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Lösungsansätze für Nordbrückensperrung
MIT DER FÄHRE ÜBER DEN RHEIN

Die Stunde der Fähren

Die gesperrte Nordbrücke rückt die ältesten Rheinübergänge der Region wieder ins Rampenlicht. Eine kleine Liebeserklärung an die Fähren zwischen Mondorf und Bad Honnef – und ein praktischer Wegweiser dazu.

Bonn / Bad Honnef, 4. Juni 2026

Manchmal braucht es erst eine gesperrte Brücke, damit man das Selbstverständliche wieder zu schätzen lernt. Seit die Nordbrücke voll gesperrt ist, suchen Zehntausende nach Wegen über den Rhein – und stoßen dabei auf etwas, das es längst gibt, nur leiser, langsamer und schöner als jede Autobahn: die Fähren. Zwischen Mondorf im Norden und Bad Honnef im Süden queren gleich mehrere von ihnen den Strom. Zeit, sie einmal vorzustellen.

Mondorf: die Nächste – und die mit der langen Geschichte

Keine andere Rheinquerung liegt der Nordbrücke so nah wie die Mondorfer Fähre: Sie pendelt in Sichtweite des gesperrten Bauwerks zwischen Bonn-Graurheindorf und Niederkassel-Mondorf. Dabei steckt in ihr eine feine Ironie. Als 1967 die Friedrich-Ebert-Brücke eröffnet wurde, hielt man die jahrhundertealte Fähre für überflüssig und stellte sie 1977 ein. Doch der Bedarf blieb, und 1994 nahm sie ihren Dienst wieder auf. Heute, da die Brücke ruht, ist die Fähre wieder gefragt.

Seit 2024 fährt sie vollelektrisch mit Ökostrom – nahezu geräuschlos gleitet sie in rund fünf Minuten über den Rhein. Wie sehr die Menschen ihre Fähre mögen, zeigen die Stimmen, die Fahrgäste hinterlassen: Da ist vom „netten Personal“ die Rede, von Urlaubsgefühl bei der Abendüberfahrt – und immer wieder davon, dass man hier dem Stau ein Schnippchen schlägt.

„Macht Spaß, dort mit der Fähre zu fahren – spart Zeit, wenn auf der Autobahn Stau ist.“ — Fahrgast-Stimme über die Mondorfer Fähre

Bad Honnef: der Geheimtipp, der zwei Länder verbindet

Wer es in den Süden zieht, findet bei Bad Honnef eine zweite, oft übersehene Möglichkeit: die Autofähre „Siebengebirge“ zwischen dem Honnefer Ortsteil Lohfeld und Rolandseck, einem Stadtteil von Remagen. Das Besondere: Mitten im Strom überquert sie die Landesgrenze zwischen Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Auch ihre Geschichte reicht weit zurück – schon 1874 ging hier eine hölzerne Gierponte in Betrieb, die allein die Kraft des Wassers nutzte; in alten Karten ist die Stelle als „Lohfelderfähre“ verzeichnet.

Eine Fähre, die ihren Dienst nicht immer leicht hat: Im Juli 2013 trieb die alte „Siebengebirge“ nach einem Maschinenschaden antriebslos den Rhein hinab und musste zurückgeschleppt werden; im Niedrigwasser-Herbst 2018 konnte sie zeitweise nicht anlegen. Das zeigt zugleich ihre Grenzen: Bei Hoch- wie bei Niedrigwasser ist der Betrieb empfindlich. Dafür punktet sie im Alltag mit langen Öffnungszeiten und einem modernen Detail – hier kann man neben Bargeld auch kontaktlos mit Karte zahlen.
Rund 20 Kilometer südlich der Nordbrücke ist sie kein Ersatz für die tägliche A565-Fahrt. Ihren Wert spielt sie dort aus, wo der großräumige Ausweichverkehr ohnehin nach Süden drängt – Richtung Remagen, B9 und A61 nach Koblenz. Gerade weil sie abseits der naheliegenden Umleitungen liegt, ist sie für manche Fahrt ein ruhiger Geheimtipp. Steigt der Verkehr in der ganzen Region, dürfte allerdings auch hier die Nachfrage zunehmen – wer auf Nummer sicher gehen will, plant Wartezeiten ein.

Fähren im Vergleich

Und dazwischen: zwei weitere Fähren

Zwischen Norden und Süden liegen zwei weitere Bonner Fähren: Bad Godesberg – Niederdollendorf, die ebenfalls seit 2024 elektrisch fährt, sowie Mehlem – Königswinter im Süden des Stadtgebiets. Für den Verkehr rund um die gesperrte Nordbrücke im Norden sind beide ein deutlicher Umweg – für einzelne

Fahrtrelationen aber durchaus eine Überlegung wert.
Kein Ersatz – aber ein Stück Gelassenheit

Bei aller Sympathie: Eine kleine Autofähre kann die rund 100.000 Fahrzeuge der Nordbrücke nicht auffangen. Pro Überfahrt passen nur wenige Wagen an Bord. Wer die Fähre nutzt, sollte Betriebszeiten und Wetterlage im Blick behalten, Kleingeld bereithalten (in Mondorf) und etwas Zeit mitbringen. Dafür bekommt man etwas, das keine Umleitung bietet: fünf Minuten Ruhe auf dem Wasser, mit Blick auf das Siebengebirge.
Und ein letzter, ganz persönlicher Wunsch sei der Redaktion an dieser Stelle gestattet: Möge die Bad Honnefer Fähre auch nach dieser Ausnahmesituation genau das bleiben, was sie ist - die kleine Fähre mit der vielleicht freundlichsten Mannschaft am Rhein und (fast) immer guter Laune. Denn ob eine Brücke gesperrt ist oder nicht: Über den Strom kommt man hier seit über hundert Jahren - und am schönsten mit einem Lächeln an Bord.

Quellen
1. Rheinfähre Mondorf (Lux-Werft und Schifffahrt GmbH): „Zeiten & Preise“, Startseite und Fahrgast-Stimmen, rheinfaehre-mondorf.de (abgerufen Juni 2026).
2. Fährgesellschaft Honnef Pool GmbH & Co. KG: Beförderungszeiten und Tarife (Stand 1.10.2025), faehre-honnef.de (abgerufen Juni 2026).
3. Rheinische Industriekultur Bonn / kuladig.de: Geschichte der Fähren Mondorf – Graurheindorf und Bad Honnef – Rolandseck (Gierponte 1874, Bahnhof Rolandseck 1856/58, Grenze NRW/Rheinland-Pfalz).
4. AW-Wiki: Rheinfähre „Siebengebirge“ – Baudaten, Havarie 2013 und Niedrigwasser-Ausfälle (mit Angaben aus dem General-Anzeiger).
5. bonn.wiki: Einstellung der Mondorfer Fähre 1977 nach Eröffnung der Friedrich-Ebert-Brücke (1967), Wiederaufnahme 1994.
Hinweis: Fährzeiten, Preise und Betrieb hängen von Wetter und Pegelstand ab und können sich ändern.
Vor der Fahrt aktuelle Angaben der Betreiber prüfen.

LeserReporter/in:

Ricardo Kappel aus Bad Honnef

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