Helga Lethert sagt nach 60 Berufsjahren „Tschüss“
Heinos Ehefrau Hannelore ließ sich nur von Helga Lethert die Haare schön machen

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Helga Lethert sagt nach 60 Berufsjahren leise „Tschüss“

Nach sechs Jahrzehnten im Friseurhandwerk hört Helga Lethert Ostersamstag auf und schließt den überregional bekannt gewordenen Friseursalon als Familienbetrieb nach mehreren Generationen

Unzählige Male als Freundin, stets gerne gesehene und sich nur von Helga Lethert die Haare schön machen ließ sich: Heinos Ehefrau Hannelore Kramm / Helga Lethert öffnete exklusiv dem mit ihr befreundeten Journalisten ihr privates Erinnerungsalbum

Von Manfred Görgen

Bad Münstereifel-Eicherscheid. Auf bewegende und teils spannende Jahrzehnte blickt Helga Lethert, geborene Weber, zurück. Frei nach dem bekannten Lied von Udo Jürgens "Mit 66 Jahren ist noch lange nicht Schluß", geht sie jetzt erst mit 74 Jahren in "Rente".

Sie hat nicht nur im Mehrgenerationen-Betrieb Weber viel erlebt, sondern Dank Heinos besseren Hälfte Hannelore auch einiges vom Showbusiness mitbekommen. So wurde sie nicht nur vom SAT.1 Fernsehsender extra für Hannelore als deren „Leibfriseurin“ im Studio bei Heino- und Hannelores Fernsehshows engagiert, wie zumindest einige vor der Flut geretteten Bilder zeigen.

Aber auch sonst kam Helga Lethert Dank den beiden prominenten Blonden aus Bad Münstereifel (derzeit in Kitzbühel lebend), viel rum. Zu zahlreichen Konzerten in Fernsehstudios und Hallen und lernte dort viele namhafte Künstler und Künstlerinnen der Unterhaltungsbranche kennen. Dazu zählten unter anderem „Winnetou“ Piere Price, Christian Anders „Ein Zug nach nirgendwo“, Ralph Bendix (Heino Entdecker) und viele mehr.

Sehr am Herzen lagen diesem Friseurbetrieb in der Vergangenheit auch die älteren Menschen. So wurde zwischenzeitlich sogar eine Dependance in einem Seniorenheim in Münstereifel eingerichtet.

Den Familienbetrieb in Eicherscheid wird es in wenigen Tagen nicht mehr geben:

Ein Mehr-Generationenbetrieb schließt somit in wenigen Tagen endgültig seine Pforten: „Einmal muss mit so einem großen und verantwortungsvoll zu führenden großen Friseurladen, Kiosk, mit Zeitungen aller Art, Lotto und Paketannahme, für mich Schluss sein“, so Helga Lethert nach über sagenhaften 60 Jahren ihres Schaffens und das mit jung gebliebenen 74 Jahren.

Bereits am 1. April waren es auf den Tag genau sechzig Jahre her, seitdem sie ihren Beruf mit Elan und Leidenschaft begonnen hatte und damals die Meisterin mit den besten Noten in einer Düsseldorf Schule war. Gratulierte damals auch Friseur-Innungs-Obermeister Edi Krahn aus Euskirchen der Jungmeisterin.

Und schon im Herbst 1979 sorgte der Eicherscheider Familienbetrieb Weber für kreisweites Aufsehen über den sich auch der damalige Kreishandwerksmeister Josef Zingel aus Bad Münstereifel sehr freute. Ebenso der damalige Landrat Josef Linden: Einen Familienbetrieb mit gleich drei Friseurmeister. Das wurde in der örtlichen Presse zu jener Zeit schon von diesem Reporter, der nun auch den letzten Akt dieses Friserubetriebs beschreibt, als „einmalig im Kreis Euskirchen“ beschrieben. Nachdem Vater Hubert Weber schon damals auf über 30Jährige Tätigkeit als Meister zurückblicken durfte, ahmten auch dessen Kinder es ihm nach. Zwei von drei Geschwistern fanden so großen Gefallen an diesem Beruf mit Schere und Kamm umzugehen, dass auch sie die Meisterprüfung ablegten. Dabei damals als Gesellin auch Carola Weber, heute Hück, die nach ihrer Hochzeit nach Köln zog und nicht mehr weiter mit im Betrieb arbeitete.

Mit „Nichts“ hatte Seniorchef Hubert Weber angefangen, nachdem er 1949 seinen Meister gemacht und einen eigenen Betrieb aufmachte. Dass die Familie einige Jahrzehnte auch als „Friseurmeister-Trio“ im Betrieb an der Ahrweiler Straße stehen würde, konnte zu jener Zeit natürlich keiner vorausahnen. Weder Hubert noch dessen Frau Gertrud Weber.

Erster Lehrling war zu jener Zeit Hilde Schnichels aus Mahlberg. Zweiter Lehrling Gerda Zalfen, geborene Krämer.

