Mahnwache für den Frieden
Für Frieden und Demokratie
- Rund 80 Menschen versammelten sich am Abend auf dem Peter-Fryns-Platz zu einer Friedensmahnwache. Mit Kerzen und Transparenten erinnerten sie an die Gefährdung von Demokratie und Freiheit und setzten ein stilles Zeichen gegen Hass und Ausgrenzung.
- Foto: Frank Engel-Strebel
Bornheim (fes). Die Resonanz war größer als erwartet: Rund 80 Bürgerinnen und Bürger fanden sich zu einer Mahnwache auf dem Peter-Fryns-Platz ein. Mitorganisator Kurt Schiwy von der Friedensgruppe der Evangelischen Emmaus-Kirchengemeinde an Rhein und Vorgebirge hatte mit zehn bis zwanzig Teilnehmenden gerechnet. Für ihn und Bernhard Zapp, der die Kundgebung maßgeblich organisiert hatte, war dies ein starkes Zeichen für Frieden und Freiheit.
Auf einem großen Banner war zu lesen: „Demokratie stärken: Ergreift das Wort, bevor andere die Macht ergreifen!“ Mit der Veranstaltung wollten die Initiatoren an die Machtübernahme Adolf Hitlers und der NSDAP vor 93 Jahren erinnern. Am 30. Januar 1933 hatte Reichspräsident Paul von Hindenburg Hitler zum Reichskanzler ernannt. Innerhalb weniger Wochen wurde die erste Demokratie auf deutschem Boden durch das Ermächtigungsgesetz der Nationalsozialisten zerstört, Grundrechte eingeschränkt, Medien gleichgeschaltet und die Gewaltenteilung der Weimarer Republik aufgehoben. Was folgte, ist bekannt: Europa und Deutschland lagen 1945 in Schutt und Asche, sechs Millionen Jüdinnen und Juden wurden ermordet.
Wie schnell Demokratie auch heute gefährdet werden könne, zeigten nach Darstellung Zapps die Entwicklungen in den USA unter Präsident Donald Trump, der erstarkende Rechtspopulismus in Europa sowie die Sorge vor einem weiteren Erstarken der AfD. Auch in Bornheim habe die AfD inzwischen Einzug in den Stadtrat gehalten. „Die Entwicklung hin zu einer Autokratie könnte sehr schnell gehen. Erst werden Medien und Kultur unter Druck gesetzt, dann die Judikative“, sagte Zapp. Schiwy setzte den von der AfD gebrauchten Begriff der „Remigration“ mit dem Wort „Deportation“ gleich und betonte: „Nie wieder ist jetzt.“
Zum Abschluss der Kundgebung stimmten die Organisatoren das hebräische Friedenslied „Shalom chaverim“ an. Eine Bornheimerin erinnerte an ihren Urgroßvater Anton Düster, der als Leiter des Ordnungsamtes auch für die Polizei zuständig war. Die Nationalsozialisten hatten ihn ermordet, weil er sich dem Regime nicht beugen wollte. „Mir ist es wichtig, dass sein Name heute Abend hier genannt wird“, sagte sie.
Eine weitere Teilnehmerin schilderte, wie sie ihren Großvater gefragt habe, was ihm die Nationalsozialisten in seiner Jugend bedeutet hätten. „Er sagte zu mir: Das war halt so, das war normal, man ging einfach mit.“ Dieser Satz habe sie bis heute nicht mehr losgelassen.
Redakteur/in:Frank Engel-Strebel aus Bornheim |