Open Air "Hütte Live"
Vom Dorfexperiment zum Kult
- Das „Heinemann Trio“ auf der Bühne beim diesjährigen „Hütte Live“ Open Air
- Foto: Michael Kupper
Wildbergerhütte. Was 2014 als Experiment begann, ist längst Kult geworden: Mit seinem zehnten Open Air hat „Hütte Live“ auf dem Dorfplatz in Wildbergerhütte einmal mehr bewiesen, dass aus einer vagen Idee ein festes Stück regionaler Festkultur werden kann – trotz coronabedingter Unterbrechungen, die zwischen Gründung und Jubiläum lagen. Den Anstoß hatte einst der damalige Dorfgemeinschaftsvorsitzende Paul Gerhard Blumberg gegeben, der schlicht „etwas für die Jugend im Dorf“ schaffen wollte. Vereinsmitglied Dennis Hellmann, selbst Gitarrist, entwickelte daraus ein Konzept: vier Bands, ein Samstagabend nach Fronleichnam und Verpflegung statt großer Gage. Dass inzwischen Bands reihenweise anfragen, ob sie auftreten dürfen, spricht für den Ruf, den sich die Veranstaltung erarbeitet hat.
Die Bühne wurde wie gewohnt von zwei dicht nebeneinandergestellten Sattelaufliegern des ortsansässigen Spediteurs Papenburg gebildet – eine Lösung, die einst durch Zufall entstand und seitdem unverzichtbar ist. Nicht mehr wegzudenken von „Hütte Live“ ist auch die Licht- und Tontechnik von ALD – ebenfalls aus dem Dorf.
Aus anfänglich 500 Besuchern sind längst mehr als 1000 geworden – und das generationsübergreifend: Ursprünglich als Jugendveranstaltung geplant, hat sich das Open Air zu einem Fest für alle entwickelt. Dazu tragen auch die handgeklopften Schnitzel mit selbstgemachten Soßen bei, für die der Verein „Wir für Hütte“ Fleisch vom Dorfmetzger verwendet. Der Eintritt war auch diesmal frei; als Jubiläumsbonus gab es Wertmarken im „10+1“-Format.
Den Startschuss für das Jubiläumsevent gab „Itzend“ aus Siegen. Die angekündigte Gruppe „Ladybug Lounge“ konnte wegen einer kurzfristigen Erkrankung der Sängerin nicht spielen. Das Duo stimmte die – trotz vorheriger Schauer zahlreich erschienenen Gäste – mit Rock- und Blues-Klassikern auf den Abend ein. Bei den Punkrockern „Denkzettel“ aus Gummersbach gab es dagegen „gleich was auf die Ohren“. Lautstark griffen sie gesellschaftliche und politische Themen auf und zeigten auch Humor: „Wo früher meine Leber war, ist heute eine Minibar.“
Karl-Bodo Leienbach, stellvertretender Bürgermeister von Reichshof, nutzte die Umbaupause, um im Auftrag der Gemeinde zum Jubiläum zu gratulieren: „Danke, dass ich dabei sein darf.“ Er lobte den Einsatz von etwa 40 Helfern und dankte der Feuerwehr aus dem Nachbarort Nosbach für die Verkehrssicherung sowie der DLRG Reichshof für den Sanitätsdienst. Ortsgruppenvorsitzende Liane Prübusch erklärte, dass diesmal acht Kräfte im Einsatz seien. Die große Präsenz sei auch ein Dankeschön für das Engagement der Dorfgemeinschaft bei der Rettung des Schwimmbads im Dorf: „Eine Hand wäscht die andere.“
Weiter im Programm ging es mit dem Lokalmatador „Heinemann Trio“, das bereits beim Betreten der Bühne großen Applaus erhielt – und diesen bestätigte. Zum Grönemeyer-Sound machten Senol Aktas, Georg Freund und Jörg Stausberg „Hütte“ zur Weltstadt. Einen festen Platz hat die Gruppe im Wildberger Karneval, doch für das Open Air hatte sie eigens ein Lied kreiert: „Die Zeit ist reif für Hütte Live.“ Auch das neue Fitnessstudio ließen sie nicht unerwähnt: „Un dann stonn se in der Muckibud un haun sich Proteine in den Kopp.“
Die Krönung des Abends war schließlich die Siegener Band „UnArt“, die bereits 2017 in Wildbergerhütte zu Gast war und sich selbst als „wahnsinnigste Coverband zwischen Mosel und Mississippi“ bezeichnet. Mit hoher Energie bewegte sich Sänger Steffen Wüst über die Bühne und präsentierte nach einem Abba-Medley eine Mischung bekannter Hits – etwa auch von Scooter und Linkin Park –, die die Gäste bis tief in die Nacht zum Tanzen brachte.
Freie/r Redaktionsmitarbeiter/in:Michael Kupper aus Reichshof |
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