Am 12. August ist Sonnenfinsternis
Von Mythen und Mondschatten
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Am 12. August verdunkelt der Mond kurz vor Sonnenuntergang auch über dem Rheinland einen großen Teil der Sonnenscheibe. Danach richtet sich der Blick fast nahtlos auf das nächste Himmelsschauspiel: die Perseiden
Region. Im Norden jagt in der nordischen Überlieferung der Wolf Sköll die Sonne Sól über den Himmel, während Hati dem Mond Máni nachsetzt. Im Osten erzählte man im alten China von einem Himmelsdrachen, der die Sonne verschlingt und durch Trommeln und Lärm vertrieben werden müsse. Im Süden, in den Anden, galten Sonnenfinsternisse bei den Inka oft als Zeichen des Missfallens des Sonnengottes Inti. Und im Westen, in der Überlieferung der Navajo, ist eine Finsternis kein Spektakel zum Anstarren, sondern eine heilige Zeit des Innehaltens, in der Menschen nach traditioneller Vorstellung ins Hogan gehen, still werden und die Ordnung von Sonne, Mond und Erde achten.
So verschieden diese Bilder auch sind – sie erzählen alle vom selben Moment: Der Himmel tut etwas, das Menschen aus ihrem Alltag reißt. Und genau das passiert auch an Rhein, Wupper, Sieg und in der Eifel: Am Mittwoch, 12. August, verfinstert sich die Sonne. Total wird sie nur in einem schmalen Pfad unter anderem über Grönland, Island, Nordspanien und den Balearen sichtbar sein, aber die partielle Sicht bei uns reicht für einen eindrucksvollen Abendhimmel..
- Die Himmelsscheibe von Nebra, heute im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle (Saale) zu sehen, gilt als die älteste bekannte konkrete Darstellung astronomischer Phänomene.
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Ein Abendereignisfür die ganze Region
Für Leverkusen, Köln, Bonn, das Bergische Land und die Eifel heißt das: Die Finsternis beginnt am frühen Abend kurz nach 19.18 Uhr. Der Höhepunkt liegt in der Region um 20.12 Uhr bis 20.13 Uhr, also zu einer Zeit, in der die Sonne bereits sehr tief steht. In Köln erreicht die partielle Finsternis um 20.12 Uhr und 48 Sekunden ihr Maximum; die Sonne steht dann nur noch gut sechs Grad über dem Horizont. In Bonn liegt das Maximum um 20.13 Uhr und 6 Sekunden, ebenfalls tief im Westnordwesten.
In Leverkusen beginnt die Finsternis gegen 19.18 Uhr, der Höhepunkt ist gegen 20.12 Uhr erreicht, sichtbar bleibt das Schauspiel dort bis etwa 20.59 Uhr. Für das Bergische Land kann Bergisch Gladbach als Orientierung dienen: Beginn gegen 19.18 Uhr, Maximum gegen 20.12 Uhr, sichtbares Ende gegen 20.58 Uhr. In der Eifel, repräsentativ für Bad Münstereifel, beginnt die Finsternis um 19.19 Uhr und 14 Sekunden, erreicht ihr Maximum um 20.13 Uhr und 25 Sekunden und endet dort mit der tief stehenden Sonne gegen 20.54 Uhr.
Die entscheidende praktische Frage lautet deshalb nicht nur: Wann beginnt die Finsternis? Sondern: Wo ist der Horizont frei? Häuser, Hügel, Bäume und Waldkanten können genau im entscheidenden Moment im Weg stehen. Wer beobachten will, sucht sich am besten frühzeitig einen Platz mit freier Sicht nach Westen bis Westnordwesten. Eine Anhöhe, ein Feldrand oder ein unverstellter Blick über eine offene Landschaft kann mehr wert sein als jedes Fernrohr.
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Ohne Schutz geht es nicht
So schön der Anblick werden kann, ungefährlich ist er nur mit richtigem Augenschutz. Das Bundesamt für Strahlenschutz warnt ausdrücklich vor dem direkten Blick in die Sonne mit ungeschützten Augen; die Netzhaut kann in kurzer Zeit schwer und dauerhaft geschädigt werden. Normale Sonnenbrillen, berußte Gläser, CDs oder andere Hausmittel reichen nicht aus. Sicher sind spezielle Sonnenfinsternisbrillen nach der gültigen Norm DIN EN ISO 12312-2:2015 oder eine indirekte Beobachtung, etwa per Projektion. Wer Kamera, Fernglas oder Teleskop nutzt, braucht dafür geeignete Sonnenfilter vor der Optik.
Was Tiere merken können
Auch Tiere können auf den plötzlichen Lichtwechsel reagieren, aber die Forschung ist dabei vorsichtig: Aus Anekdoten allein lässt sich wenig Sicheres ableiten. Eine Studie zu einer totalen Sonnenfinsternis in Nordamerika zeigte 2025, dass Vogelstimmen vor allem dort deutlich zurückgingen, wo mehr als 99 Prozent der Sonne verdeckt waren. Zugleich waren die Reaktionen je nach Ort und Art unterschiedlich, und menschliche Begeisterung oder Lärm können das Verhalten von Tieren zusätzlich beeinflussen.
