Endlich wieder nach 2019
81 Teilnehmer bei der Osterarbeitswoche

Den Abschluss bei der Abschlusspräsentation machte der Lehrgang V, in dem Hans-Günther Kölz und Wolfgang Ruß neue Akkordeonorchester-Literatur vorstellen.
  • Den Abschluss bei der Abschlusspräsentation machte der Lehrgang V, in dem Hans-Günther Kölz und Wolfgang Ruß neue Akkordeonorchester-Literatur vorstellen.
  • Foto: Bernd Glück
  • hochgeladen von Anita Brandtstäter

Trossingen - Wesseling. Am Gründonnerstag ging wieder die Osterarbeitswoche des Deutscher Harmonika-Verband e.V. in der Bundesakademie Trossingen zu Ende. Die Teilnehmer der unterschiedlichen Lehrgänge präsentierten sich gegenseitig, womit sie sich in der Woche beschäftigt hatten. Zunächst zwei Formationen aus dem Ensemblekurs von Andreas Nebl, dann die Gruppe mit Steirischen Harmonikas unter Leitung von Michael Rettig, außerdem der Dirigierkurs von Silke D'Inka, und last not least der Lehrgang von Hans-Günther Kölz und Wolfgang Ruß.

Lehrgänge

Auf dem Programm des Repertoirekurses standen die beiden letzten Sätze der Suite "My Switzerland" von Hans-Günther Kölz, die die Italienische Schweiz und die Romanische Schweiz beschreiben, und zum lockeren Abschluss "Samba Cocktail Nr. 2" von Wolfgang Ruß. Das war nur ein kleiner Ausschnitt aus dem Probenplans des Teilnehmerorchesters - einstudiert hatten die 43 Musiker noch Arrangements von "Take On Me", "Ragtime Concert Suite" von Scott Joplin, den Slow Swing "Li'l Darlin'", den Pop-Tango "Colette Shows Him Le Ropes", "Major Tom - Völlig losgelöst", den "Zaubertanz" von Josef Retter/Hans-Günther Kölz, "'80er Party" und "Besuch im Zirkus" von Wolfgang Ruß.

Auch bei der Osterarbeitswoche 2022 wurde die Suche nach dem gemeinsamen »Ensemblegeist« fortgesetzt! Bereits bestehende Trios, Quartette, Quintette wie auch Einzelspielerinnen und -spieler konnten sich anmelden, um verschiedenste Musikstile - von Klassik bis Tango - gemeinsam mit Andreas Nebl zu entdecken. Ein Quartett und ein Sextett spielten beim Abschlusskonzert ein klassisches Quartett bzw. den Tango von Igor Strawinsky aus dem Jahr 1940.

Das erste Mal bei der Osterarbeitswoche in Trossingen: Michael Rettig mit einem Lehrgangsangebot Steirische Harmonika. In dem Kurs standen neben dem Erarbeiten neuer Impulse fürs eigene Repertoire auch grundlegende Elemente wie Spieltechnik, Interpretation, Auswendigspiel und das Begleiten im Fokus. Vier Teilnehmer präsentierten sich mit ihrem Dozenten beim Abschluss als Harmonika-Ensemble.

Ein Teilnehmer des Dirigierkurses von Silke D'Inka präsentierte einen Auszug aus "Feuerwerk" von Lutz Stark mit vielen Taktwechseln. Vorher dirigierte eine Teilnehmerin einen langsamen Satz aus "Black Mountain" von Ian Watson. Beide standen das erste Mal vor einem Orchester! Dieses Jahr wurde der Lehrgang von Studenten des Hohner-Konservatoriums Trossingen unterstützt.

Die Orchesterwerkstatt "Querbeet" mit Thomas Bauer war für Musizierende und Dirigierende der Ober- und Höchststufe gedacht. Die Orchesterarbeit bewegte sich zwischen Kennenlernen und genauem Erarbeiten der Werke. Für interessierte Orchesterleiterinnen und -leiter bestand auch die Möglichkeit, die erarbeiteten Werke zu dirigieren. Literatur unter anderem: "Die Hebriden", Konzertouvertüre von Felix Mendelssohn Bartholdy; "Le docteur Miracle", Ouvertüre von Georges Bizet; "Il segreto di Susanna", Ouvertüre von Ermanno Wolf-Ferrari.

