Umgestaltung des Herrenwingert
Abriss der Turnhalle steht bevor
- Großes Interesse: Rund hundert Bürgerinnen und Bürger kamen zur Einwohnerversammlung in die Turnhalle, zu der Bürgermeister Christian Lanzrath eingeladen hatte.
- Foto: Frank Engel-Strebel
Alfter (fes). Voraussichtlich Ende August dürfte die alte Turnhalle der Anna-Schule Geschichte sein. Ab kommender Woche sollen die Bagger rollen und damit der Abriss der maroden Sporthalle aus den 1960er Jahren beginnen. Diesen Zeitplan nannte Architektin Ilse Maria Königs bei einer Einwohnerversammlung in dem alten Sportgebäude, zu der Bürgermeister Christian Lanzrath (SPD) mit Vertretern der Verwaltung eingeladen hatte, um über den aktuellen Sachstand und die weitere Entwicklung des ISEK-Prozesses die Alfterer Bürger zu informieren. Das Kürzel ISEK steht für „Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept“. Seit Ende 2021 läuft der Prozess im Alfterer Ortskern mit dem Ziel, den Herrenwingert zu einer attraktiven „grünen Mitte“ umzugestalten. Ein erster markanter Baustein, die neue Kultur- und Sporthalle, konnte bereits im September 2024 vom damaligen Bürgermeister Rolf Schumacher (CDU) und NRW-Bauministerin Ina Scharrenbach (CDU) feierlich eröffnet werden. Seitdem nutzen die Schule sowie Sport- und Kulturvereine das Gebäude für ihre Veranstaltungen. Das Land fördert den gesamten ISEK-Prozess mit einem Zuschuss von 70 Prozent, der Eigenanteil der Gemeinde liegt bei 30 Prozent.
Die weiteren Schritte im Überblick.
Abriss der alten Turnhalle: Die Halle sollte bereits 2025 abgerissen werden. Aufgrund der prekären Haushaltslage sprachen sich Politik und Verwaltung jedoch dafür aus, für das abgelaufene Jahr keine Fördergelder zu beantragen und den Abriss um ein Jahr zu verschieben. Zuständig für die Niederlegung der Halle ist das Büro Königs Architekten aus Köln, das auch die neue Kultur- und Sporthalle geplant hatte. Kommende Woche wird die Baustelle für den Abriss eingerichtet. Bis Anfang Juli sollen die fachgerechte Entkernung und der Abriss erledigt sein, schilderte Königs. Parallel wird der Schutt abtransportiert. In einigen Bauteilen fänden sich gebundene Schadstoffe, dies sei laut Königs „baujahrestypisch“. Diese werden jedoch fach- und sachgerecht zurückgebaut und entsorgt. Dafür wird es auch eine Fachbauleitung geben. Natürlich bleiben Staub- und Lärmbelästigungen nicht aus: „Wir werden aber alle nötigen Maßnahmen treffen und die Beeinträchtigungen so gering wie möglich halten“, versprach die Architektin und nannte als Beispiel die Staubbindung durch Benetzung.
Aus der Bürgerschaft kamen Fragen hinsichtlich des vorhandenen Baumbestandes, vor allem aber beschäftigte viele Anwohner die Parkplatzsituation. Diese sei, so hieß es aus dem Publikum, bereits jetzt eine „Katastrophe“.
Zugesichert wurde, dass der „aktive Baumschutz“ Teil der Maßnahme sei und zu erhaltende Bäume entsprechend geschützt werden. Abgängige Bäume, also jene, die etwa morsch oder verfault und damit nicht mehr verkehrssicher sind, werden gefällt und durch Ersatzpflanzungen ersetzt.
Lanzrath sicherte zu, dass es weiterhin genügend Parkplätze geben werde, die genaue Zahl stehe jedoch noch nicht fest. Während der gesamten Maßnahme würden Lehrerstellplätze temporär vor die Kultur- und Sporthalle verlagert. Da ein Teil des Bauzauns auch auf den Herrenwingert ragen wird, werde es dort laut Königs zu kleineren Einschränkungen für den Pkw-Verkehr kommen.