Mit 21 Jahren durfte damals Christian Weber seinen Meisterberbrief in Empfang nehmen. Jüngste im Bunde der Meister Helga Lethert geborene Weber. Sie hatte zuvor eine Schule in Düsseldorf besucht und als „herausragende Jungmeisterin“ die beste Note von allen. Bekam Helga Lethert von dieser Schule sogar das Angebot in Düsseldorf zu bleiben, um theoretisch und praktisch zu unterrichten. „Doch ich wusste damals schon, dass ich den elterlichen Betrieb nicht im Stich lassen würde,“ so Helga Lethert.

Alle drei Meister hatten ihren Stammplatz im gut laufenden Betrieb sicher.

Zeigte sich Helga Lethert hauptsächlich für den Damensalon verantwortlich, die Männer für die Schöpfung der Herren. Im Jahr 1975 waren in einem neu errichteten Haus weitere fünf Friseure und zwei Lehrlinge beschäftigt. Kamen schon damals die Kunden und Kundinnen nicht nur aus dem Ort selbst, sondern auch von weit umliegenden Dörfern und sogar aus Schuld oder Wershofen. Und schon zu jener Zeit konnte die Frage nicht genau beantwortet werden, ob die drei Friseurmeister, oder eben das gute Betriebsklima den Erfolg ausmachten.

In wenigen Tagen wird aber Schluss sein, besonders mit dem Arbeiten in den Räumen mit Friseurhandwerk in diesem Familienbetrieb. Dann auch mit der Position einer „Chefin“, die Helga Lethert ihren Mitarbeiterinnen in den zurückliegenden Jahrzehnten eigentlich nie war und nie sein mochte. Eher stets eine gute Freundin mit Mut zum Anpacken und meist (logisch) am zu verschönernden Haarschopf. Mit ehrlich und freundlich sein, starker christlicher Prägung, Überzeugung und Abwehrhaltung bezüglich Unehrlichkeit.

Hat aber bekanntlich im Leben, so oder so, alles einmal ein Ende. Doch wie sang einst Trude Herr: „Niemals geht man so ganz.“

Ein Ende gottseidank nicht das Leben, sondern ein Ende in diesem überregional bekannt gewordenen Geschäft nach erfolgreichen Berufsjahren für die im Herzen jung gebliebene Friseurmeisterin Helga Lethert:

Nach sage und schreibe Sechzig!!!! Berufsjahren hört sie am Ostersamstag auf.

Schließt Helga Lethert den geliebten Friseursalon, der in den zurückliegenden Jahrzehnten - wie auch die Meisterbriefe an der Wand hängend dokumentieren - in mehreren Generationen als guter Familienbetrieb geführt wurde. Ein Salon indem sie in den zurückliegenden Jahrzehnten schon vielen tausend Menschen nicht nur die Haare geschnitten und die unterschiedlichsten Häupter verschönert hat. Zur prominesten Kundin zählende, „wenn ich auch natürlich jeden gleich und nach dem Motto der Kunde ist König, behandelt und schick gemacht habe“. So natürlich auch Hannelore Kramm, seit über 40 Jahren die Frau an der Seite von Sänger Heino. Selbst wenn Helga Lethert zuweilen ans Krankenbett von Hannelore in ein Krankenhaus gebeten wurde, war die Friseurmeisterin stets und schnell zur Stelle.

Schon vor der verheerenden Flutkatastrophe am 14. Juli 2021 hat Helga Lethert, die vor 74 Jahren im da  noch existierenden Münstereifeler Krankenhaus zur Welt kam, einige Schicksalsschläge hinnehmen müssen.

Alle hat die starke Frau stets gemeistert und sich den neuen Herausforderungen gestellt. Konnte sie jüngst zumindest einige teils vergilbte Zeitungsdokumente vorzeigen und Fotos aus längst vergangenen Zeiten aus ihrem privaten Fotoalbum, dem seit vielen Jahren befreundeten Journalisten für diesen Bericht vorlegen.

Die jüngste Herausforderung mit dem Willen „und auch das noch und jetzt erst recht“ zum vorerst weiter Durchhalten die heute 74Jährige ermutigt. Von dem Tag und der Nacht danach an, als am Abend die Flut nicht nur der Erft, dem Bodenbach und aus dem Regenrückhaltebecken kommend, fast alles links und rechts überspülte. Leider auch eine Helga Lethert sehr gut bekannte Frau oberhalb des ehemaligen Hotels „Oberfollmühle“ mit sich riss und laut Augenzeugen die Ahrweiler Straße hinuntertrieb. Ein schmerzlicher Verlust auch nach einem guten Dreivierteljahr.

Und auch Helga Lethert hatte wie so viele Menschen in Eicherscheid, seit der Flutnacht alle Hände voll zu tun, denn auch bei ihr waren alle Räume im Untergeschoss komplett vollgelaufen. Mit reichlich Unrat und alles an Inventar unbrauchbar geworden. Konnte auch sie nur wenig für sie Persönliches retten.