Verbandsarbeit

Am Sonntagnachmittag  hatte Präsident Jochen Haußmann die Veranstaltung mit 81 Teilnehmern eröffnet unter dem Motto "Musik statt Depression". Die Verbände der Amateurmusik haben in diesen schwierigen Zeiten viel für die Vereine gemacht. Unter anderem wurde ein Kompetenzzentrum Amateurmusik mit inzwischen 38 Leuten gegründet - aktuell noch befristet bis September 2022. Am 19. Juni wird der Neubau des Bundesmusikverbandes für Chor und Orchester neben der Bundesakademie eröffnet - dort ist künftig auch die Geschäftsstelle des DHV, und es gibt Co-Working Spaces. Prof. Peter Vierneisel als neuer Hausherr der Bundesakademie sprach ein Grußwort und hob den Wert der Kultur gerade trotz der Veränderungen in der Welt hervor.

Bei der Osterarbeitswoche gab es nicht nur Hygienemaßnahmen wie Test- und Maskenpflicht aufgrund der Corona-Pandemie, sondern auch Ausfälle. Geschäftsführer Johannes Wollasch konnte leider nicht teilnehmen. Auch musste das Konzert am Sonntag mit Rudi Katholnig, Akkordeon, und Hans-Peter Steiner, Saxophon, abgesagt werden. Stattdessen stellten zwei Mitglieder des Kompetenzteams von "NEUSTART AMATEURMUSIK" Andreas Zimmermann und Sabine Kölz diese Initiative des Dachverbandes vor. Sowohl die Plattform frag-amu.de als auch die Förderprogramme findet man auf der Website des Bundesmusikverbandes Chor & Orchester.

Konzerte

Am Montagabend präsentiert sich immer das Hohner-Konservatorium Trossingen. Dieses Mal war es ein Kooperationskonzert mit dem Prager Konservatorium im schönen Konzertsaal der Bundesakademie. Das interessante Programm begann mit dem Trossinger Quartett und einem Streichquartett von Joseph Haydn. Sechs Solistinnen und Solisten aus Prag brachten dann Literatur von Renzo Ruggieri über Jasinsiky, Voitenko, Jindrich Feld, Janacek, Tiensuu, Franck Angelis bis Zubitzksy zu Gehör. Ein Highlight des sehr anspruchsvollen und abwechslungsreichen Konzertes war das Solo von Martin Šulc. Er spielte zwei Sätze aus der Jazz Partita von Zubitzky. Zum Finale widmete das Kooperationsensemble Prag-Trossingen "Die zertrümmterte Kathedrale" von Trojan den Menschen in der Ukraine. Außerdem erklang der Tango von Strawinsky. Nach diesem und hochklassigen Programm spielte im Foyer eine Combo des Kons - unter Leitung von Hans-Günther Kölz. Mit Nils Aebersold, Akkordeon, Monja Heuler, Bass, und Stefan Bauer, Schlagzeug. Als Gastmusiker wirkte Wolfgang Ruß an der Gitarre mit.

Die zwei aufstrebenden Musiker Rebekka Zwick und Nicolas Ousseni formierten sich zu einem festen Duo, dessen Passion darin besteht, durch die Verschmelzung von Trompete und klassischem Akkordeon die Tür zu einer neuen musikalischen Klangwelt zu öffnen. Ihr Repertoire reicht von barocken Werken über virtuose Bravourstücke bis hin zu romantischen und modernen Perlen der Literatur. Eigentlich wollten sie schon 2019 bei der Osterarbeitswoche auftreten - nun ist es durch die Pandemie erst ein Konzert 2022 geworden. Geplant war schon damals eine Uraufführung des 2018 geschriebenen Werkes "Extravaganza" für Flöte/Trompete und Akkordeon/Klavier von Dorothee Eberhardt-Lutz. Die Teilnehmer in Trossingen waren beeindruckt von der mehrsätzigen Komposition. Besonders gut kamen auch "Siete Canciones populares Españolas" von Manuel de Falla an, bei denen die Klänge von Trompete und Akkordeon sich wunderschön mischten.

