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Nach Amputationen
Neuromodulation gegen chronische Schmerzen einsetzen

Uwe Mutter | Foto: Helios Klinik Wipperfürth
  • Uwe Mutter
  • Foto: Helios Klinik Wipperfürth
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Wipperfürth. Menschen, die durch eine Amputation ein Körperteil verloren haben, leiden häufig unter sogenannten Phantomschmerzen. Welche Ursachen dahinterstecken und welche Behandlungsmöglichkeiten die moderne Schmerztherapie bietet, erklärt Schmerzexperte Uwe Mutter, Ärztlicher Leiter des Zentrums für Neuromodulation an der Helios Klinik Wipperfürth, im Interview.

Herr Mutter, wie kann es sein, dass Menschen Schmerzen in einem Körperteil empfinden, das gar nicht mehr vorhanden ist?
Bei einer Amputation werden zwangsläufig Nerven verletzt. An der Verletzungsstelle kann sich beispielsweise ein sogenanntes Stumpfneurinom bilden. Bei länger anhaltenden Schmerzen kann sich zudem ein Schmerzgedächtnis entwickeln. Auch das Gehirn verändert seine Verarbeitung von Körperempfindungen. Dadurch können Schmerzen weiterhin so wahrgenommen werden, als kämen sie aus dem amputierten Körperteil – und sie werden chronisch.

Ab wann spricht man von chronischen Schmerzen?
In der Regel, wenn Schmerzen länger als drei bis sechs Monate bestehen. Dann haben sie häufig ihre ursprüngliche Warnfunktion verloren und können selbst zu einer eigenständigen Erkrankung werden, die den Alltag stark beeinträchtigt.

Wie werden Phantomschmerzen zunächst behandelt?
Zunächst kommen meist Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Metamizol zum Einsatz. Bei stärkeren oder länger anhaltenden Schmerzen können auch Medikamente wie Opioide, Gabapentin oder Pregabalin eingesetzt werden. Bei chronischen Phantomschmerzen reicht ihre Wirkung allerdings nicht immer aus. Zudem können Nebenwirkungen auftreten.

Welche Möglichkeiten gibt es darüber hinaus?
Eine wichtige Rolle spielen Physiotherapie und andere aktivierende Maßnahmen sowie gegebenenfalls psychologische Unterstützung. In spezialisierten Schmerzkliniken werden diese Ansätze häufig zu einer sogenannten multimodalen Schmerztherapie kombiniert, wie wir sie auch in Wipperfürth anbieten. Ein weiterer wichtiger Baustein ist die Neuromodulation.

Was versteht man darunter?
Vereinfacht gesagt wird dabei die Weiterleitung von Schmerzsignalen im Nervensystem gezielt beeinflusst. Schmerzsignale werden über Nerven und das Rückenmark zum Gehirn geleitet, wo sie als Schmerz wahrgenommen werden. Bei der Neuromodulation greifen wir in diese Signalverarbeitung ein und können dadurch die Schmerzempfindung deutlich reduzieren.

Welche Verfahren kommen bei Phantomschmerzen infrage?
Insbesondere die Rückenmarkstimulation, kurz SCS, und die sogenannte DRG-Stimulation. Beide Verfahren gehören zur Neuromodulation, setzen aber an unterschiedlichen Stellen des Nervensystems an.

Wie funktioniert die Rückenmarkstimulation?
Dabei wird eine dünne Elektrode in der Nähe des Rückenmarks platziert. Über einen kleinen Generator werden elektrische Impulse abgegeben, die die Weiterleitung der Schmerzsignale beeinflussen. Zunächst erfolgt meist eine ein- bis zweiwöchige Testphase. Wenn die Behandlung erfolgreich ist, kann ein dauerhaftes System implantiert werden. Der Generator wird in der Regel unter der Haut im oberen Gesäßbereich eingesetzt.

Und was ist der Unterschied zur DRG-Stimulation?
Das sogenannte dorsale Spinalganglion ist eine Art Umschaltstelle für Nervenreize. Bei der DRG-Stimulation wird die Elektrode sehr gezielt an der Stelle platziert, die für das schmerzhafte Körperareal zuständig ist. Dadurch lassen sich Schmerzen in einem begrenzten Bereich besonders gezielt behandeln.

Wie erfolgreich sind diese Verfahren bei Phantomschmerzen?
Bei geeigneten Patienten können beide Verfahren eine deutliche Schmerzreduktion erreichen. Häufig gehen die Schmerzen bereits während der Testphase um mehr als 50 Prozent zurück. Im weiteren Verlauf kann sich die Situation noch verbessern. Entscheidend ist aber immer die individuelle Situation des Patienten.

Was bedeutet eine solche Schmerzreduktion für die Betroffenen?
Wir haben beispielsweise eine junge Frau behandelt, bei der es nach einer langen und unglücklichen Frakturbehandlung am Fuß letztlich zu einer Unterschenkelamputation gekommen war. Wegen starker Phantomschmerzen war sie zunächst nur sehr eingeschränkt mit dem Rollator mobil. Nach der erfolgreichen Behandlung konnte sie wieder ein weitgehend beschwerdefreies und aktives Leben führen. Heute arbeitet sie wieder in der Krankenpflege und spielt sogar Fußball. Für mich ist das ein eindrucksvolles Beispiel dafür, was eine erfolgreiche Schmerztherapie bewirken kann.

Was raten Sie Menschen, die nach einer Amputation dauerhaft unter Phantomschmerzen leiden?
Chronische Schmerzen nach einer Amputation muss man nicht einfach hinnehmen. Wenn Medikamente und andere konservative Maßnahmen nicht ausreichend helfen, gibt es weitere Behandlungsmöglichkeiten, darunter die Neuromodulation. Wichtig ist eine individuelle und möglichst interdisziplinäre Beurteilung, um gemeinsam mit dem Patienten die passende Behandlung zu finden.

Kontakt:
Sekretariat der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Unfallchirurgie:
Tel: 02267 889-522

LeserReporter/in:

Marco Wehr aus Wipperfürth

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