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Igelstationen schlagen Alarm
Ganze Igelfamilien ausgelöscht!

Gesunder Igel unterwegs | Foto: Pixabay
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  • Gesunder Igel unterwegs
  • Foto: Pixabay
  • hochgeladen von Renate Könen

„An Christi Himmelfahrt wurde mir gegen 21.00 Uhr eine Igelin aus dem Nachbarort gebracht“, äußert sich Simone Bergheim, Igelhilfe Erftstadt, betroffen. „Als ich sie aus dem Transportkarton nahm, machte sie ihren letzten Atemzug und überall war Blut...“

Es handelte sich um ein wunderschönes, gesundes Muttertier. Sie hatte unter einer mit Efeu bedeckten Baumwurzel ein sicheres Nest für sich und ihre Jungen gefunden. Die Geburt stand kurz bevor. Wäre da nicht der große Hund in Nachbarsgarten gewesen, der sie und ihre Welpen zu Tode beutelte! – Eine ganze Igelfamilie in aller Kürze ausgelöscht! Und die Hundebesitzer haben es wahrscheinlich nicht einmal bemerkt, denn die Igelin schleppte sich schwer verletzt zurück zu ihrem sicheren Nest in ihren Heimatgarten. „Wie viele Welpen mag sie wohl in sich getragen haben?“ fragt sich Igelpflegerin Simone Bergheim. „Es tut mir so unendlich leid, denn ich konnte ihr nicht einmal mehr die schlimmen Schmerzen nehmen.“

„Was meine Kolleginnen, Kollegen und ich täglich erleben, ist emotional nicht mehr zu ertragen. Ein Notfall schlimmer als der andere! Wir sind überzeugt, wenn es so weitergeht, werden diese wunderbaren Tiere in einigen Jahren aus unseren Gärten restlos verschwunden sein. – Ausgestorben!“ – Wie schade für den Nützling „Igel“.

In einer anderen Station wurde am selben Tag eine Igelin aufgenommen, die hochträchtig offenbar mehrere Tage im Zaun feststeckte und dort aufgrund der enormen Stresssituation unter Qualen vier Fehlgeburten erlitt. Als sie endlich entdeckt und befreit wurde, lagen die Welpen tot unter ihr. Die warmen Außentemperaturen in Verbindung mit frischem Blut hatten Fliegen angelockt, die Eier abgelegt hatten. Bei Ankunft in der Station war der gesamte Bauchraum der Igelin voll mit frisch geschlüpften Maden, die bereits begonnen hatten, die Igelin bei lebendigem Leib von außen nach innen aufzufressen. Dank der erfahrenen Hände der Stationsbetreiberin, konnte das Leben der Igelin gerettet werden. Für die vier Welpen kam jede Hilfe zu spät.

Eine andere Igelin war in einen Kellerschacht gefallen. Dort hatte sie ihre Jungen geboren – auf blankem Beton, nur ein paar wenige Blätter als Nistmaterial. 3-4 Tage kein Wasser, kein Futter! Als man sie fand, setzte man die Igelfamilie einfach aus. Die Igelmutter gab Fersengeld und flüchtete... Ein Säugling kämpft noch ums Überleben, hat dank des Einsatzes der erfahrenen Pflegerin aber gute Chancen. „Der Kellerschacht war übrigens immer noch nicht gesichert, obwohl bereits im letzten Jahr eine Igelin mehrere Tage dort drinnen lag und kurze Zeit später gestorben ist,“ äußert sich Simone Bergheim besorgt. „Wie herzlos muss man sein, geringe Kosten für die Abdeckung eines Kellerschachtes zu scheuen, um wertvolles Leben zu retten,“ weiß Karin Oehl, Igelstation Pulheim seit 1973, aus jahrzehntelanger, leidvoller Erfahrung. „Schweren Herzens musste ich mich 2022 aus gesundheitlichen Gründen aus der kurativen Igelpflege zurückziehen.“ Mit Engagement, Freude und viel Herzblut schult sie immer noch Igelinteressierte, Grundschul- und Vorschulkinder sowie künftige Igelpflegerinnen und Igelpfleger.

Die wenigen Beispiele vom Himmelfahrtstag 2025 stehen für die vielen, vielen anderen, die sich an nur einem Tag in Igelstationen und -pflegestellen abspielen! Zu befürchten ist, unzählige Igelmütter und ihre Jungen erleiden einen qualvollen Tod, weil menschliches Handeln oft in Unkenntnis oder unachtsam erfolgt.
Ist es immer Unkenntnis oder Unachtsamkeit? Häufig drängt sich der Eindruck auf, Beratungsresistenz und Phlegmatismus greifen mehr und mehr zum Schaden von vielen Igeln und anderen Wildtieren um sich.

Am Beispiel des angesprochenen Igelkindes ergeht ergänzend die Information, was Stationsbetreiberinnen und -betreiber leisten, die wenige Tage junge Igelsäuglinge von Hand aufziehen: Das Igelkind aus dem Kellerschacht wird aktuell alle 35 Minuten gefüttert – rund um die Uhr. Gewinnt der Igelsäugling stetig an Gewicht, kann das Zeitfenster der Futterintervalle nach einigen Tagen auf eine Stunde, danach auf 1,5 Stunden, danach auf 2 Stunden, ausgedehnt werden. Derartiger Einsatz belastet die Pflegerin nicht nur emotional, sondern schadet schnell der eigenen Gesundheit.

