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Die Faszination des Nordens
Magische Weihnachten unter Rentieren in Finnland

Sonnenaufgang auf dem Sallatunturi | Foto: Martina Schäfer, Bad Honnef-Orscheid
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  • Sonnenaufgang auf dem Sallatunturi
  • Foto: Martina Schäfer, Bad Honnef-Orscheid
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Magische Weihnachten unter Rentieren in Finnland – So lautete die Überschrift einer Werbeanzeige vom „Reisebüro unseres Vertrauens“ im September 2025. Das Angebot war verlockend, und Lappland im Winter hat meinen Mann und mich schon immer gereizt. Wer kennt sie nicht, die traumhaften Bilder von tief verschneiten Wäldern, Rentieren, Hundeschlitten und – nicht zu vergessen - Polarlichtern, wie sie uns in Magazinen und Fernsehdokumentationen vor Augen geführt werden. Kurzentschlossen haben wir gebucht und uns reichlich mit polartauglicher Kleidung, Kälteschutzcreme und Ersatzakkus für die Fotokamera eingedeckt. Mit wachsender Freude und auch ein wenig Aufregung haben wir unserem Abflugdatum 20. Dezember 2025 entgegengefiebert, um in Sallatunturi, einem Feriendorf in der Gemeinde Salla in Finnisch Lappland, Weihnachten zu verbringen. Um es vorwegzunehmen: Vergessen Sie all das, was Sie von Fotos und aus dem Fernsehen kennen – die Medien spiegeln den Zauber von Finnisch Lappland wirklich nur ansatzweise wider.

Von Frankfurt ging es in 3 Flugstunden direkt nach Kuusamo und von dort per Bustransfer noch einmal 150 km weiter auf zunehmend schneebedeckten Straßen über den nördlichen Polarkreis hinaus unserem Ziel „Salla“ entgegen. Die Gemeinde Salla liegt in der Mitte eines der größten Wildnisgebiete Europas. Es gibt in der Region mehr als 10.000 Rentiere, aber nur weniger als eine Person pro Quadratkilometer. Kein Wunder, dass die Region mit dem Slogan „In the Middle of Nowhere“ für sich wirbt. Niemals erschien mir ein Slogan treffender. Natur pur für alle, die die Ruhe und die Weite des Nordens suchen und erleben möchten. Der Tourismusverband von Salla schreibt auf seiner Website (https://www.visitsalla.fi/en/getlappi/) wörtlich: Ob Winter oder Sommer – Salla ist der perfekte Ort für Naturerlebnisse. Der neue Salla-Nationalpark, der Oulanka-Nationalpark und die Wildnisgebiete rund um Salla bieten atemberaubende Ausblicke und Landschaften, die man mindestens einmal im Leben gesehen haben muss. Dem kann ich nicht nur zustimmen, für uns selbst kann ich sogar sagen, dass einmal nicht genug ist. Wir möchten diese fantastische Region noch besser kennenlernen und weiter entdecken.

Unsere Urlaubswoche war ausgefüllt mit allen Aktivitäten, die Salla zu bieten hat. Vom Reiseveranstalter eingeschlossen waren bereits eine Fahrt mit dem Rentierschlitten, eine Hundeschlittenfahrt, eine Fahrt auf dem Motorschlitten und eine Schneeschuhwanderung mit Eisangeln auf einem der vielen, zugefrorenen Seen. Jede einzelne dieser Aktivitäten hat großen Spaß gemacht und hatte ihren ganz eigenen Zauber. Daneben blieb noch ausreichend Zeit für Wanderungen durch die tief verschneite Landschaft, Langlauf und Skiabfahrt. Wussten Sie, dass das finnische Salla als die Wiege des Skisports gilt? Hier wurde der vermeintlich älteste Ski der Welt gefunden, der über 5.000 Jahre alt sein soll. Langläufer finden auf insgesamt 160 km präparierten Loipen ausreichend Möglichkeiten. Und das kleine, aber feine Abfahrtskigebiet – garantiert ohne Anstehzeiten und mit bestem Naturschnee – sollte man sich als auch als erfahrener Skifahrer nicht entgehen lassen. Ein kleiner Tipp für die Wanderungen: Vergessen Sie nicht, Streichhölzer einzupacken. Die Wanderwege sind gesäumt mit halboffenen Schutzhütten, oftmals mit Feuerstellen. Sie sind für jedermann zugänglich und Feuermachen ist erlaubt. Holz und Axt liegen in der Regel in einem kleinen Schuppen neben der Schutzhütte bereit.

Ich wurde oft gefragt, was mir am besten gefallen hat. Ganz schlüssig bin ich mir da nicht. Die Hundeschlittenfahrt war durchaus einer der Höhepunkte. Kurz vor dem Start sind die Huskies sehr aufgeregt und man versteht bei dem lauten Gebell kaum mehr sein eigenes Wort. Dann ziehen die Hunde – ein Gespann von 6 Tieren pro Schlitten – mit hohem Tempo los mitten hinein in den Salla Wilderness Park. Nach ungefähr 10 Minuten werden die Hunde schon etwas ruhiger. Es geht auf und ab durch tief verschneite Wälder und wieder hinaus in weiten Ebenen dieses Winterwunderlandes. Gerastet wird mitten im Wald an einem großen Lagerfeuer bei selbst gegrillten Würstchen und heißem Beerensaft. Und wenn die Fahrt in der Dämmerung weitergeht und das Licht des längst aufgegangenen Mondes die verschneiten Ebenen in ein geradezu magisches Licht taucht, dann ist das Wintermärchen perfekt.