Mit dem Osterfest 2022 vorbei dann die Zeit des unter dem Namen „Salon Weber“ firmierenden Friseursalons.

Eine des Öfteren stets gerne Anlaufstelle auch für die frühere Ex-Prinzessin und Miss Austria Hannelore, die sich in guten Tagen von damaligen eng vertrauten vom Kurhaus nach Eicherscheid zur Freundin und Friseurmeisterin Helga in den Salon Weber chauffieren ließ. Manchmal auch in früheren Jahren allein dorthin fuhr, oder sich von Ehemann Heino bringen ließ, der allerdings seinen Kopf woanders verschönern lässt.

Und in der närrischen Zeit stellte sich Hannelore zuweilen gerne mit „Gefolge“ auch an den Rand der Straße, um den Karnevalszug hautnah miterleben zu können. Stets dabei große Tüten bunte Haribo mit dem bekannten Konterfei ihres Mannes, „Heino zum Reinbeißen“. Und nicht nur zu den Eicherscheider Karnevalisten hat Hannelore Kramm ein besonderes Verhältnis (sie und Heino lebten dort fast 30 Jahre, bevor beide ins Kurhaus zogen) und Hannelore zum Ehrenmitglied ernannt wurde. Doch diese und andere Zeiten sind momentan so was wie „Schnee von gestern“.

Hätte sich Helga Lethert wirklich von Herzen gewünscht und gefreut, nach fast zwei Jahren endlich mal wieder Hannelore und Heino bei sich in Eicherscheid begrüßen zu können. Und wenn auch etwas traurig, dass Hannelore nun schon lange Zeit nicht mehr den Weg zu ihr in den Salon gefunden hat - auch um sie zum 60. Berufsjubiläum zu gratulieren - sieht Helga Lethert die lange Zeit der Verbundenheit und Freundschaft mit Heinos Frau als „wunderschön und unvergesslich“ an. „Keine Minute dieser Erlebnisse und Begegnungen hätte ich missen mögen und hoffe auf ein baldiges vertrautes und gesundes Wiedersehen.“

Nicht unerwähnt bleiben sollen mit der Aufgabe und Schließung die Frauen, die zum Teil mehrere Jahrzehnte treue Weggefährtinnen bei Helga Lethert im Friseurhandwerk waren. Dazu gehörten im "Traditionssalon" unter anderem Irmgard Schmitz, stolze dreißig Jahre aktiv Beate Barth und Ilse Esch und nicht zu vergessen Marita Esser. Bruder Christian musste zwischenzeitlich krankheitsbedingt ausscheiden.

Zweitens kommt es manchmal anders als man denkt und plant

Und während Helga Lethert schon an die weitere Zukunft ihres großen Hauses dachte, bereits einen Architekten beauftragt hatte, der alle Räumlichkeiten umbauen und als künftige Wohnungen einrichten sollte, warf Friseurmeisterin Helga Lethert jüngst plötzlich dann doch kurzerhand auch diese bereits fertig vorliegenden Pläne wieder über den Haufen.

Ihr Argumente zu dieser Entscheidung haben mit großer Menschlichkeit zu tun: „Mich hat ein junges Paar vor wenigen Tagen angesprochen und mich das Gespräch mit denen so sehr bewegt, dass ich mir gedacht habe, denen musst du helfen und eine berufliche Chance geben.“

Fazit: Aus den geplanten Umbauten und Wohnungen wird nichts. Dafür bleibt aber auch den Eicherscheider nun zumindest der Laden mit Kiosk etc. wie bisher erhalten. Aus dem ehemaligen Friseursalon soll bald ein supermodernes Fahrradgeschäft mit „Bike-Ambulance“ entstehen. Das Paar kommt aus dem Flutgebiet Ahrbrück, hat zwei Kinder, das jüngste erst acht Wochen alt. Der zweifache Vater, Patrik Wurdel, wird den Zweiradladen mit seinem Freund und mit Unterstützung seiner Frau Sabrina führen. Als Kompagnon wird Frank Brinken an der Ahrweiler Straße 26 dabei sein und Räumlichkeiten nutzen. Soll es ein gut aufgestelltes junges Team mit guten Ideen sein. Und nicht nur wegen diesem Schritt für eine berufliche Zukunft einer jungen Familie und deren guten Freund sind die beiden Söhne von Helga Lethert, Guido und Wolfram, mächtig stolz auf ihre Mama, die ihr weiteres Leben nun gemütlichen angehen kann. "Und das hat sie sich redlich verdient, so nicht nur Guido Lethert . Text, Repros und Fotos: Manfred Görgen und alle urheberrechtlich geschützt unter Copyright Pressebüro MaGö

Leserreporter:

Manfred Görgen aus Bad Münstereifel

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