Zur Erinnerung: Seit Jahren geht der Bestand an Igeln sowie vielen anderen Tier- und Pflanzenarten rasant zurück. Schuld hat in erster Linie der Mensch.

Wegfall geeigneter Lebensräume durch Vernichtung von in der freien Landschaft befindlichen Baum- und Strauchgruppen, Wasserstellen, Feuchtgebiete, Obst- und Blühwiesen beispielsweise, Großfelderwirtschaft -entstanden durch Flurbereinigungen-, Eintrag von Pestiziden, Herbiziden, Mineral- und Naturaldünger in der Landwirtschaft, Verkleinerung der Reviere durch enormen Flächenverbrauch u.v.m., ließen die Artenvielfalt und damit Lebens- und Nahrungsgrundlage in erschreckendem Maß schwinden.

Seit Jahren ist der Igel auch in Parks und Gärten heimisch.

Er wurde zum Kulturfolger. Leider hat er hier nicht das Paradies gefunden. Begrenzungsmauern, undurchlässige Zäune, Gabionen, Gärten und Vorgärten, die Steinwüsten ähneln, Pools und Teiche ohne Ausstiegshilfen, Treppen, nicht abgedeckte Kellerschächte, Straßenverkehr, um nur einige Gefahren zu nennen, sind lebensbedrohlich.

Beeindruckend blühende, oft nicht heimische Baum-, Strauch- und Pflanzenarten, sind u.a. verantwortlich für den gravierenden Insektenrückgang, der nicht nur Igeln die Nahrungsgrundlage nimmt.

Igelnahrung, inzwischen häufig reduziert auf Würmer und Schnecken, die Zwischenwirte seiner Innenparasiten sind, verkürzen die natürliche Lebenserwartung enorm.

Igel, dämmerungs- und nachtaktiv, halten unter Büschen und Sträuchern Tagschlaf. Meist kommen Fadenmäher und Tellersensen bei der Pflege des öffentlichen Grüns und in privaten Gärten unbedacht und/oder unachtsam zum Einsatz. Igel werden getötet oder schwer(st) verletzt.

Immer mehr Mähroboter drängen auf den Markt, die häufig nachts zum Einsatz kommen, wenn Igel und andere dämmerungs- und nachtaktive Tierarten auf Nahrungssuche sind. Insbesondere Jungtiere haben so gut wie keine Chance. Von den scharfen Messern werden sie buchstäblich vollständig gehäckselt.
Heranwachsende und Alttiere erleiden gravierende Verletzungen an Kopf und/oder Gliedmaßen, denn die Geräte machen oft zu spät oder überhaupt nicht halt.

Igel schreien selbst bei gravierendsten Verletzungen nicht. Sie leiden stumm. Werden sie nicht rechtzeitig gefunden und in eine qualifizierte Igelstation oder -pflegestelle gebracht, verenden sie langsam und qualvoll. Selbst langjährige Stationsbetreiberinnen und Stationsbetreiber, erfahren im Umgang mit kranken und/oder verletzten Igeln, kommen aufgrund der Vielzahl der Zugangszahlen mit Schwer(st)verletzungen physisch, psychisch, räumlich und vor allem finanziell, immer häufiger an ihre Grenzen – geben sogar restlos auf!

Einige aussagefähige Bilder sind anlässlich dieses Beitrages zu sehen. Bitte schauen Sie hin und nicht angewidert weg. Sicher haben Sie Verständnis, wie schwer verkraftbar es für tierliebe Menschen ist, täglich mit Leid und Schmerz dieser Art konfrontiert zu sein.

Wir gehen davon aus, Igeln, Amphibien, Reptilien und weiteren Tierarten mit langsamer Fortbewegung, die ebenfalls Opfer waren und werden, wird von den meisten Menschen nicht vorsätzlich derart viel Leid und Schmerz zugefügt. Sicher erfolgt der Einsatz von elektrischen Gartengeräten aufgrund von Unkenntnis und oft unbedacht. Sensibilisieren, informieren – nicht anklagen – ist das Ziel.

Unsere Anliegen, die dringend nötig sind: Verzichten Sie auf den Nachteinsatz von Mährobotern. Kontrollieren Sie Ihre Fläche vor einem Tageinsatz. Jungigel und andere Kleintierarten mit langsamer Fortbewegung könnten unterwegs sein. Werden sie erfasst, sinken ihre Überlebenschancen gegen Null… Kontrollieren Sie vor dem Einsatz von Rasenmäher, Fadenmäher, Tellersense & Co., ob Igel unter Sträuchern und Büschen Tagschlaf halten. Achten Sie auf Ihren Hund! Unangeleint stöbert er Igel im Garten oder in freier Natur auf. Seine Bisse sind tödlich oder verursachen gravierende Verletzungen.

Inzwischen steht der Igel auf der „Roten Liste“ der vom Aussterben bedrohten Tierarten.

Sie haben Fragen? – Sprechen Sie uns an. Wir beraten Sie gern.
Kontakt
E-Mail: info@tierfreunde-rhein-erft.de
Mobil: 0152-540 510 84

LeserReporter/in:

Renate Könen aus Elsdorf

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