Wieder am Leben teilhaben
Rhein-Sieg-Kreis-Feger sind nun unterwegs

Organisatoren und Teilnehmer des Projekts (v.li.n.re.): Fabian Fey (Kreissozialamt), Jürgen Graff (Leiter Suchthilfe), Projektleiter Philip Salgert, Ayshe und Ulrike Schneider (Kreissozialamt).  | Foto: Kaiser
  • Organisatoren und Teilnehmer des Projekts (v.li.n.re.): Fabian Fey (Kreissozialamt), Jürgen Graff (Leiter Suchthilfe), Projektleiter Philip Salgert, Ayshe und Ulrike Schneider (Kreissozialamt).
  • Foto: Kaiser

Projekt soll Drogenabhängigen mehr Tagesstruktur geben

Troisdorf. Mit einem neuen Arbeitsprojekt ist die Suchthilfe der Diakonie An Sieg und Rhein in Kooperation mit dem Kreis gestartet. Der Titel: „Rhein-Sieg-Kreis-Feger“.

Wenn Ayshe in der Nähe ist, herrscht mehr Ordnung auf den Plätzen, auf denen sich die Drogen- und Obdachlosenszene trifft. Zigarettenstummel, Drogenkonsum-Utensilien und sonstiger Müll landen in dafür vorgesehenen Behältern. Ayshe ist eine der insgesamt elf schwerstabhängigen Teilnehmer des Projektes „Rhein-Sieg-Kreis-Feger“, organisiert von der Suchthilfe der Diakonie An Rhein und Sieg, finanziert vom Rhein-Sieg-Kreis.

Sozialarbeiter Philip Salgert leitet das Troisdorfer Projekt, das in ähnlicher Weise bereits erfolgreich in Köln, Bonn und Essen läuft. „Ziel ist es, dem Leben der Klienten etwas Tagesstruktur zu geben“, erläutert er. „Wir starten pünktlich um 9 Uhr mit einem gemeinsamen Frühstück, dann machen wir uns an die Arbeit bis zum Mittagessen gegen 13 Uhr“.

Noch sind die Teilnehmer, ausgestattet mit Sicherheitsschuhen, Warnwesten und einem selbst gezimmerten „Sammelwagen“, fußläufig im Stadtgebiet unterwegs, geplant ist eine Ausweitung in den gesamten Kreis.

Wieder am Leben teilhaben

Die „Rhein-Sieg-Kreis-Feger“ reinigen neben den „Szeneplätzen“ auch weitere Grünflächen oder erledigen kleinere handwerkliche Tätigkeiten. „Dies geschieht in Absprache mit der Stadt“, so Salgert. Beide Seiten profitierten vom Projekt. „Das Erscheinungsbild der Innenstadt wird verbessert und die suchtkranken Menschen erhalten eine sinnvolle Aufgabe“. „Ja, ich fühle mich aufgewertet“, bestätigt Ayshe, die vor ihrer Krankschreibung lange im Handelshof gearbeitet hat. „Mein Selbstbewusst-

sein ist gewachsen. Ich mache mir wieder Gedanken um mein Erscheinungsbild, weiß wieder, welcher Wochentag überhaupt ist“. Lange Zeit habe sie einfach nur „irgendwie existiert“, jetzt nehme sie wieder am Leben teil. „Manchmal muss ich auch meinen inneren Schweinehund überwinden“, räumt Ayshe wahrheitsgemäß ein, „aber die Freude an der Arbeit überwiegt“. Einen Euro erhält sie pro Stunde. Dazu das regelmäßige Frühstück und Mittagessen.

Auge auf die Umwelt

Wichtiger als die finanzielle Anerkennung sei ihr das neu gewonnene Ansehen, innerhalb, aber auch außerhalb des Milieus. „Wir sammeln säckeweise Zigarettenstummel auf. Unglaublich, was auf dem Boden landet“.

Die Arbeit hat ihr Bewusstsein für die Umwelt geschärft, was sie an Freunde und Bekannten in der Szene weitergibt. „Wenn ich dabei bin, wagt es so schnell keiner, seinen Müll auf den Boden zu werfen“, erklärt sie nicht ohne Stolz.

„An Ayshes Beispiel sieht man, wie wichtig ein Angebot sein kann, das den Tag sinnvoll füllt“, betont Jürgen Graff, Leiter der Suchthilfe. „Zahlreiche unserer Klienten haben eine große Bandbreite an Fertigkeiten, viele eine Ausbildung oder bereits Jahre in Arbeit hinter sich. Nun sind die meisten aufgrund ihrer Sucht schon lange Zeit aus dem Berufsleben heraus, werden jedoch ohne Arbeit und Obdach vom Jobcenter nicht erreicht und landen auf dem Abstellgleis. Nur kleine Schritte in Richtung Normalität sind möglich. Das niedrigschwellige Arbeitsmarktprojekt „Rhein-Sieg-Feger“ lässt sie wieder ein wenig mehr in die Mitte der Gesellschaft rücken“.

Freie/r Redaktionsmitarbeiter/in:

Heidi Kaiser aus Troisdorf

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

2 folgen diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.