Geschichten der Einwohner
Bergneustadts historischer Abend mit vielen Dönekes

Historischer Abend mit Moderator Heinz Kowalski. | Foto: Michael Kupper
  • Historischer Abend mit Moderator Heinz Kowalski.
  • Foto: Michael Kupper

Bergneustadt. Einen Blick auf die vergangenen Jahrhunderte von Bergneustadt wurde im Heimatmuseum geboten. Veranstalter des „Historischen Abends“ war der Heimatverein „Feste Neustadt“.

In seiner Begrüßung erläuterte Vereinsvorsitzender Utz Walter, dass in früheren Zeiten „Dönekes“, also amüsante Geschichten, Anekdoten oder Schwänke aus dem Alltag, verbreiteter als schriftliche Überlieferungen gewesen seien. Die Moderator übernahm Heinz Kowalski.

„1904 habe ich das Stromnetz helfen bauen“, hieß es bei der Lesung eines Interviews mit dem 1890 geborenen Vaters August Schürfeld durch dessen Sohn Hermann. Kaum einer habe die Anschlussmöglichkeit an das Stromnetz nicht genutzt: „Es war jeder froh, dass er mit einem Knopfdruck von dunkel auf hell schalten konnte.“

Gerda Rippel, bekannt als Minchen aus den Brunnengesprächen am Losemund-Brunnen, begeisterte das Publikum mit einem Mundart-Gedicht über einen Nachttopf. Gleich darauf rezitierte sie das „Lob der Heimatsprache“, die vielfach als rückständig und bäuerlich diskreditiert wurde. Allerdings sei es eine Ausdrucksform, die die Seele der Menschen offenbare: „Et es on bliev en kostbares Ärv.“

Unter dem Titel „Wann Lirwwerhüser noh dr Nyeschtat jingen“ beschrieb Dieter Rath, wie eng und abwechslungsreich die Beziehungen zwischen Bergneustadt und dem heutigen Gummersbacher Stadtteil Lieberhausen waren. Mit launigen Ein-

sprenklern gewürzt, erzählte er, dass das nicht immer harmonisch verlaufen sei. Am Ende kam Lieberhausen zu Gummersbach, die Personenstandsbücher des Standesamtes wanderten jedoch aufgrund der historischen Beziehungen nach Bergneustadt.

Anekdoten ab es auch aus der Nazi-Zeit. So erzählte Friedhelm Julius Beucher von seinem Großvater Häcken Wilhelm. Gewohnt, mit „guten Tag auch“ zu grüßen, sei dieser aufgeklärt worden, dass das jetzt „Heil Hitler“ heiße. Nach mehrmaligem Verstoß gegen die neue Ordnung habe er seine Formel dann geändert, um Repressalien zu vermeiden: „Guten Tag auch – und Heil Hitler für die anderen.“ Ähnliches berichtete Michael Hesse nach seinem Vortrag über die Luftschutzbunker in Bergneustadt. Damals habe ein Fischverkäufer „Hering, so dick wie der Göring“ angepriesen. Daraufhin sei er mehrere Wochen von der Bildfläche verschwunden und dann wiedergekommen: „Hering, so dick wie beim letzten Mal.“

Nach einer Rezitation eines Gedichts von Wilhelm von der Linde „Eck soch vam Beul int Dörschpedal“ (Ich sah vom Beul ins Dörspetal) in bergischem Platt durch Horst Kowalski demonstrierte der 83-jährige Manfred Rippel mit seinem grandiosen Aufsatz „Meine Heimatstadt“, den er 1961 auf der Fachschule Hepel verfasst hatte, welchen Stellenwert die Kenntnis der Heimatgeschichte in damaligen Zeiten hatte.

Nachdem Vereinsarchivar Michael Kresin die vorherigen Beiträge mit Bildern unterlegt hatte, zeigte er zum Abschluss Filme von den runden Stadtgeburtstagen seit der 600-Jahr-Feier in 1901.

Freie/r Redaktionsmitarbeiter/in:

Michael Kupper aus Reichshof

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