Teilzeit-Falle für Köln?
Warum so viele Frauen kürzer treten müssen
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Köln in Teilzeit: Fast 200.000 Menschen arbeiten weniger Stunden – und meist sind es die Frauen. Die Gewerkschaft NGG warnt: Das ist kein Lifestyle, sondern oft pure Notwendigkeit. Und jetzt soll ausgerechnet politisch Druck gemacht werden.
Köln arbeitet – aber oft eben nicht Vollzeit. Rund 193.200 Menschen in unserer Stadt haben einen Teilzeitjob. Und wer hinschaut, merkt schnell: Teilzeit hat in Köln vor allem ein weibliches Gesicht. Nach Angaben der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten sind 68 Prozent der Teilzeitkräfte Frauen. Die NGG Köln beruft sich dabei auf Zahlen der Arbeitsagentur. Bei Vollzeitjobs ist das Bild komplett anders: Dort liegt der Frauenanteil in Köln bei nur 37 Prozent.
Für Marc Kissinger, Geschäftsführer der NGG Köln, ist klar: Teilzeit ist keine Entscheidung nach dem Motto „Heute mal so, morgen mal anders“. Wer weniger Stunden arbeitet, hat am Monatsende weniger Geld – und später auch weniger Rente. „Teilzeitarbeit ist keine Bequemlichkeit“, sagt Kissinger. Für viele Beschäftigte sei sie vielmehr die Voraussetzung, um Job und Familie überhaupt zusammenzubringen – oder um Angehörige zu pflegen.
Scharf schießt Kissinger gegen Pläne aus dem Wirtschaftsflügel der CDU. Wenn künftig Menschen, die in Teilzeit arbeiten und gleichzeitig Wohngeld oder Kinderzuschlag bekommen, praktisch zu Vollzeit gedrängt werden sollen, dann fehle dafür „jedes soziale Gespür“, kritisiert er. Sein Appell geht an die CDU in Köln und an die Delegierten aus der Region: Sie sollen Ende Februar den Antrag zur Reform der Teilzeit auf dem CDU-Parteitag in Stuttgart „abschmettern“.
Kissinger warnt davor, den Menschen „die Daumenschrauben anzuziehen“, nur um sie ins Vollzeitpensum zu zwingen. Denn solange es nicht mehr Kitaplätze gibt, werde das nicht funktionieren. Immerhin habe der Wirtschaftsflügel der Union diesen Punkt nach langem Hin und Her inzwischen selbst aufgegriffen – und sei damit wenigstens ein Stück näher an den Problemen der Beschäftigten.
Auch wer Angehörige pflegt, könne zu Hause nicht einfach alles stehen und liegen lassen, um mehr Stunden im Job zu machen, so Kissinger. Dafür brauche es eine bessere Infrastruktur bei der Pflege.
Gleichzeitig richtet die NGG den Blick auch auf die andere Seite: Wer eigentlich Vollzeit arbeiten kann, sollte sich nicht mit einem Teilzeitjob abspeisen lassen. Die Gewerkschaft warnt Arbeitgeber in Köln davor, Beschäftigte – vor allem Frauen – in Teilzeit zu drängen. Entscheidend sei, welches Arbeitspensum man persönlich machen kann und will. Genau darauf sollten Beschäftigte pochen, sagt Kissinger. Es dürfe nicht darum gehen, dem Betrieb mit einem „Teilzeit-Kompromiss“ entgegenzukommen, wenn man lieber Vollzeit arbeiten möchte.
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Redakteur/in:EXPRESS - Die Woche - Redaktion aus Köln |