Hohe Fahrschulkosten in Deutschland
Lohnt sich der Führerschein im Ausland?
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Hohe Fahrschulkosten: Lohnt sich der Führerschein im Ausland?
3.000 Euro, 3.500 Euro oder sogar 4.000 Euro: Der Führerschein ist für viele junge Menschen und ihre Familien zu einer erheblichen finanziellen Belastung geworden. In einigen europäischen Nachbarländern kostet die Fahrerlaubnis dagegen deutlich weniger. Warum also nicht einfach den Führerschein in Polen, Tschechien oder Österreich machen? Ganz so einfach ist es nicht.
Die Kosten für den Führerschein der Klasse B liegen in Deutschland derzeit häufig zwischen 3.000 und 4.000 Euro. Wie teuer es am Ende tatsächlich wird, hängt unter anderem von der Fahrschule, der Region und der Anzahl der benötigten Fahrstunden ab.
Ein Blick über die Grenze zeigt teilweise erhebliche Preisunterschiede.
Polen und Tschechien deutlich günstiger
Besonders günstig kann der Führerschein in Tschechien oder Polen sein. Für Polen werden Kosten zwischen etwa 600 und 1.200 Euro genannt. Einige Fahrschulen bieten dort sogar Unterricht auf Deutsch an.
In Tschechien werden je nach Anbieter ebenfalls Preise von etwa 800 bis 1.200 Euro genannt. Teilweise sind dabei deutschsprachige Lehrmaterialien und die Unterstützung durch einen Dolmetscher bei der Prüfung berücksichtigt.
Damit kann die Fahrerlaubnis dort nur einen Bruchteil dessen kosten, was Fahrschüler in Deutschland häufig bezahlen.
Auch Österreich ist günstiger. Dort werden für den Führerschein der Klasse B ungefähr 1.200 bis 2.000 Euro fällig.
Auch Frankreich und Italien können günstiger sein
Nicht nur in Osteuropa unterscheiden sich die Preise deutlich von Deutschland.
In Italien liegen die Fahrschulkosten je nach Region ungefähr zwischen 1.000 und 1.300 Euro. Wer dort die gesetzlichen Möglichkeiten zum privaten Üben nutzen kann und nur wenige professionelle Fahrstunden benötigt, kann unter Umständen noch deutlich weniger bezahlen.
Für Frankreich werden Kosten zwischen rund 1.300 und 2.100 Euro genannt. Belgien liegt ungefähr zwischen 1.700 und 2.000 Euro.
In den Niederlanden sind es dagegen etwa 2.500 Euro. Dänemark bewegt sich mit ungefähr 2.000 bis 3.000 Euro bereits näher am deutschen Preisniveau.
Warum ist der Führerschein im Ausland günstiger?
Die Unterschiede haben mehrere Ursachen. In einigen Ländern gibt es weniger verpflichtende Fahrstunden oder andere Anforderungen an die Fahrausbildung.
Hinzu kommen unterschiedliche Lohn-, Miet- und Betriebskosten der Fahrschulen. Auch die Möglichkeit, außerhalb einer Fahrschule mit Eltern, Freunden oder Verwandten Fahrpraxis zu sammeln, spielt in manchen Ländern eine größere Rolle.
Das kann die Gesamtkosten erheblich reduzieren.
Kann man für den Führerschein einfach nach Polen fahren?
Genau hier liegt der entscheidende Haken.
Ein deutscher Staatsbürger kann nicht einfach einige Wochen nach Polen, Tschechien oder in ein anderes EU-Land fahren, dort günstig den Führerschein erwerben und anschließend wieder nach Deutschland zurückkehren.
Innerhalb der EU gilt grundsätzlich das Wohnsitzprinzip. Die Fahrerlaubnis wird in der Regel von dem Mitgliedstaat erteilt, in dem der Antragsteller seinen ordentlichen Wohnsitz hat.
Grundsätzlich muss man dort mindestens 185 Tage im Kalenderjahr leben. Ein kurzer Aufenthalt nur zum Erwerb eines günstigeren Führerscheins reicht daher nicht aus.
