Ein Veedel sucht nach Marie
Eine Katze kehrt heim und berührt ein ganzes Viertel
- hochgeladen von Michaela Berg
Am Abend des 11. Juni wollten Michaela und Carsten aus Wesseling eigentlich in den Kurzurlaub aufbrechen. Die Koffer waren gepackt, die Rechner heruntergefahren – zur Feier ihres zweiten Hochzeitstags sollte es am nächsten Morgen nach Norderney gehen. Bei einem Glas Wein auf der kleinen Terrasse vor der Küche begannen sie den Abend entspannt – bis plötzlich alles anders kam.
Marie, eine der beiden jungen Britisch-Kurzhaar-Katzen des Paares, nutzte einen unachtsamen Moment: Sie huschte durch den Spalt der Terassentür, sprang über die Hecke und war im nächsten Augenblick auf der Straße – und schließlich verschwunden.
Trotz aller Versuche, sie einzufangen, trotz verzweifelter Rufe und hektischer Suche – Marie blieb wie vom Erdboden verschluckt. Doch Michaela und Carsten waren in diesem Moment nicht allein: Sofort eilten Nachbarinnen und Nachbarn zur Hilfe, suchten mit, leuchteten verwilderte Gärten und Kellerabgänge aus und zeigten Mitgefühl, wo Verzweiflung herrschte.
Die Tage vergingen – mit Plakaten an Laternen, Handzetteln in Briefkästen und vielen Gesprächen in der Nachbarschaft. Immer wieder kamen Hinweise, Beobachtungen, aufmunternde Worte. Viele erzählten von eigenen Katzen, die nach Wochen heimgefunden hatten. Diese Geschichten hielten die Hoffnung am Leben – auch wenn sie mit jedem Tag schwerer zu fassen war.
Maries Schwester Luna, selbst noch jung, zog sich zurück und wirkte zunehmend verstört. Um sie nicht allein zu lassen, beschlossen Michaela und Carsten schweren Herzens, einer kleinen Spielgefährtin – der 12 Wochen alten Elli – ein neues Zuhause zu geben.
Doch in der Nacht, bevor Elli einziehen sollte, geschah das Unerwartete: Gegen 2:30 Uhr klingelte das Handy. Am Apparat war der Nachbar von der benachbarten Gaststätte – er hatte Marie in seiner Küche gesehen. Wenige Minuten später standen Michaela und Carsten mit Taschenlampen vor dem Lokal. Und tatsächlich: Unter einem Stapel Abfall blitzten zwei vertraute Augen auf – es war Marie.
Mit etwas Futter ließ sich die hungrige Ausreißerin anlocken und schließlich wieder ins sichere Zuhause bringen. Sie war zwar etwas abgemagert, aber ansonsten unversehrt – und sichtlich erleichtert.
Die Freude war unbeschreiblich – und auch die Dankbarkeit. Denn ohne die vielen helfenden Hände, offenen Augen und mitfühlenden Worte aus der Nachbarschaft hätte diese Geschichte womöglich kein gutes Ende genommen.
Michaela und Carsten möchten von Herzen DANKE sagen. In einer Zeit, in der so oft über gesellschaftliche Kälte und Rücksichtslosigkeit berichtet wird, haben sie etwas ganz anderes erlebt: Zusammenhalt, echtes Mitgefühl und Menschlichkeit. Und das sollte erzählt werden.
LeserReporter/in:Michaela Berg aus Wesseling |