Ganzheitliches Projekt für Demenzerkrankte
Aktive Ruhepause für Angehörige
- Bei einer Fachtagung anlässlich der Demenzwoche konnten die Teilnehmenden die positive Wirkung der Eurythmie selbst ausprobieren
- Foto: Alzheimer Gesellschaft
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Unter dem Motto „Hinsehen. Helfen. Handeln“ lenkten bei der 8. Demenzwoche im Rhein-Kreis vom 18.04. bis zum 26.04.2026 rund 100 Aktionen und Veranstaltungen den Blick auf das Thema Demenz. Betroffene und pflegende Angehörige standen bei Vorträgen, Mitmachaktionen, kulturellen Angebote und Begegnungsformaten besonders im Fokus. Ziel der Demenzwoche war es, im Umgang mit der Erkrankung zu sensibilisieren, Wissen zu vermitteln, Vernetzung zu fördern und konkrete Unterstützung für Menschen mit Demenz sowie ihre pflegenden Angehörigen sichtbar zu machen. Angesichts einer steigenden Lebenserwartung und der damit wachsenden Zahl an Demenzerkrankungen sei es eine gemeinsame gesellschaftliche Aufgabe, Betroffene und ihre Familien nicht allein zu lassen und Teilhabe in der Gemeinschaft zu ermöglichen.
Bewegen, begegnen, berühren
Bei einer Fachtagung im Kreishaus informierte die Alzheimer Gesellschaft Rhein-Erft-Kreis über Ergebnisse und besondere Erlebnisse aus dem Gemeinschaftsprojekt „Aktive Ruhepause“. Ins Leben gerufen 2023 zur präventiven Gesundheitsförderung pflegender Angehöriger von der Alzheimer Gesellschaft und dem Rhein-Erft-Kreis, ist ein vielseitiges, auf den Bedarf zugeschnittenes Angebot entstanden, das Gelegenheiten zu ganzheitlichen Sinneserfahrungen - Bewegung, Begegnung und Berührung - bietet. Angehörigenpflege könne körperlich wie seelisch sehr belasten, hob die stellvertretende Landrätin Gudrun Baer bei der Begrüßung hervor. Oft über Jahre hinweg kümmerten sich pflegende Angehörige – „der größte Pflegeverein Deutschlands“ – um das Wohl und die Gesundheit anderer, übernehmen Verantwortung, spenden Nähe und investieren Kraft und Zeit. Insbesondere die pflegenden Ange hörigen von Menschen mit Demenz sähen sich unter dem dauerhaften Druck, ständig in Bereitschaft zu sein. Zeit für sich selbst, für eigene Interessen, Erholung und Austausch mit anderen scheine kaum möglich, was nicht selten Überforderung und Einsamkeit, psychische und körperliche Gesundheitsprobleme verursacht.
„Was sich wie ein Widerspruch anhört, ist unverzichtbar für die psychische und physische Gesundheit“, erläuterte Dr. Sibylle Schreckling, stellvertretende Vorsitzende der Alzheimer Gesellschaft Rhein-Erft-Kreis das Konzept der „Aktiven Ruhepause“. Im südlichen Rhein-Erft-Kreis bieten verschiedene Gruppen Entlastungsangebote für pflegende Angehörige an. Dazu gehören Tischharfenkurse, Senioren-Erlebnistanz und eine Reha-Sportgruppe für Menschen mit und ohne Demenz. Einen Einstieg in Eurythmie als wirksame Bewegungskunst und Therapieform vermittelt Iris-Poloczek-Jordan. Praktische Übungen brachten die Teilnehmenden im Kreishaus-Foyer aktiv zum Mitmachen. Durch Freude an Bewegung, Übungen zur Raumorientierung und Rhythmisierung werden Stresssituationen vermieden und Gedächtnis, Konzentration und Geschicklichkeit geschult. Wie Bewegung Resilienz fördert, zeigte Sportwissenschaftler Georg Schick in seinem Vortrag. Inspirierende Begegnungen ermöglicht darüber hinaus das Hürther Mehrgenerationenprojekt der Gruppe „Füreinander“, das Schülerinnen und Schüler mit ehrenamtlichen Betreuern von Menschen mit Demenz zusammenbringt. Emotional berührend wirken die Tierbegegnungen, die der Gertrudenhof im letzten Jahr gemeinsam mit Ehrenamtlichen gestartet hat. Auch wenn Schaf Tiffany und die anderen Gnadenhof-Tiere diesmal zu Hause bleiben mussten, überzeugte Umweltpädagogin Nicole Antoine die Anwesenden im großen Sitzungssaal lebendig und anschaulich mit einem Plüschhuhn von der Wirksamkeit dieses ganzheitlichen Projekts.
LeserReporter/in:Andrea Floß aus Bergheim |