Sonderregel für Studenten und Schüler
Interessant kann ein Führerscheinerwerb im Ausland dagegen für junge Menschen sein, die ohnehin längere Zeit dort leben.
Wer beispielsweise für Studium, Ausbildung oder Schüleraustausch mehrere Monate in einem anderen EU-Staat verbringt, kann unter bestimmten Voraussetzungen dort auch die Fahrerlaubnis erwerben.
Für Studierende gibt es eine besondere Regelung: Wer mindestens sechs Monate in einem anderen EU-Land studiert, kann dort unter den entsprechenden Voraussetzungen einen Führerschein beantragen.
Gerade für Studenten, die ohnehin ein Auslandssemester oder einen längeren Studienaufenthalt planen, kann sich deshalb ein genauer Blick auf die Kosten lohnen.
Wird ein EU-Führerschein in Deutschland anerkannt?
Ein rechtmäßig erworbener Führerschein eines anderen EU-Mitgliedstaates wird grundsätzlich auch in Deutschland anerkannt.
Entscheidend ist allerdings, dass die Voraussetzungen für seinen Erwerb tatsächlich erfüllt wurden. Insbesondere das Wohnsitzprinzip darf nicht durch einen lediglich vorgetäuschten Wohnsitz umgangen werden.
Wer mit Angeboten für einen angeblich besonders unkomplizierten „EU-Führerschein“ konfrontiert wird, sollte deshalb vorsichtig sein.
Ausland ist nicht automatisch günstiger
Auch die reinen Fahrschulpreise erzählen nicht die ganze Geschichte.
Wer ausschließlich wegen des Führerscheins ins Ausland ziehen müsste, hätte zusätzliche Kosten für Wohnung, Reisen und Lebensunterhalt. Dann kann der vermeintliche Preisvorteil schnell verschwinden.
Anders sieht es aus, wenn jemand ohnehin für Studium, Ausbildung oder aus beruflichen Gründen längere Zeit in einem anderen EU-Staat lebt. In diesem Fall können die niedrigeren Fahrschulpreise tatsächlich interessant sein.
Auch mögliche Folgekosten sollten berücksichtigt werden. Versicherungen, Steuern, Kraftstoff und andere Kosten rund ums Auto unterscheiden sich innerhalb Europas teilweise erheblich.
Deutschland will den Führerschein günstiger machen
Die hohen Kosten sind inzwischen auch Gegenstand politischer Reformbemühungen. Die Fahrschulausbildung in Deutschland soll modernisiert und günstiger werden.
Zu den diskutierten beziehungsweise auf den Weg gebrachten Änderungen gehören unter anderem weniger verpflichtende Sonderfahrten, mehr digitale Möglichkeiten beim Theorieunterricht und ein verkleinerter Fragenkatalog für die theoretische Prüfung.
Ob und wie stark Fahrschüler dadurch tatsächlich sparen werden, muss sich allerdings erst zeigen.
Für wen kann sich der Führerschein im Ausland lohnen?
Ein finanzieller Vorteil kann vor allem für Menschen entstehen, die ohnehin längere Zeit in einem anderen EU-Staat leben und dort die gesetzlichen Voraussetzungen für den Führerscheinerwerb erfüllen.
Nur wegen niedriger Fahrschulpreise kurzfristig über die Grenze zu fahren, funktioniert dagegen nicht.
Fazit: Zwischen Deutschland und seinen europäischen Nachbarn bestehen teilweise enorme Preisunterschiede. Während für einen deutschen Autoführerschein häufig 3.000 bis 4.000 Euro eingeplant werden müssen, kann die Fahrerlaubnis beispielsweise in Polen oder Tschechien deutlich günstiger sein. Voraussetzung ist jedoch grundsätzlich ein tatsächlicher Wohnsitz im jeweiligen Land.
Hinweis: Die genannten Preise sind Richtwerte und können je nach Region, Fahrschule, Wechselkurs, benötigten Fahrstunden und individuellen Voraussetzungen erheblich abweichen.
LeserReporter/in:Marco Hönicke aus Köln |