Fans der deutschen Nationalmannschaften
Kölner Eifel-Buure auf WM-Tour in USA, Kanada und Mexiko
- Die „Eifel-Buure“ Wilfried, Felix, Jens, Dagmar, Niklas und Joachim (v.l.) beim Eröffnungsspiel der Heim-EM 2024 gegen Schottland.
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Von Holger Bienert
Jens Freche ist keiner, der Fußball nur auf dem Sofa erlebt. Mit seinem Fanclub, den Kölner „Eifel-Buure“, reist er seit Jahren der Nationalmannschaft hinterher und hat in den Jahren viel erlebt. Dabei ist es nicht immer das Spielergebnis. Manchmal ist es ein Trikottausch, ein Gespräch im schottischen Pub oder Totenstille in der Kurve nach dem Gegentor. Mit den „Eifel-Buure“ geht es für ihn nun zur WM in den USA, Mexiko und Kanada.
Jens Freche ist großer Fan der deutschen Nationalmannschaft, auch wenn seine eigene Sportgeschichte eine andere Kurve genommen hat. Früher spielte er lieber Handball und im Vereinsfußball hält er – eher untypisch fürs Rheinland – zum HSV. Trotz dieser sportlichen „Missgeschicke“ steht er heute an der Spitze der „Eifel-Buure“, eines offiziellen Fanclubs der Nagelsmann-Elf. Der Zusammenschluss gründete sich vor drei Jahren aus einer schon länger bestehenden Runde von Familie, Freunden und alten Schulbekannten. Freche: „Seit Ende 2023 können sich eigenständig organisierte Fanclubs beim DFB registrieren lassen, und so wurde aus dem lockeren Kreis von rund 20 Leuten ein angemeldeter Club.“ Auch ein praktischer Gedanke spielte dabei eine Rolle. „Die Chancen auf Tickets sind höher. Und noch besser werden sie, wenn sich ein Fanclub im DFB caritativ engagiert.“ Auch das packten die Eifel-Buure regelmäßig an.
Der Anfang dieser Fußballgeschichte führt zurück ins altehrwürde Müngersdorf-Stadion, wo Freche am 17. November 1993 sein erstes Spiel der Nationalmannschaft sah: das Freundschaftsspiel Deutschland gegen Brasilien. Die Premiere eines Turnierspiels folgte allerdings erst bei der EM 2008. Und seitdem gehört auch das Warten auf den großen Erfolg irgendwie dazu. Es gab schöne Reisen, besondere Begegnungen, aber eben auch diese Abende, die einem Fan quer im Magen liegen. Das 0:2 im EM-Halbfinale 2016 gegen Gastgeber Frankreich war so ein Moment, für Freche schlicht „ganz bitter“.
Auch die WM 2018 in Russland hat sich eingebrannt, sportlich aus unangenehmen Gründen, menschlich aber mit einer Geschichte, wie sie nur der Fußball schreibt. Beim Auftakt gegen Mexiko war Freche beeindruckt von der „bahnbrechenden Stimmung“ der Mittelamerikaner. Die Niederlage hielt er damals noch nicht für ein großes Problem. „Ach komm, das packen wir ja noch“, dachte er, aber nach der Vorrunde war erstmals Schluss für ein deutsches Team. Doch ausgerechnet dieses Spiel brachte eine Begegnung, die Freche bis heute nicht vergessen hat. Ein mexikanischer Fan, großer Anhänger von Toni Kroos, wollte ein Foto mit Freche in dessen Kroos-Trikot. Beide kamen ins Gespräch, und am Ende tauschten sie die Trikots. Es ist genau diese Art von Moment, die für Freche zeigt, warum eine Fußballreise mehr sein kann als Anstoß, Abpfiff und Ergebnis.
„Ich habe 2018 einen Fan aus Peru kennengelernt, der sein Haus verkauft hat, nur um zur WM nach Russland reisen zu können.“
Bei der Corona-EM 2021 gehörte Freche auch zu den wenigen Glücklichen, die für das Spiel gegen Portugal in München ein Ticket bekamen. Statt der möglichen 70.000 Karten gingen nur 14.000 in den Verkauf. Der 4:2-Sieg war sportlich wichtig, doch das Stadiongefühl blieb gebremst. „Im Stadion kam keine echte Stimmung auf“, erinnert er sich.
