Stauweiher Osberghausen
Wie geht es weiter?
- Axel Blüm vom Aggerverband (r.) hat das Mikrofon an den Grünen-Politiker Dr. Julian Münster übergeben.
- Foto: Michael Kupper
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Region. In der Silberseehalle in Gummersbach-Erbland drehte sich jetzt alles um die Zukunft des Stauweihers in Engelskirchen-Osberghausen.
Der Aggerverband hatte zu einer Informationsveranstaltung bezüglich des von der Bezirksregierung angeordneten Rückstaus eingeladen.
Nach der Einführung durch Dr. Uwe Moshage, Vorstand des Aggerverbandes, mit einer Zusammenfassung der bisherigen Entwicklungen standen auch Lukas Miebach und Raoul Halding-Hoppenheit, die Bürgermeister von Engelskirchen und Gummersbach, sowie Wim Dissevelt, Abteilungsleiter Talsperren und Fließgewässer beim Aggerverband, für die Fragen der rund 120 Bürger bereit.
Moshage schilderte zunächst, dass der Aggerverband von der Bezirksregierung Köln Anfang März eine Ordnungsverfügung erhalten habe, nach der innerhalb von 24 Monaten ein prüffähiger Antrag zum Rückbau des Stauweihers vorzulegen sei, um die Durchgängigkeit der Agger in diesem Bereich wiederherzustellen, da das Recht auf Wasserkraftnutzung Ende letzten Jahres entfallen ist. Nach erteilter Genehmigung seien die erforderlichen Maßnahmen innerhalb weiterer zwei Jahre umzusetzen. Zudem müsse das Staubecken bis Anfang Mai vollständig entleert werden. Sollten allerdings durch diese Maßnahme besonders geschützte Tierarten bei ihrer Fortpflanzung beeinträchtigt werden, sei die Entleerung erst in der Zeit von September bis November vorzunehmen.
Inzwischen habe der Engelskirchener Biologe und ehemalige Bürgermeister Dr. Gero Karthaus festgestellt, dass die Brut geschützter Vogelarten bereits begonnen hat, so dass das Staubecken nicht sofort entleert werden muss. Daraufhin sei ein Änderungsbescheid erlassen worden, der den Abstau in den Herbst verlegt und dem Aggerverband nun 30 Monate Zeit für die Planung gibt.
Interessenkonflikte
Der Aggerverbandsvorstand beschrieb, dass es in dieser Situation eine Reihe von Interessenkonflikten gebe. So forderten die Naturschutzorganisationen BUND und NABU die Durchgängigkeit der Agger, Sportfischer jedoch den Erhalt des Gewässers, ebenso die Bürger, die wegen des Verlusts des Erholungswertes eine Petition mit über 1.700 Unterschriften gestartet habe.
Ende letzten Jahres habe Landesumweltmister Oliver Krischer den Erhalt bestehender Wasserkraftanlagen befürwortet und aktuell habe die Auer Holding eine Klage gegen den Abstau eingereicht: „Das ist die ganze Gemengelage.“
Beseitigung tragen auch die Kunden
Auch die Ansichten der Gäste waren durchaus kontrovers. Problematisch sahen jedoch alle den Umgang mit den mutmaßlich stark belasteten Sedimenten, die das rund 150.000 Kubikmeter fassende Becken zu etwa zwei Dritteln füllen. Zu deren Entsorgung wurden Fördermittel angesprochen. Darauf Moshage: „Wahrscheinlich wird es dafür eine 80-prozentige Förderung geben, doch die übrigen 20 Prozent müssen wir auf unsere Kunden umlegen. Wir sind aber bestrebt, die Wasserkosten niedrig zu halten.“
Stellungnahme der Bürgermeister
Bereits vor der Veranstaltung hatten die Bürgermeister Lukas Miebach (Engelskirchen) und Raoul Halding-Hoppenheit (Gummersbach) in einer gemeinsamen Stellungnahme verdeutlicht, dass die aktuelle Situation auf die Untätigkeit der Gesellschaft Aggerkraftwerke zurückzuführen und der Aggerverband auf deren Mitwirkung bei der Herstellung der Fischdurchgängigkeit angewiesen gewesen sei.
Miebach begrüßte das zahlreiche Erscheinen der Bürger: „Es ist ganz wichtig, dass sich Menschen zu Wort melden, wenn ihnen Themen wichtig sind.“ Er bekundete, dass die Kommunen keinen Einfluss auf die Entscheidungen der Bezirksregierung haben. Doch müsse das Ziel sein, sich in die Planungen einzubringen, damit sowohl der Naturschutz als auch Erholungsaspekte Berücksichtigung finden: „Nicht zuletzt ist das ein Stück Heimat.“
Freie/r Redaktionsmitarbeiter/in:Michael Kupper aus Reichshof |
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