Gegen Armut und Hunger
Schnelle Hilfe aus dem Sack

„Helfen durch Geben – Der Sack“: Walter Koenen, Bruni Murk, Ernst Mommertz und Erika Wittkamp (v. l.).
  • „Helfen durch Geben – Der Sack“: Walter Koenen, Bruni Murk, Ernst Mommertz und Erika Wittkamp (v. l.).
  • Foto: Schriefer

„Es gibt Hunger und Armut bei Jung und Alt in Deutschland. Auch in einer Stadt wie Köln leben viele Menschen, die am 20. des Monats nichts mehr im Kühlschrank haben“, weiß der Verein „Helfen durch Geben“.

von Roland Schriefer

Ostheim. Es ist eine Mammutaufgabe, die sich der Verein vorgenommen hat. Entgegen einer weit verbreiteten Meinung, in Deutschland sei doch alles in Ordnung, sehe die Realität anders aus, sagen die Mitglieder des Vereins. Armut gibt es vor der eigenen Haustür. Um etwas dagegen zu unternehmen, hatten sich Ernst Mommertz, der Chef einer großen Kölner Spedition, und seine Sekretärin Erika Wittkamp vor 23 Jahren vorgenommen, Lebensmittel an bedürftige Bürger zu verteilen. Seitdem ist die Zahl stetig gewachsen. Mehr als 1000 Familien sind im Verein registriert. Alle zwei Monate können sie in Dellbrück, am Takuplatz in Ehrenfeld, in Holweide, Höhenberg oder am Roncalliplatz einen Sack voll haltbarer Lebensmittel abholen. Vermittelt werden diese bedürftigen Familien unter anderem von der Caritas, von Pastoren oder engagierten Bürgern.

Vor einigen Jahren hat der Verein noch ein weiteres Projekt auf die Beine gestellt. Unterstützt werden seitdem 19 Kindertagesstätten mit etwa 1100 Kindern mit gesunden Lebensmitteln. Angestoßen hatte diese Idee der ehemalige Kölner Oberbürgermeister Fritz Schramma, einer der Schirmherren des Vereins. „Beim Einkauf der Lebensmittel achten wir streng darauf, dass sie von allen Bürgern gegessen werden können“, betont Walter Koenen. Eingekauft werde zum Beispiel keine Salami aus Schweinefleisch, sondern eine Puten-Salami, hergestellt von der Kölner Metzgerei Gruner. „Wir packen in die Säcke auch keine abgelaufenen Lebensmittel. Eingedellte Konservendosen sortieren wir aus“, ergänzt Erika Wittkamp.

Mindestens 25 000 Euro, so der Verein, müsse für die Arbeit aufgebracht werden. Die Unterstützung reiche solange, wie das Budget reicht, sagt Ernst Mommertz. „Wir erhalten ja keinerlei staatliche Unterstützung. Unser Engagement können wir nur über Spenden aufrecht erhalten.“ Zum Glück habe das bislang immer geklappt. Das liege auch an der großen Liste der Spender. Karnevalisten, Fußballer, lokale Unternehmer, eine Brauerei und unzählige engagierte Bürger haben es bis heute ermöglicht, dass der Verein sein Vorhaben in die Tat umsetzen konnte. Dafür gab es auch Lob und Anerkennung. So erhielt Erika Wittkamp den „Ehrwin des Monats“ der WDR-Lokalzeit, mit dem ehrenamtliches Engagement gewürdigt wird.

Ernst Mommertz ist der Meinung, dass der Verein eine Lücke füllt, die staatliche Institutionen nicht schließen können oder wollen. „Wir wissen von mehr als 10 000 Personen alleine in Köln, die ab Mitte des Monats einfach nichts mehr zu essen haben. Wenn wir auf die Hilfe der offiziellen oder politischen Institutionen warten, kommen wir aber nicht weiter.“ Parteien würden zwar Begriffe wie christlich, sozial, liberal oder menschenwürdig in Namen und Satzung führen, aber es scheine jedoch, als seien sie in Vergessenheit geraten.
Wer helfen oder spenden möchte: Mehr Informationen gibt es online unter sack-ev.de.

Redakteur:

EXPRESS - Die Woche - Redaktion aus Köln

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