Niedrigwasser am Rhein
Kein Regen in Sicht: Der Rhein steht bald still
- hochgeladen von Ricardo Kappel
Die große Hitze bleibt, der Regen nicht:
Nach einem der trockensten Frühjahre und Sommer seit Jahren sagen die Wetterdienste auch für die kommenden Wochen kaum flächendeckenden Regen voraus. Der Deutsche Wetterdienst warnt vor ausgetrockneten Böden wie in den Dürrejahren 2018 und 2022 – und in dieser Lage dürfte der Rheinpegel weiter sinken.
Ein kräftiger Schauer über Bonn würde daran wenig ändern:
Der Rhein lebt an dieser Stelle vom Wasser aus seinem riesigen Einzugsgebiet weiter im Süden. Spürbar steigen würde der Pegel erst durch länger anhaltenden Regen – und normalerweise Schmelzwasser – im Oberlauf, etwa in Baden-Württemberg, am Oberrhein und vor allem in den Alpen. Lokaler Regen dagegen fließt rasch ab. Was das ganz konkret bedeutet, zeigt sich derzeit rund um Bad Godesberg: Fähren stehen still, und Schiffe können nicht mehr überall anlegen.
Am sichtbarsten trifft es die Autofähre „Konrad Adenauer",
die den Plittersdorfer Anleger am Von-Sandt-Ufer mit Niederdollendorf verbindet. Sie steht seit gut einer Woche still. Grund ist eine Sand- und Kiesbank vor der Anlegestelle in Niederdollendorf. Beim Übersetzen fuhr die Fähre dort auf und kommt seither weder rechts noch links an der Bank vorbei, ohne sich festzufahren; sie sei schlicht zu groß, um sie zu umfahren, schildert Fährbetreiber Ingo Schneider-Lux die Lage. Wie weit der Pegel gesunken ist, zeigt der Blick vom Niederdollendorfer Anleger: Im flachen Wasser liegen dort Steinbrocken frei, die sonst unter der Oberfläche verborgen sind. Die naheliegende Frage lautet, ob sich diese Steine nicht einfach wegbaggern lassen. Betrieben wird die 2024 auf Elektroantrieb umgerüstete Fähre von der Lux-Werft aus Mondorf.
Für die Fahrgäste bedeutet der Ausfall Umwege -
entweder über die Südbrücke oder über die weiter verkehrende Fähre in Königswinter. Doch auch dort muss improvisiert werden: Von einer Werft in Oberwinter hat der Betrieb einen sogenannten Keil geliehen, der rund 25 Zentimeter Wasserstand überbrückt, damit die Fahrzeuge nicht auf der Rampe aufsitzen. In Königswinter können so vorerst sogar noch Lkw übergesetzt werden.
Anders sieht es bei den übrigen Fähren aus.
Zwischen Bad Honnef und Rolandseck dürfen wegen des niedrigen Wasserstandes derzeit nur noch leichtere Fahrzeuge mit – keine Lkw, Sprinter, Wohnmobile oder Wohnwagen, lediglich Pkw bis zur Größe eines VW-Busses; auf der linken Rheinseite wird in Rolandseck ersatzweise die Nato-Rampe angefahren. Zusätzlich ist diese Fähre am Montag, 10. August, wegen Baggerarbeiten voraussichtlich zwischen etwa 10 und 17 Uhr außer Betrieb. Auch die Fähren in Mondorf fahren noch, müssen aber deutlich vorsichtiger manövrieren, damit die Bugklappe nicht gegen die Uferrampe stößt.
Fährbetreiber Schneider-Lux hofft nun auf Unterstützung:
Seit der Sperrung der Nordbrücke sei die Godesberger Fähre als Verkehrsverbindung wichtiger denn je – von Hilfe sei bislang jedoch wenig zu spüren. In der Region wird darauf gehofft, dass sich Bund und Stadt der Sache annehmen und die Kiesbank samt der freiliegenden Steinbrocken vor Niederdollendorf möglichst unbürokratisch ausgebaggert wird, damit die „Konrad Adenauer" bald wieder übersetzen kann.
Wie außergewöhnlich die Lage insgesamt ist, zeigt der Blick auf den gesamten Strom: Flussabwärts in Köln wurde der niedrigste Stand seit Beginn der Aufzeichnungen gemessen, am Mittelrhein erreichte der Pegel Kaub einen Rekordtiefstand, und Frachtschiffe können vielfach nur noch einen Bruchteil ihrer üblichen Ladung transportieren. In Bonn warnen Stadt und bonnorange inzwischen sogar vor Gegenständen, die im trockengefallenen Flussbett zum Vorschein kommen – darunter alte Kampfmittel.
Am Godesberger Ufer fällt zudem eine Baumaßnahme auf:
Am dortigen Fähranleger wurden grobe Wasserbausteine an der Wasserlinie aufgeschüttet. Solche Steinschüttungen sind eine gängige Uferbefestigung – sie brechen die Kraft von Schraubenwasser, Wellenschlag und Strömung und schützen die Uferkante vor dem Ausspülen. Der niedrige Pegel bietet für solche Arbeiten am Ufer derzeit günstige Bedingungen.
Unabhängig davon ist auch die Fahrgastschifffahrt vom Niedrigwasser betroffen:
Die Bonner Personen Schiffahrt (BPS) kann ihre Schiffe ab Montag, 10. August 2026, bis auf Weiteres nicht mehr in Bad Godesberg anlegen lassen; auch die dortige Agentur bleibt in dieser Zeit geschlossen. Der Linienverkehr zwischen Bonn und Linz am Rhein läuft weiter – Ein- und Ausstieg sind in Bonn, am Bonner Bogen sowie in Königswinter, Remagen und Linz am Rhein möglich.
Solange der Regen im Süden ausbleibt, bleibt die Lage angespannt:
Wann die Fähren bei Bad Godesberg wieder fahren, ist derzeit nicht absehbar. Die Pegel zeigen weiter nach unten – gute Aussichten für die „Konrad Adenauer" sind das nicht.
LeserReporter/in:Ricardo Kappel aus Bad Honnef |
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