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Jubiläumskonzert 1. Akkordeon-Club-Niederkassel
Klassische Akkordeonorchester-Literatur und ein herausragender Solist: Nico Gutu begeistert in Mondorf

Der 1. Akkordeon-Club-Niederkassel im zweiten Programmteil - mit dem jüngsten Mitglied, der zehnjährigen Celina Ruppel, in der 1. Stimme.  | Foto: Anita Brandtstäter
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Niederkassel-Mondorf: Mit einem festlichen Jubiläumskonzert feierte der 1. Akkordeon-Club-Niederkassel am Samstag sein 50-jähriges Bestehen in der Aula der Alfred-Delp-Realschule in Mondorf. Rund 150 Besucher erlebten ein Programm, das die musikalische Geschichte des Orchesters eindrucksvoll widerspiegelte: Sämtliche Werke waren bereits in früheren Jahreskonzerten des Vereins zu hören gewesen und standen exemplarisch für die stilistische Vielfalt und den hohen musikalischen Anspruch des Clubs. Die stellvertretende Bürgermeisterin Barbara Lülsdorf würdigte den Verein als „wesentlichen Teil der Kultur unserer Stadt“ und hob besonders die Bedeutung des ehrenamtlichen Engagements hervor. 

Die musikalische Leiterin Pia Clemens hatte bewusst ein Programm zusammengestellt, das klassische Akkordeonorchester-Literatur beinhaltete - mit großer Vielfalt, um das "Instrument des Jahres 2026" auch gebührend zu präsentieren. Das rund 20 Musikerinnen und Musiker starke Orchester spielte technisch souverän, klanglich ausgewogen und mit großer Spielfreude.

Beide Konzertteile wurden wirkungsvoll mit großen Märschen eröffnet. Zu Beginn erklang der „St. Louis Blues“ von W. C. Handy in der Bearbeitung von Willi Münch — eine faszinierende Verbindung von traditionellem Blues und Militärmarsch, die vielen Zuhörern durch die berühmte Glenn-Miller-Version mit der US Army Air Force Band vertraut sein dürfte. Nach der Pause eröffnete Edward Elgars „Pomp and Circumstance March No. 1“ in der Bearbeitung von Werner Niehues den zweiten Teil. Der 1901 entstandene Marsch mit seinem majestätischen Mittelteil „Land of Hope and Glory“ entfaltete seinen festlichen Glanz.

Die erste Programmhälfte stand ganz im Zeichen klassischer Konzertouvertüren und konzertanter Akkordeonorchesterwerke. Mit Adolphe Adams Ouvertüre „Wenn ich König wär’“ in der Bearbeitung von Curt Mahr bewältigte das Ensemble eindrucksvoll besonders die schnellen Läufe und den dynamischen Spannungsbogen. Auch Josef Rixners virtuose „Bagatelle“, jenes Werk, mit dem dem Komponisten in den 1930er Jahren der Durchbruch gelang, überzeugte. Es folgte „Ungarisch“ von Jo Knümann, ebenfalls in einem Arrangement von Curt Herold. Die Komposition greift charakteristische ungarische Melodeführungen eingängig auf. 

Heute darf in kaum einem Akkordeonorchesterprogramm Musik von Astor Piazzolla fehlen. Der CLub hatte mit „Oblivion“ einen lyrischen Tangos nuevo des argentinischen Bandoneonisten gewählt, meisterhaft arrangiert von Hans-Günther Kölz. Hier glänzte Christian Lohmann als Solist auf einer Klaviola — einem seltenen Blasinstrument mit Diskanttastatur, das die Firma Hohner Ende der 1990er Jahre nur kurze Zeit produzierte. Mit Jacob de Haans „La Storia“ erklang ein beliebtes konzertantes Werk moderner Blasorchesterliteratur, das längst auch seinen festen Platz im Repertoire vieler Akkordeonorchester gefunden hat. Die filmische Dramaturgie der Komposition kam ausgezeichnet an. Spannend war auch das Zusammenspiel mit den ergänzenden Instrumenten, gespielt von Leonie  Scheib am Keyboard, Milena Werthenbach, Percussion und Pauken, Henning Scheib am Schlagzeug und Daichi Hisada am E-Piano. 

