Wohnprojekt statt Hochschule?
Neue Pläne für den Alfterer Johannishof

Der Johannishof ist einer der beiden Alanus-Standorte in Alfter, die durch den geplanten Umzug der Hochschule frei werden könnten. Der Verein „LAS Gemeinsam“ möchte den Campus kaufen und dort gemeinsames Arbeiten, Leben und Wohnen ermöglichen. | Foto: fes
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  • Der Johannishof ist einer der beiden Alanus-Standorte in Alfter, die durch den geplanten Umzug der Hochschule frei werden könnten. Der Verein „LAS Gemeinsam“ möchte den Campus kaufen und dort gemeinsames Arbeiten, Leben und Wohnen ermöglichen.
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Alfter (fes). Der geplante Wegzug der Alanus Hochschule nach Bad Honnef wirft in Alfter eine Frage auf, die weit über den Hochschulbetrieb hinausreicht: Was wird aus den bisherigen Standorten? Besonders der Johannishof, der Campus I der Hochschule, rückt dabei in den Mittelpunkt.

Darum geht es: Der großzügige Vierkanthof mitten im Grünen mit seinen Atelier- und Seminarhäusern steht nun zum Verkauf. Verkäuferin ist die Alanus-Stiftung, die wiederum mit dem Wegzug von Alanus in die Emil-Molt-Stiftung übergehen soll. Fünf Millionen Euro sollen als Verkaufspreis aufgerufen sein. Ein Interessent ist der erst im vergangenen Jahr in Königswinter gegründete Verein „LAS Gemeinsam“. Die derzeit zehn Mitglieder zwischen Mitte 20 und Anfang 50 suchen aktuell nach einer geeigneten Immobilie in der Region um ein alternatives Wohn- und Arbeitsprojekt zu realisieren. Die Rede ist von einer Kommune. Auf der Sommerakademie stellten die Vereinsmitglieder Alisa Kybelka, Menso Rappoldt und Marie Jacobs ihre Idee erstmals öffentlich vor. Das Interesse war groß, der Platz in einem der Seminarräume wurde eng.

Ein Hof, viele Ideen

Der Vierkanthof und das gut vier Hektar große Areal wären für das Vorhaben ideal, betonte Rappoldt. Das Ziel: „Den Johannishof bunt erhalten und neu gestalten.“ Ein lebendiger Ort für Gemeinschaft, Bildung und nachhaltige Entwicklung schwebt dem Verein vor.

Das Kürzel LAS steht für drei Säulen, wie Alisa Kybelka erläuterte: L steht für „Lernen im Leben in Gemeinschaft“. Gemeint ist ein von allen geteilter Ort zum Mitmachen, Gestalten, Austauschen, Denken, Fühlen und Wachsen. A steht für Außenwirksamkeit: „Wir setzen sichtbare Impulse im Alltag und bringen uns aktiv ein“, so Kybelka. Den Initiatoren schweben eine Küche für alle, ein Ort für Kunst, Kultur und linkspolitischen Aktivismus vor, solidarisch und inklusiv organisiert. S schließlich steht für Selbstversorgung „Wir möchten nachhaltig, autark und zukunftsfähig werden“, erklärte Kybelka. Gemüse und Obst sollen selbst angebaut und die Energieversorgung unabhängig organisiert werden, Brot soll in einer eigenen „Broterei“ selbst gebacken werden. Auch Wohnungen sollen auf dem Gelände entstehen, möglicherweise bis zu 50 Einheiten generationenübergreifend vom Kleinkind bis zum Senior: „Wir möchten Wohnen und Arbeiten zusammenbringen. Da wir eine Kommune bilden wollen, können wir die Kosten niedriger halten, was auch weniger Lohnarbeit bedeutet“, schilderte Kybelka. Diese Form des Wirtschaftens schaffe Freiräume, das würde auch für den Erwerb des Johannishofs gelten. Dieser solle nicht zu Privateigentum werden. Sind die Kreditschulden erst einmal abgetragen, soll das Areal „dem Markt entzogen werden“. Somit soll es langfristig für die gemeinschaftliche Nutzung gesichert sein: „Der Hof darf dann in den kommenden Jahrzehnten nicht mehr verkauft werden“, erklärte Rappoldt.

