Eine Blume, zwei Blickwinkel – und ganz neue Wege, Kunst zu erleben: Vom 2. bis 25. Oktober 2026 ist in der Städtischen Galerie Wesseling im Schwingeler Hof die Ausstellung „Farbe berührt“ mit Arbeiten der Malerin Roswitha Schumacher-Kuckelkorn und des Fotografen und Keramikers Torsten Gripp zu sehen. Kurator ist der Bonner Kunsthistoriker und Theologe Dr. Arno-Lutz Henkel.
Das Besondere: Beide Künstler arbeiten teilweise ausgehend von denselben Motiven – und kommen dennoch zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen. Während Schumacher-Kuckelkorn in ihrer expressiven, gestischen Malerei Motive zunehmend in Farbe, Licht und Bewegung auflöst, lässt Gripp in seinen Fotografien Schärfe und Konturen zurücktreten. Licht und Farbe entwickeln ein Eigenleben. Ergänzt wird seine fotografische Arbeit durch handgeformte Keramiken. „Torsten und ich können dieselbe Blume anschauen. Er nimmt etwas anderes mit als ich“, beschreibt Roswitha Schumacher-Kuckelkorn den spannenden künstlerischen Dialog. „Beim Malen löse ich mich irgendwann immer mehr von der Blume. Dann geht es um Farbe, Licht, Bewegung.“
Kunst zum Hören
„Farbe berührt“ eröffnet zugleich ungewöhnliche Zugänge zu den Werken. Zu zahlreichen Arbeiten wurden kurze Geschichten und Bildbeschreibungen entwickelt, die sich über QR-Codes oder NFC-Tags am jeweiligen Werk mit dem Smartphone anhören lassen. Das Angebot entstand insbesondere für blinde und sehbehinderte Menschen – und lädt zugleich alle Besucher dazu ein, Bilder einmal über das Hören neu zu entdecken.
So entsteht im Kopf jedes Zuhörenden ein eigenes, „drittes Bild“.
Kunst zum Anfassen
Auch die Keramiken von Torsten Gripp durchbrechen eine vertraute Museumsregel: Sie dürfen berührt werden. Die Gefäße entstehen aus massiven Tonstücken, die der Künstler mit der japanischen Kurinuki-Technik bearbeitet. Spuren von Händen und Werkzeugen, Kanten und Vertiefungen bleiben sichtbar und machen die Arbeiten mit den Händen unmittelbar erfahrbar.
Damit verbindet „Farbe berührt“ drei Zugänge zur Kunst: Sehen, Hören und Berühren. Inklusion wird dabei nicht als Sonderangebot verstanden, sondern als Einladung an alle Besucher, ihren eigenen Zugang zu den Werken zu finden. Die Ausstellung zeigt damit nicht nur zwei unterschiedliche künstlerische Handschriften, sondern stellt eine spannende Frage: Was geschieht zwischen dem, was wir sehen, und dem, was daraus in unserer Wahrnehmung entsteht?
Vernissage: Freitag, 2. Oktober, 19 Uhr
Öffnungszeiten: Samstag und Sonntag, jeweils 15–18 Uhr sowie nach Vereinbarung
Eintritt frei
Weitere Informationen und Hörbeispiele: https://farbeberuehrt.de/
LeserReporter/in:Anita Brandtstäter aus Köln |
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