Helmut-Loos-Bad
Stadt und Verein suchen nach Zukunftslösung
- Foto: Bracker
- hochgeladen von Irmgard Bracker
Das Helmut-Loos-Schwimmbad im Stadtteil Lülsdorf befindet sich nach Angaben der Stadt Niederkassel in einem kritischen baulichen Zustand. Die technische Ausstattung des Gebäudes ist stark veraltet, der Beton vielfach porös, zudem kommt es immer wieder zu Undichtigkeiten im Becken. Nach Darstellung der Verwaltung besteht die Gefahr, dass das Bad kurzfristig und endgültig geschlossen werden muss.
Bürgermeister Großgarten betont, dass Offenheit über die Situation notwendig sei. „Mir ist es wichtig, dass alle wissen, wie es um das Bad steht und dass wir an einer tragfähigen und finanzierbaren Zukunftsoption arbeiten“, erklärt er. Der Schulsport sei dabei eine Pflichtaufgabe der Stadt, zugleich wolle man auch künftig weitere Schwimmangebote im Stadtgebiet ermöglichen.
Um eine fundierte Entscheidungsgrundlage zu haben, hat die Stadt ein Gutachten erstellen lassen, das den Zustand des Bades detailliert beschreibt. Zudem startete die Verwaltung im Juni des vergangenen Jahres eine öffentliche Beteiligung zur Zukunft des Schwimmbades. In diesem Rahmen wurden verschiedene Ideen gesammelt, darunter auch Modelle, bei denen ein Hallenbad durch einen privaten Investor realisiert werden könnte.
Im Zuge dieses Prozesses wurde die Stadt auf die Schwimmschule Nessy aufmerksam, ein Unternehmen, das bereits Schwimmkurse in der Region anbietet. Nach Angaben des Bürgermeisters haben hierzu „sehr konstruktive und vertrauensvolle Gespräche“ stattgefunden. Die Grundidee sieht vor, dass ein neues Hallenbad von einem privaten Partner errichtet und betrieben wird, während die Stadt vertraglich gesicherte Nutzungsrechte erhält. Eine Entscheidung sei jedoch noch nicht gefallen. „Wir sind am Anfang der Planung, noch ist nichts entschieden“, so Großgarten. Klar sei allerdings, dass es ohne neue Finanzierungsmodelle und Anpassungen bei den Angeboten nicht gehen werde.
Parallel dazu hat ein intensiver Austausch mit den Vereinen stattgefunden. Dabei wurden Bedarfe ermittelt und ein gemeinsames Vorgehen abgestimmt. Der Bürgermeister räumt ein, dass es bei den Vereinen Vorbehalte gegenüber einer Lösung mit einem privaten Investor gibt. Diese würden ernst genommen. Gemeinsam erarbeitete vertragliche Regelungen sollen nach Vorstellung der Verwaltung eine verlässliche Zusammenarbeit absichern.
Aus Sicht der Stadt hätte ein Bau durch einen privaten Partner mehrere Vorteile. Insbesondere würden finanzielle Risiken und die Verantwortung für aufwendige und teure Sanierungen nicht mehr bei der Kommune liegen. Hinzu kommt der akute Personalmangel im Bereich der Bädertechnik: Nach Angaben der Verwaltung sind derzeit nur etwa die Hälfte der entsprechenden Stellen besetzt. Dies führe bereits heute zu Einschränkungen bei den Nutzungszeiten und damit auch zu Einnahmeausfällen. Auch dieses Risiko würde bei einem privaten Betrieb nicht mehr die Stadt treffen. „Wir befinden uns in der Haushaltssicherung und können uns in der aktuellen Lage keine finanziellen Experimente leisten“, macht Großgarten deutlich. Eine Sanierung des bestehenden Bades würde zudem voraussichtlich eine mehrjährige Schließung nach sich ziehen, während ein Neubau einen nahtlosen Weiterbetrieb ermöglichen könnte. Die finale Entscheidung soll später der Rat der Stadt treffen.
Finanziell steht die Stadt unter erheblichem Druck. Die Sanierung des Hallenbades wurde bereits 2024 mit rund 13,7 Millionen Euro beziffert, wobei aufgrund von Baupreissteigerungen inzwischen von deutlich höheren Kosten ausgegangen wird. Zwar hat der Bund ein Förderprogramm für Hallenbäder angekündigt, die maximale Förderhöhe liegt jedoch bei acht Millionen Euro. Selbst im besten Fall müsste die Stadt einen Eigenanteil von rund sieben Millionen Euro oder mehr aufbringen. Gleichzeitig stehen weitere große Projekte an, darunter der Neubau einer Feuerwache in Lülsdorf sowie die Sanierung oder der Neubau des Kopernikus-Gymnasiums. Vor diesem Hintergrund sieht die Verwaltung derzeit davon ab, eine Interessenbekundung im Rahmen des Bundesprogramms „Sanierung von kommunalen Schwimmbädern“ abzugeben.
Kritik an den Überlegungen der Stadt kommt von der SpVgg Lülsdorf-Ranzel 1959 e.V. (LüRa). Der Verein äußert in einer Stellungnahme große Besorgnis über die mögliche Privatisierung des Schwimmbades. Die Entscheidung, keine Interessenbekundung für Bundesfördermittel abzugeben, sei kurzsichtig. Zudem warnt die LüRa davor, dass ein gewinnorientierter Betreiber Marktpreise verlangen müsse, was den sozialen Zugang zum Schwimmsport gefährde. Besonders problematisch sieht der Verein mögliche Einschränkungen der Beckenzeiten, die das eigene Finanzierungsmodell und damit die Vereinsarbeit bedrohen könnten.
Als Alternative bringt die LüRa ein sogenanntes „Bürgerbad“ ins Spiel. Dieses Modell soll auf einem solidarischen Mitgliedersystem und einer schlanken, vereinsgestützten Verwaltung beruhen. Ziel sei es, den laufenden Betrieb kostendeckend zu organisieren, den öffentlichen Zugang zu sichern und fachliche Anforderungen des Schul- und Vereinssports zu erfüllen.
Nach Angaben des Vereins hat es mittlerweile ein konstruktives Gespräch mit Bürgermeister und Fachbereichsleitern gegeben. Dabei sei das Bürgerbad-Konzept als ernsthafte und gleichberechtigte Option in die weiteren Überlegungen aufgenommen worden. Nun soll die öffentliche Diskussion in eine Phase der fachlichen Prüfung übergehen, um dem Rat der Stadt eine fundierte Entscheidungsgrundlage zu liefern.
Redakteur/in:Irmgard Bracker aus Niederkassel |