Neustart fürs Anna-Haus
Pesch bekommt einen inklusiven Campus
- Sie stellten die Pläne für das künftige Anna-Schumacher-Haus vor (v.l.): Holger Kirsch, Heike Autermann, Matthias
Hopster und Nils Fuchs. - Foto: Alexianer START GmbH/Claudia Wingens
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Ein altes Haus geht, ein neues Versprechen kommt: In Köln-Pesch soll für 48 Menschen mit Behinderung ein moderner, inklusiver Wohnort entstehen.
Bei strahlendem Sonnenschein ist in Köln-Pesch ein neues Kapitel für das Anna-Schumacher-Haus aufgeschlagen worden. Nach vielen Jahren der Planung konnten sich die Menschen mit kognitiven und körperlichen Beeinträchtigungen, die dort bislang gelebt haben, nun von dem alten Gebäude verabschieden und sich zugleich ein Bild von dem machen, was an gleicher Stelle entstehen soll. Dabei ging es nicht nur um die künftigen Bewohner, sondern auch um die Nachbarschaft. „Uns liegt am Herzen, bei diesem Vorhaben alle mit ins Boot zu holen – neben den Bewohnenden, auch die Anwohnenden aus der Nachbarschaft“, sagte Matthias Hopster, Geschäftsführer der Alexianer GWK START GmbH.
Zur Feier auf dem Vorplatz des seit einiger Zeit leerstehenden Anna-Schumacher-Hauses kamen neben Nils Fuchs, Leitung Wohnen der Alexianer GWK START GmbH, auch Architekt Holger Kirsch und die ausführende Architektin Heike Autermann. Gemeinsam stellten sie den aktuellen Stand der Pläne und Visionszeichnungen vor und beantworteten Fragen. Für viele in Pesch ist das ein wichtiges Signal: Nach langer Vorbereitung wird aus den Plänen nun ein greifbares Projekt.
Das bisherige Anna-Schumacher-Haus wurde 1973 auf einem teilweise bewaldeten, parkähnlichen Grundstück mit 8.000 Quadratmetern gebaut. In den 1980er-Jahren wurde es immer wieder umgebaut und erweitert, um den geänderten Anforderungen an Wohnraum für Menschen mit Behinderung gerecht zu werden. Doch trotz zahlreicher Sanierungen und Instandhaltungsarbeiten war die Substanz des Gebäudes am Ende so stark angegriffen, dass die Entscheidung für einen Neubau fiel. Die Bewohner fanden nach langer Suche bereits vor einiger Zeit eine Interimsunterkunft bei den Sozialbetrieben Köln in Riehl.
Die Pläne für den Neubau zeigen jetzt ein helles, luftiges und einladendes Wohnhaus. Rund 13 Millionen Euro investiert die Alexianer START GmbH in das neue Anna-Schumacher-Haus. Geplant ist ein Gebäudekomplex aus zwei L-förmigen Baukörpern. Darin sollen sechs Wohnbereiche für jeweils acht Bewohner sowie Räume für die Tagesstruktur entstehen. Für die insgesamt 48 Menschen mit kognitiven und körperlichen Beeinträchtigungen sind Wohnräume vorgesehen, die den aktuellen Anforderungen bei Schall- und Wärmeisolation, Brandschutz und Barrierefreiheit entsprechen. Die Zimmer sollen zwischen 18 und 24 Quadratmeter groß sein und jeweils ein eigenes Badezimmer haben.
Doch das Projekt soll noch mehr sein als ein neues Wohnhaus. Geplant sind außerdem 13 Wohnungen mit zwei bis fünf Zimmern sowie fünf Apartments für den sozialen Wohnungsmarkt. Diese sollen etwa von Studierenden, Senioren oder jungen Familien mit Wohnberechtigungsschein genutzt werden können. Nils Fuchs erklärte, dass in den größeren Wohnungen zum Beispiel inklusive Wohngemeinschaften entstehen können, in denen Studierende und Menschen mit Beeinträchtigung zusammenleben. Julia Papkalla, Referentin Wohnen, ergänzte, dass die Studierenden aktiv in die Unterstützung einbezogen werden und im Gegenzug mietfrei wohnen. Auch die kleineren Wohnungen und Apartments sind für Studierende und Senioren mit Wohnberechtigungsschein gedacht, aber ebenso für Menschen mit Beeinträchtigung, die nur Unterstützung brauchen. Mit Balkon- oder Terrassenzugang, großen Fensterflächen und barrierearmen Grundrissen soll so attraktiver und inklusiver Wohnraum entstehen.
Für Pesch bedeutet das: Auf dem Gelände des alten Anna-Schumacher-Hauses soll ein inklusiver Mehrgenerationen-Campus wachsen, der Wohnraum für Menschen mit und ohne Unterstützungsbedarf schafft. Geschäftsführer Matthias Hopster sagte dazu, dass damit das umgesetzt werde, was Bundesteilhabegesetz und UN-Behindertenrechtskonvention im Bereich Wohnen vorgäben – und zwar zum Wohle aller. (bn.)
Redakteur/in:EXPRESS - Die Woche - Redaktion aus Köln |