Fünf Millionen Euround viele offene Fragen

All dies klingt sehr ambitioniert, doch in trockenen Tüchern ist noch lange nichts. Ob es am Ende zu einem Kaufvertrag kommt, scheint derzeit sehr fraglich, wie auch kritische Stimmen aus dem Publikum anmerkten. So kam heraus, dass ein Business-Plan derzeit noch in Arbeit ist, auch ein Gutachten, ob der Hof samt Grundstück überhaupt fünf Millionen Euro wert ist, hat „LAS“ bislang nicht in Auftrag gegeben. Rappoldt räumte auch ein, dass einige der Gebäude einen erheblichen Sanierungsbedarf aufweisen. Kritisch sahen einige Anwesenden daher den Finanzierungsplan. Um den Johannishof kaufen zu können, benötigt der Verein laut eigener Darstellung bis Oktober Zusagen über die besagten fünf Millionen Euro. Die Finanzierung solle „transparent und nachvollziehbar“ kalkuliert sein und über Direktkredite erfolgen. Tilgung, Laufzeit und Verzinsung werde man gemeinsam vereinbaren.

Damit der Verein das Projekt überhaupt realisieren könne, müsse auch das Planungsrecht geändert werden, erklärte Maryla Günther nach Nachfrage: „Diesbezüglich sind noch keine grundsätzlichen Entscheidungen getroffen worden. Die Umsetzung der vorgestellten Projektidee steht jedoch aufgrund verschiedener rechtlicher Parameter vor besonderen Herausforderungen.“ So müssten zunächst politische Beschlüsse gefasst werden, damit „LAS“ sein Vorhaben realisieren könne. Das Gelände ist derzeit im Bebauungsplan als „Hochschulfläche“ ausgewiesen. Um dies zu ändern, müssten sowohl der Bebauungs- als auch der Flächennutzungsplan geändert werden: „Die Gemeinde Alfter hat dazu jedoch weder einen konkreten Antrag vorliegen noch politische oder interne Beschlüsse zu diesem Thema“, erklärte Günther. Wie Menso Rappoldt erklärte, müsste für die „Kommune“ möglicherweise noch eine neue Anbindung beziehungswiese Zuwegung an den Ort Alfter gebaut werden. Maryla Günther dazu: „Nach dem, was wir über das Konzept kennen, ja. Auch hierzu hat die Gemeinde weder einen konkreten Antrag vorliegen noch politische oder interne Beschlüsse.“ Rappoldt zufolge möchte der Verein im Dezember das Konzept im Gemeinderat vorlegen, hofft aber, dass bereits vorab Entscheidungen getroffen werden, damit dem Eigentümer möglichst schnell ein Kaufangebot vorgelegt werden kann. Im Rathaus sei derzeit nicht bekannt, dass der Verein sein Vorhaben im Rat vorstellen wird: „Diese Aussage können wir nicht bestätigen. Seitens der Gemeinde Alfter liegt dazu weder ein Antrag vor, noch wurde eine Einladung ausgesprochen.“

Campus II für das Gymnasium Alfter nicht geeignet.

Auch rund um den Campus II gibt es Ideen. So beantragte die SPD-Fraktion in der letzten Ratssitzung vor der Sommerpause die Prüfung, ob die freiwerdenden Gebäude an der Villestraße für die benötigten Erweiterungsbauten des Gymnasiums Alfter in Frage kämen. Die Verwaltung hatte den Vorschlag umgehend geprüft.

Laut Bürgermeister Christian Lanzrath (SPD) sei der Campus jedoch zu klein, auch Fachräume und Turnhallen würden fehlen. Es müssten demnach umfangreiche Erweiterungen getätigt werden. Zudem würde die Planungsphase zu lange dauern, denn die Zeit drängt: Im Sommer 2027 soll für die erforderliche Erweiterung des Gymnasiums der Interimsbau stehen. Der eigentliche Erweiterungsbau soll im April 2029 fertig sein. Die Kosten hierfür schätzt die Verwaltung auf 85,5 Millionen Euro.

Die SPD-Fraktion hatte gehofft, durch die Nutzung der Alanus-Gebäude diese Kosten reduzieren zu können.

Der Johannishof ist einer der beiden Alanus-Standorte in Alfter, die durch den geplanten Umzug der Hochschule frei werden könnten. Der Verein „LAS Gemeinsam“ möchte den Campus kaufen und dort gemeinsames Arbeiten, Leben und Wohnen ermöglichen. | Foto: fes
Infoveranstaltung des Vereins „LAS Gemeinsam“, im Kreis steht Marie Jacobs. | Foto: fes
Redakteur/in:

Frank Engel-Strebel aus Bornheim

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