Die Winter-WM 2022 in Katar ließ Freche aus, weil es zeitlich nicht passte und ihn das Land nicht besonders reizte. Dafür traf ihn die Heim-EM 2024 umso stärker. Das Viertelfinal-Aus gegen Spanien war schönstes und schlimmstes Erlebnis zugleich, das legendäre Wechselbad der Gefühle, das jeder Fußball-Fan kennt. Den Ausgleich durch Florian Wirtz kurz vor Schluss beschreibt er als besondere Erinnerung: „Die kollektive Gefühlsexplosion beim Ausgleich kurz vor Schluss war einfach unglaublich. So habe ich ein Stadion bei einem Spiel der Nationalmannschaft noch nie erlebt.“ Nach dem spanischen Siegtreffer kippte die Stimmung allerdings in die andere Richtung. „Da hätte man im Stadion eine Nadel fallen hören können“, sagt Freche. Und das viel diskutierte Handspiel? „Das haben wir aus unserer Kurve gar nicht sehen können. Das haben wir erst später erfahren.“
Über die Jahre sind durch die Spiele auch internationale Kontakte entstanden, die über die Spiele hinausgehen. Die „Eifel-Buure“ haben dabei einen besonderen Draht zu Fans aus Nordeuropa. Beim WM-Qualifikationsspiel im vergangenen September im RheinEnergieStadion erlebten sie Nordiren als faire Verlierer, dazu feierfreudig, trinkfest und vor allem friedlich. Kontakte zur dänischen Fanszene reichen bei Freche bis zur Euro 1992 zurück, als er dort im Urlaub war. Auch die Schotten haben es ihm angetan, weil sie im Stadion zuverlässig Stimmung machen. Freche erzählt, wie seine Fan-Truppe in Schottland mit ihren Trikots in einen Pub marschierten und dort sofort Anschluss fanden. Heute hält man über digitale Wege Kontakt, schreibt sich, reagiert auf Spiele oder gratuliert zur Qualifikation. Für Freche ist das anders als im Vereinsfußball: weniger Gegeneinander, mehr gemeinsamer Spaß am Spiel.
Nun geht die Reise weiter zur WM in den USA, Mexiko und Kanada. Sportlich legt Freche die Messlatte nicht zu hoch, denn die dicken Brocken erwartet er erst nach der Vorrunde. Für die Eifel-Buure ist vor allem wichtig, dass alle, die Tickets wollten, auch welche bekommen haben. Der Ticket-Wucher, der viele Fans verärgert, ging an ihnen vorbei. Sie bezogen ihre Karten über den DFB in den Preiskategorien von 60 bis 220 US-Dollar. Auch die Reisevorbereitungen sind abgeschlossen. Für deutsche Staatsbürger sei es vergleichsweise weniger aufwendig, weil das ESTA, die benötigte erweiterte Sicherheitsüberprüfung für Reisende in die USA, online beantragt werden kann. Hilfreich ist aus seiner Sicht auch der enge Kontakt zum DFB, etwa bei Fragen zur Anreise vom Raum New York zum Stadion in New Jersey. Dort habe der Verband seine Unterstützer und Fanclubs auch über zusätzliche Busse zu erschwinglichen Preisen informiert. Ein Vorteil der Buure: Freche fungiert während der WM als Fanbotschafter des DFB vor Ort, und somit als Ansprechpartner rund um die Deutschlandspiele die „von Fans für Fans“ zur Verfügung stehen.
Die WM kann für Jens Freche und seine Eifel-Buure also kommen, mit Spielen in Houston, Toronto und New York, aber auch mit Begegnungen auf Rängen, Straßen und in Kneipen. Natürlich geht es um die Nationalmannschaft, um Tore und Turnierhoffnung. Aber es geht eben auch um Menschen, die man sonst nie treffen würde. Genau deshalb, sagt Freche, habe er den Fanclub gegründet: Weil solche Begegnungen eben nur der Fußball möglich macht.
Redakteur/in:EXPRESS - Die Woche - Redaktion aus Köln |