Umleitungen werden eingerichtet
Die Abrissarbeiten haben Auswirkungen auf die Verkehrsführung – sowohl für den Auto- als auch für den Busverkehr. Laut Lanzrath werden die Busse in dieser Zeit die Umleitungsstrecke fahren, die sie auch während der Kirmes nutzen. Dafür entfällt die Haltestelle „Alfter, Hertersplatz“. Alternativ können Fahrgäste an der Ersatzhaltestelle „Kronenstraße“ einsteigen. In Fahrtrichtung „Alfter, Hertersplatz“ nehmen die Busse ab der Haltestelle „Alfter, Bahnhof Stadtbahn/Alanus“ ihren Weg geradeaus über Bahnhofstraße, Roisdorfer Weg, Kronenstraße und Bahnhofstraße. In Fahrtrichtung „Duisdorf/Bonn“ geht es ab der Ersatzhaltestelle „Alfter, Hertersplatz“ über die Bahnhofstraße und dann weiter über den gewohnten Linienweg.
Neuer Spiel- und Bolzplatz
Ist die Turnhalle abgerissen, beginnen die Arbeiten für den Bau eines neuen Spiel- und Bolzplatzes. Die Pläne stellte das Team des Landschaftsarchitekturbüros „Wuselwelten“ aus Köln-Kalk vor. Im vergangenen Jahr hatten die Planer in Workshops mit Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräften der Anna-Schule Ideen und Wünsche der Kinder aufgenommen und ein Konzept für das neue Areal entwickelt. Freuen dürfen sich die Kinder unter anderem auf eine Rutschenlandschaft, eine Vier-Turm-Kletteranlage, eine Nestschaukel, Balancierbalken, ein Trampolin oder ein zur Grundschule hin geöffnetes Mini-Fußballfeld. Die Arbeiten werden rund 16 Wochen dauern. Der Spielplatz wird von Bäumen umgeben sein – im Sinne des Klimaschutzes und der Klimaanpassung. Geeignet ist er vor allem für jüngere Kinder; Jugendliche können die Spiel- und Sportfläche auf dem Dach der Kultur- und Sporthalle nutzen. Der Spielplatz ist für alle Kinder geöffnet.
Ein wichtiger Mosaikstein zur Umgestaltung des Ortskerns war immer auch der Bau eines neuen Vollsortimenters, sprich eines Supermarktes. Gewerbe ist jedoch nicht förderungsfähig. Dafür braucht es einen Investor. Die Suche erwies sich in der Vergangenheit als schwierig. Lanzraths Vorgänger Rolf Schumacher (CDU) sprach im vergangenen Jahr noch von den Angeboten zweier Interessenten, die „ernsthaft daran interessiert“ seien, einen Supermarkt zu bauen. Bauamtsleiter Thomas Fink erklärte nun, dass sich die Gemeinde derzeit noch in der „Markterkundung“ befinde. Wie mehrfach berichtet, müsste ein Investor zusätzlich auf dem Grundstück, das in Erbpacht angeboten wird, unter dem Supermarkt auch Tiefgaragenplätze bauen.
Der ISEK-Prozess läuft nach der Eröffnung des neuen Spielplatzes weiter. So soll der bisherige Parkplatz auf dem Herrenwingert zu einem Dorf- und Festplatz umgebaut werden. Vor der Kultur- und Sporthalle ist ein „Lindenhain“ geplant. Auch eine Buswendeschleife ist vorgesehen. Ursprünglich war auch geplant, das Schloss Alfter mit seinem Park in den Prozess einzubinden. Aufgrund der klammen Haushaltslage wurde dieser Teil jedoch mittlerweile von Politik und Verwaltung verworfen.
Aktuelle Informationen zum ISEK-Prozess hat die Gemeinde auf ihrer Internetseite veröffentlicht: www.alfter.de/bauen-wohnen/isek/
Redakteur/in:Frank Engel-Strebel aus Bornheim |