50-jähriges Jubiläum
Das kulturelle Gedächtnis der Stadt

Mit einem großen Festaktim Bezirksrathaus Beuel wurde das 50-jährige Bestgehen des Denkmal.- und Geschichtsvereins Bonn-Rechtsrheinisch gebührend gewürdigt (von links): Daniel Sieveke, Marco Rudolph, Guido Déus, Carl Jakob Bachem und Georg Divossen. | Foto: fes
  • Mit einem großen Festaktim Bezirksrathaus Beuel wurde das 50-jährige Bestgehen des Denkmal.- und Geschichtsvereins Bonn-Rechtsrheinisch gebührend gewürdigt (von links): Daniel Sieveke, Marco Rudolph, Guido Déus, Carl Jakob Bachem und Georg Divossen.
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Beuel (fes). „Ohne Ihr Engagement würde es viele Gebäude heute nicht mehr geben“, dies bescheinigte Daniel Sieveke, Staatssekretär im NRW-Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung, in seiner Laudatio anlässlich eines Festaktes zum 50-jährigen Bestehen des Denkmal- und Geschichtsvereins Bonn-Rechtsrheinisch im Beueler Bezirksrathaus. Sieveke sprach als Vertreter von Ministerin Ina Scharrenbach, die kurzfristig verhindert war, und dankte all jenen Personen, die in den vergangenen fünf Jahrzehnten vieles initiiert und Kräfte freigesetzt haben, um die Geschichte und die Denkmäler des Stadtbezirks Beuels zu bewahren: „Wir brauchen Menschen, die auch in den kommenden 50 Jahren sagen, diese Gebäude sind wichtig für die geschichtliche Einordnung von Entscheidungen und Entwicklungen, die es gilt zu erhalten.“

Auslöser der Gründung war seinerzeit die Rettung des Mehlemschen Hauses in der Rheinaustraße vor dem Verfall. Am 15. Dezember 1975 gründete sich damals noch unter dem Namen „Verein Haus Mehlem“ eine Bürgerinitiative um das barocke Patrizierhaus, das heute die Musikschule Bonn nutzt, vor dem Abbruch zu bewahren. Anschließend folgte die Rettung des verfallenen Vilicher Fachwerkhauses, das Wohn- und Amtssitz von Leonhard Stroof war, dem ersten Bürgermeister im rechtsrheinischen Bonn. 2009 hat der Verein die Trägerschaft des Bürgermeister-Stroof-Hauses übernommen, dort ein Museum eingerichtet; gleichzeitig ist es nun das Zentrum des Vereins, wo auch viele Veranstaltungen stattfinden. Der Verein mit seinen gut 360 Mitgliedern setzt sich ein für den Denkmalschutz und die Denkmalpflege, erforscht und vermittelt die Geschichte und kümmert sich um den Erhalt der historischen Ortsgefüge und Landschaft im Stadtbezirk Beuel. Gegründet hatte den Verein die erste Vorsitzende Ruth Hieronymi (1947 bis 2025).

Gewohnt kämpferisch und stets den Finger in die Wunden legend gab sich Carl Jakob Bachem in seiner Ansprache während des Festaktes. Der heute 88-jährige Ehrenvorsitzende, Aktivist und Heimatforscher, der bis zu seinem Ruhestand 2002 als Verbandsgeschäftsführer in der Wirtschaft tätig war, leitete 45 Jahre als Nachfolger von Hieronymi die Geschicke des Vereins. Dabei sei ihm „viel Erfreuliches, Ärgerliches und Enttäuschendes“ widerfahren.

Der Verein verstehe sich „als Hüter der Geschichte“. Bachem ist fest davon überzeugt, dass die Arbeit des Denkmalvereins ein wichtiger Pfeiler ist, worauf die Menschen, die im Stadtbezirk Beuel wohnen, ihre Identität stützen können: „Wir verstehen uns als pure idealistische Aktionsgemeinschaft, hervorgegangen aus einer Bürgerinitiative, die sich dem Gemeinwohl unserer Stadt verpflichtet hat.“ 1980 hatten die Mitglieder eine Bestandsaufnahme aller Bau- und Bodendenkmäler vorgenommen und im Bild der Bürgerschaft präsentiert, was die Basis für alle späteren Arbeiten des Vereins gewesen war: „Wir haben uns auch um die vielen kleinen Denkmäler gekümmert, die typisch sind für einen Stadtbereich, wo es keinen Herrscherplatz gegeben hat.“ Als Nachfolger Hieronymis sei er damals vielleicht ein wenig naiv an die Sache herangegangen: „Ich habe mich aber nie beirren lassen und bin nie davor zurückgeschreckt, wenn ich es sachlich-fachlich für geboten hielt, auch Kritik zu üben. Unserer guten Sache wegen habe ich es in Kauf genommen, mich manchmal auch nicht gerade beliebt zu machen. Opportunismus gehört halt nicht zu meinen Stärken“, betonte Bachem. Er sei als „Anreger und Ideengeber“ angetreten.

Im vergangenen Jahr trat Georg Divossen als neuer Vorsitzender in die Fußstapfen Bachems. Divossen erklärte in seiner Begrüßungsansprache kritisch gerichtet an die Stadtverwaltung, dass Bonn mittlerweile ein Paradebeispiel dafür sei, dass seit der Schließung des Stadtmuseums die Geschichtsvermittlung fast vollständig zur Aufgabe der Vereine und diverser Einzelkämpfer geworden sei.

Bonns Oberbürgermeister Guido Déus (CDU) griff diese Kritik auf und betonte in seiner Rede, dass das Stadtmuseum auch künftig in das Herz der Stadt gehöre und er daran arbeite, dass es nicht in irgendeinem Hinterhof untergebracht werde. An den Verein gerichtet, sagte er: „Ich darf heute etwas würdigen, wovon ich einen Großteil als Beueler selbst mitbekommen habe. Sie haben für uns die Schäl Sick lebendig und erfahrbar gemacht. Wir brauchen Menschen, die diese historischen Orte bewahren und lebendig halten. Menschen wie Ihr Verein öffnen Räume, schaffen Zugänge und laden mit Angeboten zum Austausch ein. Wo andere achtlos vorbeigehen, bleiben Sie stehen, dokumentieren und machen sichtbar, das ist ein unschätzbarer Beitrag für unsere Zusammenarbeit. Sie sind für das kulturelle Gedächtnis unserer Stadt besonders wichtig und wir haben Ihnen viel zu verdanken.“

Gemeinsam mit Bezirksbürgermeister Marco Rudolph überreichte Guido Déus nach den Festreden Bachem zum Dank für seine Verdienste die Jubiläumsehrenamtskarte. Für den musikalischen Rahmen sorgte das Ensemble „Saxophonia“ der Ludwig-van-Beethoven –Musikschule Bonn.

Eingebettet war das runde Jubiläum in eine Festwoche, die mit der Ausstellungseröffnung „50 Jahre Sichtbarkeit unseres Schaffens“ im Bürgermeister-Stroof-Haus begann mit der anschließenden Enthüllung von Denkmaltafeln im benachbarten Stiftsbzeirk und mit einem Vortrag Bachems im Stroof-Haus endete

Redakteur/in:

Frank Engel-Strebel aus Bornheim

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