K wie Kapitän
Heiko Dietrich verzeichnet kein gutes Jahr

Heiko Dietrich lebt auf einem Segelschiff, das so alt ist, wie der Pariser Eiffelturm. Im Bauch des Schiffs ist genug Platz für Wohnen und Hobby. 
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  • Heiko Dietrich lebt auf einem Segelschiff, das so alt ist, wie der Pariser Eiffelturm. Im Bauch des Schiffs ist genug Platz für Wohnen und Hobby. 
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Köln - (sr). Kölner, die gerne und viel Fahrradfahren, kennen wohl alle
die Fährlinie zwischen Weiß und Zündorf. Seit den 1980er-Jahren
quert Heiko Dietrich außer im Winter so ziemlich jeden Tag mehrmals
mit einem seiner Fährschiffe den Rhein, einen der verkehrsreichsten
Ströme der Welt. Klingt gefährlich, ist es auch, zumindest in der
Nacht. Denn auch der erfahrenste Kapitän der Welt kann, besonders im
Schlaf, nicht ausweichen. Im September hätte es für ihn und seine
Frau schlimm ausgehen können, als ein Tanker mitten in der Nacht
seine Schiffe rammte. „Unser erster Gedanke war, das ist das
Ende“, erzählt er. Die Beiden leben auf den Schiffen, die zusammen
mit den kleinen Fähren am Weißer Rheinufer ankern. Der Tanker hat
sehr großen Schaden angerichtet.„Wir mussten acht Tage lang den
Fährbetrieb einstellen und es wird noch einige Zeit dauern, bis alles
wieder heil ist. Wir haben kaum Schlaf bekommen“, erzählt der
75-Jährige.

Doch anstatt sich in einem Hotel einzumieten und entspannt abzuwarten,
bis die Versicherung zahlt, hat er die Ärmel hochgekrempelt, sich
Hilfe geholt und angefangen, aufzuräumen und die Löcher wieder
zuzuschweißen. Doch die Strapazen gehen nicht spurlos an ihm vorbei.
„Ich merke, dass ich nicht mehr der Jüngste bin“, sagt er. Doch
es gibt noch einiges, was ihn antreibt, weiterzumachen.

Im Bauch seines rund 130 Jahre alten Segelschiffs baut er unter
anderem Schiffsmodelle. Das sind keine Spielzeuge, sondern Entwürfe.
Ein Katamaran zum Beispiel, liege ruhiger auf dem Wasser. Sein Modell
könne deutlich schneller den Fluss überqueren und 24 Personen
mitnehmen. Kleine Fährschiffe seien besser als große. Zum einen
seien sie schneller und wendiger und zum anderen verbrauchten sie
weniger Kraftstoff. Oft sind ja nur wenige Passagiere auf der Fähre.
An sonnigen, passagierreichen Wochenendtagen könnten dann mehrere
Boote fahren.
Was er macht, hat Hand und Fuß. Er nutzt Computerprogramme, um
Berechnungen anzustellen, Videokameras für Simulationen. Der Kapitän
hat einen scharfen Verstand. Er ist unter anderem gelernter Schreiner
und gelernter Kaufmann. Sein Lebenslauf würde wohl nicht auf eine
Seite passen. „Ich habe einige Zeit für einen General in Frankreich
volontiert und hätte auch in die Politik gehen können“. Das war
vor seiner Zeit als Fährschiffer. Als er gemerkt hat, dass man in der
Lokalpolitik etwas nur langsam und nur wenig verändern kann, hat er
die Karriere an den Nagel gehängt. „Ich habe für das MPI
(Radioteleskop Effelsberg) gearbeitet, als die Stadt Köln einen
Kapitän mit eigenem Schiff für den Fährbetrieb suchte“, erinnert
er sich. Er habe den Betrieb nebenbei führen wollen, „ein Schiff
habe ich eigentlich schon immer gehabt“. Doch gleich am
Eröffnungstag haben die Passagiere Schlange gestanden. Und so fährt
er seit über 32 Jahren mit seinen Fähren von Weiß nach Zündorf und
zurück. Während der Dienstzeiten gibt es keine festen Abfahrtzeiten,
das wissen die meisten, die das Transportmittel nutzen. Sie setzen
sich auf eine der Bänke und warten, bis ein Schiff anlegt. Das kann
schon einmal 20 Minuten dauern, aber dafür ist es ein schneller und
vor allem autofreier Weg.
Auch wenn Kapitän Heiko Dietrich ab und zu ans Aufhören denkt, so
richtig mag man ihm das nicht abnehmen. Schließlich gibt es noch viel
zu tun.

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Redakteur:

Sabine Robels aus Köln

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