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Klangfarbenfaszination "Knopf und Pfeife"
"Pareidolie" in St. Nikolaus begeistert mit Akkordeon und Orgel

Viel Applaus zum Abschluss für "Knopf und Pfeife", für den Akkordeonisten Nepomuk Golding und den Organisten Hannes von Bargen auf der Orgelempore.  | Foto: Anita Brandtstäter
  • Viel Applaus zum Abschluss für "Knopf und Pfeife", für den Akkordeonisten Nepomuk Golding und den Organisten Hannes von Bargen auf der Orgelempore.
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Köln-Sülz. In der Reihe der Sülzer Abendmusiken in St. Nikolaus begeisterte das Konzert „Pareidolie“ mit einer selten zu hörenden Instrumentenkombination. Das Duo „Knopf und Pfeife“ – der Akkordeonist Nepomuk Golding und der Organist Hannes von Bargen – ließ Akkordeon und Orgel in einen ebenso fein abgestimmten wie überraschungsreichen Dialog treten. Die beiden Musiker, die sich am Eberhard-Ludwigs-Gymnasium Stuttgart kennenlernten und heute an renommierten Hochschulen in Deutschland und England studieren, verbindet ein ausgeprägter Sinn für klangliche Experimente. Beide sind vielfach ausgezeichnete Preisträger internationaler Wettbewerbe.

Das Konzert war stringent konzipiert: Unter dem Titel „Pareidolie“ widmeten sich Golding und von Bargen dem Phänomen, in vermeintlich Bekanntem stets neue Gestalten zu entdecken. Dieser Gedanke durchzog das Programm wie ein roter Faden – von barocken Tanzsätzen bis hin zu Klangflächen der Neuen Musik. Im Zentrum stand die Uraufführung der Bearbeitung von „Pareidolie“ von Moritz Laßmann durch den Komponisten selbst. Ursprünglich 2021 für Bläserquintett geschrieben, erhielt das Werk in der Fassung für Akkordeon und Orgel eine neue organische Gestalt. Laßmanns Musik lebt von scheinbar vertrauten Formen, Harmoniefolgen oder Melodien, die abrupt unterbrochen und in eine neue Richtung weiterentwickelt werden. In der Umsetzung durch Golding und von Bargen wurde dieser Prozess des permanenten Wiedererkennens und Verwerfens eindrucksvoll hörbar: ein Spiel mit Erwartung und Irritation, das durch die differenzierte Registrierung der Mühleisen-Orgel und die klangliche Flexibilität des Pigini-Knopfakkordeons fast die Farbigkeit des Originals erreichte.

Zwei Werke haben die beiden Solisten selbst für ihre nicht übliche Instrumentenkombination bearbeitet: Aus den „Fünf Orchesterstücken op. 16“ von Arnold Schönberg erklang das bekannte dritte Stück „Farben“. Schönbergs Idee eines „bunten ununterbrochenen Wechsels von Farben, Rhythmen und Stimmungen“ ohne Architektur, ohne Aufbau wurde hier auf wunderbar eingelöst. Mit nur zwei Instrumenten entstand ein schillerndes Klangspektrum, das die Komposition für Sinfonieorchester in konzentrierter Form neu erfahrbar machte. Auch die „Silhouetten op. 29“ von Sigfrid Karg-Elert – ursprünglich für Klavier und Harmonium komponiert – erwiesen sich als ideales Terrain für diese Besetzung. Zwischen spätromantischer Wärme, impressionistischen Schattierungen und expressionistischen Einschlägen entfalteten sich die einzelnen Sätze mit den Titeln "Dans ancienne", "Berceuse mignonne", "Quadi Munuetto" und "Tempi di ballo". Der Zyklus bildete einen versöhnlichen Ausklang des Abends.

Die solistischen Beiträge setzten markante Kontraste: Johann Sebastian Bachs „Französische Suite Nr. 5 G-Dur, BWV 816“ eröffnete das Konzert in der Interpretation von Nepomuk Golding mit bemerkenswerter stilistischer Klarheit und tänzerischer Eleganz. Die differenzierte Artikulation, die feine Phrasierung und nicht zuletzt die virtuose Bewältigung der kontrapunktischen Strukturen – etwa in der fugierten Gigue – zeigten wieder einmal, wie überzeugend sich barocke Cembalomusik auf das Akkordeon übertragen lässt. Einen ganz anderen Klangraum erschloss Hannes von Bargen mit „Ettrick Banks“ der britischen Komponistin Judith Weir. Inspiriert von Debussys impressionistischen Wasserstudien für Klavier und den Intervallen einer schottischen Volksmelodie, entfaltete sich hier ein Klangbild eines unruhigen Gewässers.

So spannte das Konzert einen weiten Bogen: Zwei Zyklen, deren Sätze verschiedene französische Tänze anklingen lassen, rahmten ein Programm, das konsequent mit Erinnerung, Transformation und klanglicher Täuschung spielte. Vertraute Formen erschienen in neuem Licht, Unbekanntes wirkte plötzlich überraschend vertraut – ganz im Sinne der „Pareidolie“. Der begeisterte Applaus in der gut besuchten Kirche bestätigte die künstlerische Überzeugungskraft dieses Abends. Während draußen auf der Berrenrather Straße das Straßenfest in voller Lautstärke gefeiert wurde, entstand in der Kirche ein intensiver  Gegenentwurf.

LeserReporter/in:

Anita Brandtstäter aus Köln

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