Wenn Amseln früher leiser werden, Insekten anders klingen oder Haustiere kurz irritiert wirken, kann das zur Dämmerung passen, muss aber nicht allein an der Finsternis liegen.
Wie der Schatten entsteht
Erst am Ende der Reise durch Mythen, Zeiten und Beobachtung lohnt der nüchterne Blick auf die Mechanik. Eine Sonnenfinsternis entsteht, wenn sich der Mond bei Neumond zwischen Erde und Sonne schiebt. Trifft sein Kernschatten die Erde, ist die Finsternis in einem schmalen Streifen total. Wer außerhalb dieses Streifens steht, erlebt eine partielle Finsternis: Der Mond verdeckt nur einen Teil der Sonnenscheibe.
Genau das passiert bei uns: Der Kernschatten läuft anderswo über die Erde, aber der Halbschatten erreicht auch Deutschland. Darum wird die Sonne hier nicht verschwinden, sondern als deutlich angebissene Sonnenscheibe in Richtung Horizont sinken. Dass die Finsternis gerade zum Sonnenuntergang kommt, macht sie besonders stimmungsvoll, aber auch besonders anspruchsvoll. Denn schon wenige Grad Sonnenhöhe entscheiden darüber, ob die Sichel noch sichtbar ist oder bereits hinter Dachkanten, Baumreihen oder Eifelhöhen verschwindet.
Warum 90 Prozentnicht gleich 90 Prozent sind
Wer beim nächsten Grillabend mit Astronomie-Wissen punkten möchte, kann sich einen Fachbegriff merken: die „Magnitude“. Sie beschreibt, welcher Anteil des Sonnendurchmessers vom Mond verdeckt wird. Daneben gibt es noch den Bedeckungsgrad. Er gibt an, wie viel von der Fläche der Sonnenscheibe verschwindet.
Für die Sonnenfinsternis am 12. August 2026 wird für das Rheinland eine Magnitude von rund 0,9 angegeben. Vereinfacht gesagt: Der Mond schiebt sich so weit vor die Sonne, dass von ihrem Durchmesser nur noch ein schmaler Rest sichtbar bleibt. Trotzdem wird es nicht dunkel wie in der Nacht. Denn selbst eine schmale Sonnensichel strahlt noch erstaunlich viel Licht ab. Deshalb bleibt die Finsternis bei uns zwar spektakulär, aber eben nicht total.
- Sonne und Mond gehören zu den ältesten Motiven der Menschheitsgeschichte – in der germanisch-nordischen Überlieferung begegnen sie als Sunna (Sól) und Máni. Seit Jahrtausenden versuchen Menschen, die Geheimnisse des Himmels zu deuten.
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Von Nebra bis zu den Perseiden
Vor mehr als 3.600 Jahren blickten Menschen in Mitteldeutschland bereits mit großer Aufmerksamkeit zum Himmel. Davon zeugt die berühmte Himmelsscheibe von Nebra, die als älteste bekannte konkrete Darstellung astronomischer Phänomene gilt. Sonne, Mond und Sterne sind auf ihr verewigt – ein Hinweis darauf, wie eng Himmelsbeobachtung, Kalenderwissen und vielleicht auch Glaubensvorstellungen schon in der Bronzezeit miteinander verbunden waren.
Später erzählen andere Überlieferungen von Sonne und Mond. In der germanisch-nordischen Mythologie ist die Sonne weiblich: Sunna oder Sól. Der Mond dagegen trägt den Namen Máni und ist männlich. Beide ziehen als personifizierte Himmelskörper über den Himmel und zeigen, wie tief Sonne und Mond im Denken der Menschen verwurzelt waren – lange bevor Astronomen ihre Bahnen berechnen konnten.Am 12. August wird am Himmel keine Mythologie aufgeführt, sondern pure Himmelsmechanik: Die Sonne sinkt als schmale Sichel hinter dem Horizont, der Mond bleibt unsichtbar und macht die Nacht besonders dunkel. Und genau das schafft ideale Bedingungen für das nächste Himmelsschauspiel: In der Nacht vom 12. auf den 13. August erreichen die Perseiden ihr Maximum. Die Sternschnuppen scheinen aus dem Sternbild Perseus zu kommen – jenem Helden der griechischen Mythologie, dessen Name bis heute am Himmel weiterlebt.Wer also nach der Sonnenfinsternis noch ein wenig ausharrt, bekommt gleich zwei Reisen geschenkt: eine in die Astronomie – und eine durch die Geschichten, die sich Menschen seit Jahrtausenden über den Himmel erzählen.
Redakteur/in:Montserrat Micaela Manke |