Der zweite Konzertteil war dann der Popularmusik gewidmet. Wolfgang Ruß’ groß angelegtes und rhythmisch wie harmonisch raffiniert gearbeitetes Medley „Udo Jürgens in Concert“ sorgte schnell für Begeisterung im Publikum. Bei Klassikern wie „Merci Chérie“, „Siebzehn Jahr, blondes Haar“ oder „Aber bitte mit Sahne“ wurde gerne mitgesungen. Mit viel Humor präsentierte das Orchester zum Abschluss das Medley „The Blues Brothers“ in der Bearbeitung von Marc-Oliver Brehm. Thomas Scheib aus der ersten Stimme trat dabei stilecht mit Sonnenbrille, schwarzer Perücke und passendem Outfit als Saxofonsolist auf und verlieh Titeln wie „Everybody Needs Somebody“ oder „Peter Gunn Theme“ zusätzliche klangliche Authentizität. Eine besondere Überraschung bot außerdem „Drummers go Latin“ von Peter Hudec. Für dieses Werk stellten die Orchestermitglieder ihre Akkordeons beiseite und griffen zu unterschiedlichsten Percussion-Instrumenten. Das ursprünglich 1980 für ein sechsköpfiges Percussion-Ensemble komponierte Stück entwickelte sich zu einem mitreißenden rhythmischen Erlebnis. 

Ein absoluter Höhepunkt des Abends war der Soloauftritt von Nico Gutu nach der Pause. Der gebürtige Moldauer und heutige Bonner zählt zu den außergewöhnlichen jungen Akkordeonisten. Seine musikalische Entwicklung führte ihn von der klassischen Ausbildung an der Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar über Varieté-Erfahrungen in Paris und Italien bis hin zum Jazzstudium an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover.

Gutu präsentierte ein ausgesprochen vielseitiges und repräsentatives Programm für das „Instrument des Jahres 2026“. Bereits Astor Piazzollas „Contrabajeando“ wurde mit spontanen Bravo-Rufen gefeiert. Seine eigene Komposition „Moldomania“ verband folkloristische Elemente seiner moldawischen Heimat mit Jazz- und Tangoidiomen zu einer neuen charakteristischen Klangsprache. Einen besonderen Kontrast bildete Luciano Berios experimentelle Bearbeitung des französischen Volksliedes „Rossignol du bois“, das Gutu mit einer improvisierten Einleitung auf der Accordina eröffnete und mit außergewöhnlicher klanglicher Sensibilität gestaltete. Und Jerry Hermans Swing-Klassiker „Hello Dolly“ demonstrierte eindrucksvoll seine stilistische Vielseitigkeit. Der nicht enden wollende Applaus führte schließlich zu einer Zugabe — sehr zur Freude des Publikums und durchaus nachdrücklich eingefordert von Moderator Stephan Vehreschild. Mit Piazzollas bekannten „Libertango“ setzte Nico Gutu einen brillanten Schlusspunkt unter seinen umjubelten Auftritt.

Trotz der bereits fortgeschrittenen Uhrzeit - auch nach einem Ehrungsblock für sechs Gründungsmitglieder sowie besonderer Danksagungen - ließ das Publikum die Musikerinnen und Musiker des Orchesters erst nach zwei weiteren Zugaben ziehen. Dmitri Schostakowitschs populärer „Walzer Nr. 2“ lud mit seinem Schwung und seiner Klangfülle zum Schunkeln ein, bevor „Er gehört zu mir“ von Marianne Rosenberg im pfiffigen Arrangement von Wolfgang Ruß fröhlich mitgesungen wurde.

Nach über drei Stunden endete ein Jubiläumskonzert, das eindrucksvoll zeigte, wie lebendig und vielseitig  Akkordeonorchesterarbeit heute sein kann — und warum der 1. Akkordeon-Club-Niederkassel seit fünf Jahrzehnten einen festen Platz im kulturellen Leben der Region einnimmt.

Der 1. Akkordeon-Club-Niederkassel im zweiten Programmteil - mit dem jüngsten Mitglied, der zehnjährigen Celina Ruppel, in der 1. Stimme.  | Foto: Anita Brandtstäter
Nico Gutu begeisterte nach der Pause mit einem vielfältigen Solo-Programm.  | Foto: Anita Brandtstäter
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Anita Brandtstäter aus Köln

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