Oder war es doch eher die Fahrt mit dem Rentierschlitten durch die traumhafte Winterlandschaft? Man sitzt entspannt und eingehüllt in einem Kälteschutzsack in einem rustikalen Holzschlitten, der von einem einzigen Rentier gezogen wird. Im Gegensatz zu den Schlittenhunden sind die Rentiere ganz ruhig und nahezu tiefenentspannt. Bei der Fahrt ist kein Laut zu hören. Das einzige Geräusch, das man wahrnimmt, ist der knirschende Schnee unter den Kufen des Schlittens. Die Rast fand hier übrigens in einer typisch finnischen Kota statt, einer mehreckigen, kegelförmigen Hütte mit einer großen Feuerstelle in der Mitte und ringsherum Bänken ausgelegt mit Rentierfellen – urgemütlich.

Und dann ist da ja auch noch der Sonnenaufgang oben auf dem 477 Meter hohen Sallatunturi, dem höchsten Punkt des Salla Skigebietes. Wenn sich die Sonne kurz nach 11 Uhr morgens langsam im Süden (ja, im Süden – wir befinden uns zum Zeitpunkt der Wintersonnwende nördlich des Polarkreises!) als leuchtend orangefarbene Halbkugel hinter dem Horizont erhebt und dabei die Winterlandschaft des Sallatunturi in ein geradezu surreales rötliches Licht taucht, dann glaubt man, mitten in einem Märchen zu sein. Wären links und rechts hinter den tief mit Schnee verhangenen Büschen die Weihnachtselfen hervorgesprungen – ich hätte in diesem Moment auch das geglaubt.

Was genau macht die Faszination von Finnisch Lappland oder besser gesagt die der Region Salla aus? Es ist nicht nur die traumhafte, unglaublich schöne Schneelandschaft. Es ist auch die Ruhe und die Stille, die einen umfängt. Alles läuft einfach unaufgeregt ab ohne irgendeine Form von Hektik. Und es ist das Licht. Dieses unbeschreiblich schöne Licht am Himmel.

Sie werden nun wahrscheinlich – wie viele meiner Freunde und Bekannten – die Frage stellen, wie man von Licht sprechen kann, wenn die Sonne kurz nach 11 Uhr auf- und kurz vor 13 Uhr schon wieder untergeht. Da muss es doch ständig dunkel sein! Ja und Nein zugleich. Natürlich hatten wir während unserer Reise mit der Wintersonnwende am 21. Dezember den kürzesten Tag des Jahres miterlebt. Die Sonnenscheinstunden betragen hier weniger als 120 Minuten. An wolkenfreien Tagen beginnt es aber bereits gegen 8.30 Uhr am Morgen zu dämmern. Von Minute zu Minute verstärkt sich die Farbe am Himmel, angefangen von einem zarten Gelb, hin zu einem pastelligen Rosa und einem sanften Blau. Unglaublich schön und kaum in Worte zu fassen. Und nach Sonnenuntergang geht das Ganze rückwärts. Auch die Nacht als solche ist nicht tiefschwarz. Der Mond taucht die – nicht durch Lichteinwirkung getrübte - Landschaft in ein kaum in Worte zu fassendes Nachtblau. Und wenn Sie dann noch das Glück haben, Polarlichter zu sehen, ist das Farbenspektrum, das Lappland zu bieten hat, komplett.

Eine Polarlichtgarantie gibt es nicht und schon gar nicht zu unserer Reisezeit Ende Dezember. Die Chancen, in Finnisch Lappland Polarlichter zu sehen, sind laut Statistik in den Monaten September/Oktober und März am höchsten. Das heißt im Umkehrschluss aber nicht, dass das Naturschauspiel am Himmel zu anderen Zeiten nicht stattfindet. Man braucht einfach nur ein wenig mehr Glück – und das hatten wir tatsächlich. Mit dem bloßen Auge konnten wir zunächst nur weißliche Nebenschleier am Himmel ausmachen, die in sanften Bewegungen mal schneller, mal langsamer dahinzogen. Beim Blick durch die Kamera erstreckte sich dann das Ganze Farbenspiel in intensiven Grün- und leichten Rottönen. Und als wir dann auch noch das immense Glück hatten, einen Polarlichtwirbel mitzuerleben, hatte uns die Faszination des Nordens vollends ergriffen.

Mein Mann und ich sind schon viel in der Welt gereist. Jede Reise hatte ihre Höhepunkte mit faszinierenden Naturerlebnissen und beeindruckenden, unvergesslichen Momenten. Aber noch niemals habe ich einen Ort auf unseren Reisen als magisch empfunden – bis ich die Region Salla in Finnisch Lappland kennenlernen durfte: Pure Magie – In the Middle of Nowhere.

LeserReporter/in:

Martina Schäfer aus Bad Honnef

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