"Ziach in Concert" - so hieß es das erste Mal bei einem Konzert der Osterarbeitswoche des Deutscher Harmonika-Verband e.V. in der Bundesakademie Trossingen. Die Steirische Harmonika hat längst ihre musikalische Heimat in der Volksmusik erweitert und ihren besonderen Klang in neue Besetzungen und Stilrichtungen eingebracht. Michael Rettig präsentierte mit Johannes Stange (Trompete) und Tobias Schmitt (Kontrabass) bunte Kompositionen und Arrangements aus verschiedenen Musikrichtungen. Mit zwei Solo-Werken begann der Abend: "Für’n Vater" von Kastulus Meier und "Veträumt durch Wien" von Alfred Gradinger. Die Combo spielte im Wesentlichen Eigenkompositionen: "L’air d’hier" und "Die Dunkle Gasse" von Michael Rettig, "Sahmaran", "Güte – Kraft – Vertrauen", "Prayer", "African Shave" von Johannes Stange, "Wohin? Geht’s!" von Tobias Schmitt. Es gab Kinderlieder im Arrangement von Michael Rettig zum Raten. Insgesamt sehr entspannte, handgemachte Musik. Michael Rettig wechselte auch schon mal auf sein chromatisches B-Griff-Akkordeon. Eine typische Zugabe, der "Maxglaner Zigeunermarsch" von Tobi Reiser beendete den etwas anderen Konzertabend.

Die Dozenten Hans-Günther Kölz und Wolfgang Ruß begeisterten anschließend am letzten Abend der Osterarbeitswoche mit Jazz-Standards und Eigenkompositionen am Flügel und mit der E-Gitarre beim geselligen Beisammensein im Foyer. Die beiden waren äußerst gut drauf! Und kurz vor Mitternacht packte Susanne Schlaich-Stock, Musiklehrerin und Studentin am Hohner-Konservatorium Trossingen, ihre Steirische aus - und ließ sich professionell begleiten.

Plenen und Workshops

Gruppenmusizieren mit der Mundharmonika - auch eine Möglichkeit, z.B. Kinder für das gemeinsame Musizieren zu begeistern. Im ersten Workshop von Naoko Nebl bei der Osterarbeitswoche 2018 ging es um die Grundlagen wie Atmung, Körperhaltung und Einzeltonspiel. Diese Kenntnisse wurden im zweiten Teil 2022 kurz wiederholt - es wurde das Tonspektrum über zwei Oktaven erweitert. Die meisten Teilnehmer waren aber Anfänger. Trotzdem konnte das Ziel erreicht werden, dass alle mehrere einfache, mehrstimmige Stücke gemeinsam spielten. Die Firma Hohner stiftete wieder die Instrumente dazu: Melody Star.

Außerdem gab es dieses Jahr eine Einführung in das 19-Ton-System von Klaus Erich Novák: "Wie ist unser 12-töniges System aufgebaut und wo sind die Probleme?" In seinem Vortrag erklärte Novák das seit dem 17. Jahrhundert bekannte und immer wieder vergessene 19-tönige System als interessante Alternative. Und er führte die Möglichkeiten mit seinem 19-tönigen Akkordeon vor, das er sich auf Basis eines gebrauchten Knopfakkordeons eigens hat bauen lassen.

Matthias Matzke brachte zu seinem Workshop "Als Erwachsener noch ein Musikinstrument lernen? Ansätze für das HOHNER XS. Womit kann das XS punkten?" auch die Akkordeons zum Ausprobieren mit. Er stellte klangliche und methodische Möglichkeiten des sehr leichten und übersichtlichen Akkordeons vor. Dazu gibt es Konzepte aus »Akkordeon QUICKSTART« und Kreativ-Bausteine zu Improvisation und Stilistik. Und die Teilnehmer - alles erfahrene Akkordeonisten - hatten sichtlich Spaß! 

Bei der Osterarbeitswoche ist auch immer der Hohner Service vor Ort. Instrumente aller Hersteller wurden geprüft. Außerdem erfuhren sie eine Basis-Reinigung. Herzllichen Dank an Ralf Tritschler und sein Team. Ergänzt wurde das Angebot außerdem durch die Notenausstellungen von Musikgroßversand und Verlagsgruppe Notenwunderland und Jetelina Akkordeonmusik sowie der Amusiko Verlagsgruppe im Foyer.

Insgesamt wieder eine runde Sache! Zur Freude aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die auch den Austausch miteinander schon sehr vermisst hatten.

Leserreporter:

Anita Brandtstäter aus Köln

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