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Verkehr
Die Stadt darf bei E-Scootern nicht länger halbherzig bleiben

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Köln hat lange genug zugesehen. Seit Jahren prägen frei herumstehende E-Scooter das Stadtbild, blockieren Gehwege, gefährden Menschen mit Mobilitätseinschränkungen und sorgen für Ärger bei Anwohnern,  Fußgängern und Verkehrsteilnehmern. Was einmal als flexible Ergänzung zum öffentlichen Nahverkehr gedacht war, ist in vielen Teilen der Stadt zu einem dauerhaften Problem geworden.

Der geplante zweite Anlauf der Stadt, die Zahl der E-Scooter deutlich zu reduzieren, ist deshalb richtig. Aber er greift zu kurz. Es reicht nicht, die Zahl der Anbieter oder Fahrzeuge nur zu halbieren. Köln sollte konsequent sein und das freie Abstellen von Leihrollern im öffentlichen Raum beenden. Frei flottende E-Scooter gehören nicht länger unkontrolliert auf Gehwege, Plätze und Straßenecken.

Besonders ältere Menschen und Menschen mit Behinderung leiden unter der aktuellen Situation. Wer auf Rollator, Rollstuhl, Blindenstock oder sichere Gehwege angewiesen ist, erlebt falsch abgestellte Roller nicht als kleine Unannehmlichkeit, sondern als echtes Hindernis. Es geht hier nicht um Bequemlichkeit, sondern um Teilhabe, Barrierefreiheit und Sicherheit im öffentlichen Raum. Deshalb ist es nachvollziehbar, wenn Seniorenbeirat, Behindertenbeirat und auch Krankenkassen ein Ende dieses Zustands fordern.

Hinzu kommt: Die frei herumstehenden Roller verschandeln vielerorts das Stadtbild. Sie liegen auf Gehwegen, stehen vor Hauseingängen, blockieren Haltestellen oder sammeln sich an ohnehin überfüllten Orten. Die Stadt muss kontrollieren, regulieren, Flächen ausweisen, Beschwerden bearbeiten und Probleme beseitigen. Am Ende zahlen nicht nur die Nutzerinnen und Nutzer, sondern auch die Allgemeinheit für ein System, das zu oft auf Kosten des öffentlichen Raums funktioniert.

Mobilität der Zukunft kann nicht bedeuten, dass private Anbieter ihre Fahrzeuge großflächig in der Stadt verteilen und die Folgen der Allgemeinheit überlassen. Wer E-Scooter nutzen will, soll das weiterhin tun können. Aber dann unter klaren Bedingungen: feste Abstellflächen, verbindliche Kontrollen, harte Sanktionen bei Verstößen und keine frei flottenden Fahrzeuge mehr auf Gehwegen.

Gleichzeitig sollte Köln eine bessere Alternative schaffen. Statt den Wildwuchs der Leihroller weiter zu verwalten, könnte die Stadt ein Förderpaket auflegen, mit dem junge Menschen beim Kauf eines eigenen E-Scooters unterstützt werden. Wer statt eines Autos einen Roller nutzt, entlastet Straßen, Parkplätze und Umwelt. Ein solcher Zuschuss wäre zielgerichteter als das dauerhafte Dulden eines chaotischen Leihsystems.

Ein eigener E-Scooter schafft Verantwortung. Wer sein Fahrzeug selbst besitzt, stellt es in der Regel nicht achtlos mitten auf dem Gehweg ab. Außerdem wäre ein Fördermodell sozial gerechter, wenn es gezielt jungen Menschen, Auszubildenden, Studierenden oder Menschen mit geringem Einkommen hilft, flexibel und bezahlbar mobil zu sein.

Die Stadt muss nun zeigen, dass sie den öffentlichen Raum nicht länger den Geschäftsmodellen weniger Anbieter überlässt. Die Reduzierung der Roller kann nur der erste Schritt sein. Das Ziel muss klarer sein: Schluss mit frei flottenden Leihrollern, mehr Ordnung im Stadtbild und ein Förderangebot für private, verantwortungsvolle Mikromobilität.

Köln braucht keine weitere halbherzige Regulierung. Köln braucht eine Entscheidung. Und diese Entscheidung sollte lauten: weniger Chaos, mehr Sicherheit, mehr Verantwortung.
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LeserReporter/in:

Dirk Bachhausen aus Köln

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