermenge direkt ab Auenheim zu unterstützen, wird voraussichtlich nicht umgesetzt“, befürchtet Helmut Paul und hofft, mit der Initiative zur Unterschutzstellung des Gillbachs einen völlig neuen Anstoß zum Erhalt dieses bedeutsamen Gewässers zu geben.
LeserReporter/in:Andrea Floß aus Bergheim |