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Wassertaxi auf dem Rhein
Eine alte Idee wird plötzlich brandaktuell

Bereits 2024 stand das Thema in Bad Honnef zur Debatte
- die Nordbrücken-Sperrung zeigt heute, wie wichtig es ist, solche Ideen früh ernst zu nehmen.

Seit dem 3. Juni 2026 ist die Bonner Nordbrücke gesperrt - und sie bleibt es voraussichtlich bis mindestens Ende 2028. Die linksrheinische Vorlandbrücke muss abgerissen und neu gebaut werden. Rund 100.000 Fahrzeuge, die zuvor täglich über die Brücke rollten, verteilen sich seither auf die wenigen verbliebenen Rheinquerungen. Die Region sucht händeringend nach Alternativen. Und dabei rückt eine Idee wieder in den Vordergrund, über die ich an dieser Stelle schon vor fast zwei Jahren geschrieben habe: das Wassertaxi auf dem Rhein.

Im Juli 2024 war das Konzept im Rahmen der Bad Honnefer Mobilitäts-Bürgerbefragung aufgetaucht - nicht von der Stadt eingebracht, sondern von Bürgerinnen und Bürgern selbst auf die Mitmach-Karte gesetzt. Schon damals sah der SPD-Kreistagsfraktionsvorsitzende Denis Waldästl darin eine sinnvolle Ergänzung des ÖPNV und einen Beitrag zur Verkehrswende. Der Erste Beigeordnete der Stadt Bad Honnef, Holger Heuser, betonte, man müsse „alle Optionen prüfen". Und es gab bereits kritische Stimmen: Der Bonner Verkehrspolitiker Rolf Beu warnte, die Stadt allein werde ein solches System nicht stemmen können.

Was 2024 noch wie eine charmante Zukunftsidee klang, ist heute plötzlich sehr konkret. Genau das ist für mich die eigentliche Lehre: Es lohnt sich, solche Themen früh aufzugreifen und ernsthaft zu prüfen - und nicht erst dann, wenn eine Krise uns dazu zwingt. Schon damals zeichneten sich mehrere Engpässe ab, etwa die für 2026 geplanten Bahnarbeiten an den Bahnhöfen in Bad Honnef und Königswinter. Hätte man die Idee von Anfang an seriös untersucht, stünden wir heute vielleicht nicht am Anfang, sondern mitten in der Umsetzung.

Dass der Rhein als Verkehrsweg funktioniert, lässt sich längst beobachten. Die Bonner Personen-Schiffahrt bietet Pendlern an vier Tagen in der Woche kostenlose Fahrten zwischen dem Alten Zoll, dem Bonner Bogen und Bad Godesberg an - eine Sofortmaßnahme, die ohne eine einzige Baustelle auskommt. Und die ursprüngliche Idee hat mit moderner Technik neuen Schwung bekommen: Im Gespräch sind inzwischen elektrische Tragflügelboote, die nahezu geräuschlos und energiesparend über das Wasser gleiten - auf einer Linie von Bad Honnef über Königswinter und Bad Godesberg bis Bonn und Niederkassel.

Ich will dabei ehrlich bleiben: Ein Wassertaxi ersetzt keine Autobahnbrücke, über die täglich 100.000 Fahrzeuge fahren. Das verspricht niemand, und das wäre auch unseriös. Güter- und Schwerlastverkehr bleiben auf die Straße angewiesen. Aber für Pendler, Radfahrende und Fußgänger könnte ein Linienverkehr auf dem Rhein spürbar entlasten - und das vergleichsweise schnell. Denn anders als beim Brückenbau, wo selbst unbegrenztes Geld den aushärtenden Beton nicht schneller trocknen lässt, ist die Infrastruktur hier längst vorhanden: Der Rhein ist da. Was fehlt, sind vor allem Geld und politischer Wille.

Gerade für Bad Honnef wäre das reizvoll. Der neu geplante Bahnhof in Nähe der Insel Grafenwerth mit ihren Anlegestellen böte eine fast ideale Verknüpfung von Schiene und Wasser. Vielleicht ist die jetzige Krise der überfällige Anstoß, eine uralte Verkehrsader endlich wieder ernsthaft mitzudenken. Schauen wir hin - am besten früh.

LeserReporter/in:

Ricardo Kappel aus Bad Honnef

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