Rathaussturm Waldbröl
Rathausalm im Handumdrehen erobert
- Närrischer Machtwechsel: Für den Rathausschlüssel erhielt Bürgermeisterin Larissa Weber (re.) ein übergroßes Smartphone, damit in der närrischen Zeit kein Termin verloren geht.
- Foto: Karin Rechenberger
Waldbröl. Punkt 13:11 Uhr war klar: Jetzt gibt’s kein Halten mehr. Auch in der Marktstadt übernahmen an Weiberfastnacht die Jecken das Zepter, oder besser gesagt: den Rathausschlüssel. Die „Rathausalm“ hatte zwar ihre Pforten verriegelt, doch gegen die geballte Narrenschar aus Schönenbach und Waldbröl war selbst das stabilste Gatter nur ein besserer Gartenzaun. Mit Trecker und Planwagen rückten die Tollitäten an. Stilecht, lautstark und bestens gelaunt. Schließlich gilt: Wer gern wandert, darf auch mal Richtung Rathaus marschieren. Die als Wandergruppe verkleideten Stadtbediensteten versuchten noch, mit einem Baumstamm-Nagelwettbewerb Zeit zu schinden. Doch während hier noch gehämmert wurde, hatte die jecke Übermacht das Ziel längst im Blick.
Spätestens beim Brüderschaftstrinken zeigte sich, dass Schnäpschen zwar die Stimmung heben, aber nicht unbedingt die Verteidigungsfähigkeit stärken. Im Dirndl stellte sich Bürgermeisterin Larissa Weber tapfer dem närrischen Volk entgegen, musste jedoch einsehen: Gegen so viel „Hätz“ und Humor hilft kein Amtsstempel. Mit einem Augenzwinkern öffnete sie das Gatter und übergab den begehrten Schlüssel an das Schönenbacher Prinzenpaar Prinz Jona I. und Prinzessin Lisa I. sowie an die Waldbröler Kinderprinzessin Emely I.
Ganz ohne Gegenleistung ging der Machtwechsel freilich nicht über die Bühne. Für den Schlüssel erhielt die Rathauschefin ein überdimensionales Smartphone – damit sie in den kommenden tollen Tagen wenigstens ihre Termine im Blick behält, wenn im Rathaus statt Aktenbergen Konfetti fliegt.
Mit einem kräftigen „Waldbröl pass op!“ und „Schürmich ruck zuck!“ wurde der Triumph besiegelt. In gereimten Worten gab Weber den Jecken noch mit auf den Weg, dass sonst Ordnung und Paragrafen im Rathaus regieren, nun aber Frohsinn, Musik und närrischer Traum.
Im Ratssaal wurde anschließend geschunkelt, gesungen und gefeiert, was das Zeug hielt. Die Rathausalm war gefallen, und bis Aschermittwoch hat in Waldbröl nun wieder der Karneval das letzte Wort. Und sollte in den kommenden Tagen doch einmal eine Akte liegen bleiben, dann vermutlich nicht aus Nachlässigkeit, sondern weil zwischen Dirndl-Charme und närrischem Machtwechsel selbst Paragrafen kurz Pause machen dürfen.
Freie/r Redaktionsmitarbeiter/in:Karin Rechenberger aus Morsbach |
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