Kletterwald erregt die Gemüter
2220 Unterschriften gegen die Pläne der Stadt

Die Naturfreunde kämpfen für den Erhalt des Spicher Waldes.
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Troisdorf - (uzk). „Wir hatten ausgemacht vor Sitzungsbeginn, legen Sie ihr
Paket hier auf den Tisch“, erklärte Bürgermeister Klaus-Werner
Jablonski einer etwas irritierten Ulrike Schmidt.

Dabei hatte die nur auf ein „Startzeichen“ gewartet. Für die
Bürgerinitiative Naturfreunde Troisdorf wollte sie zum
Tagesordnungspunkt 28 der Sitzung des Haupt- und Finanzausschuss
„Unterrichtung der Einwohner“ 2.220 Unterschriften übergeben.

Hände weg vom Spicher Wald

Innerhalb von drei Wochen wurden die Unterschriften überwiegend in
Spich und in der Troisdorfer Innenstadt gesammelt. „Hände weg vom
Spicher Wald“ fordern die Unterzeichner. Sie setzen sich für den
Erhalt des Landschaftsschutz- und Naherholungsgebietes „Spicher
Wald“ ein und verurteilen die dortigen Eingriffe der Troisdorfer
Verwaltung auf’s Schärfste.

Außerdem beklagen sie, dass in den letzten 10 Jahren 10 ha des
Spicher Waldes unwiderbringlich zerstört wurden. Als inakzeptabel
sehen sie jede weitere Zerstörung an.

Wir brauchen keinen Kletterwald

Auslöser für die Forderungen der Bürger ist die Errichtung eines
Kletterparks auf ca. 2 ha Wald. Gegen einen Kletterwald haben sie im
Grunde keine Einwände. Wenn dafür nicht der mühsam aufgeforstete
Mischwald zerstört werden müsste. Zusätzliche Flächen für
Parkplätze geschaffen werden müssten und der wirtschaftliche Nutzen
für die Stadt ihnen fragwürdig erscheint, da es in der nahen
Umgebung schon mehrere solcher Freizeiteinrichtungen gibt.

Belasteter Boden am ehemaligen Schießstand

Zweiter Aufreger der Bürgerinitiative ist der ehemalige DN
Schießstand. Der Boden ist extrem belastet und muss aufwändig
saniert werden. Statt das Gelände anschließend aufzuforsten, soll es
überwiegend als Gewerbefläche verwertet werden.

Schon beschlossen

In seiner Sitzung am 19. Mai hatte der Haupt- und Finanzausschuss sich
für den Kletterwald entschieden. „Das Areal nahe den Spicher Höhen
hatte bisher keine Aufenthaltsfunktion und stand der Naherholung nicht
offen“, begründet die Stadtverwaltung ihre Entscheidung. Ein
Vertrag wurde schon geschlossen.

Er wird aber erst mit Vorlage eines artenschutzrechtlichen Gutachtens,
einer Genehmigung durch den Rhein-Sieg Kreis und einer Baugenehmigung
wirksam“, heißt es in einer Erläuterung des Bürgermeisters.

Die Spicher Bürger, die sich schon durch die Deponie und den
Durchgangsverkehr durch den Ortsteil stark belastet fühlen,
formulieren in der Unterschriften Aktion vier Punkte.

Vier Kernforderungen:

 Keine weitere Ausdehnung des Deponie-Geländes. Die
Wiederaufforstung von 1 ha Wald nach der Sanierung des ehemaligen
Schießstandes Rottweill. Kein weiterer Wegfall von Wald durch die
Errichtung eines Kletterwaldes und eine öffentliche Veranstaltung zur
„Unterrichtung der Einwohner“.

Auf den letzten Punkt der Forderungen kontert der Bürgermeister, dass
die genannten Themen keine oder nur wenige Berührungspunkte für die
Einwohner haben und nachhaltige Auswirkungen nicht erkennbar sind.“

Ulrike Schmidt und ihre Mitstreiter sehen das ganz anders. „Wenn
2220 Bürger sich berührt fühlen, dann ist das für uns ein starkes
Argument für eine Bürgerbeteiligung. Außerdem gibt es auch
Befürworter eines Kletterwaldes. In einem offenen Forum könnten Für
und Wider diskutiert werden.“

Ohne Fakten kein Dialog mit den Bürgern

Harald Schliekert (SPD), bat zu Sitzungsbeginn den Tagesordnungspunkt
28 doch als erstes Thema zu beraten. Das wurde mehrheitlich abgelehnt.
So mussten die Vertreter der Bürgerinitiative geduldig warten bis
über ihren Antrag zur Unterrichtung der Einwohner der Stadt Troisdorf
entschieden wurde.

Der Bürgermeister sieht im Augenblick keine Notwendigkeit. Erst
müssen Gutachten und Genehmigungen vorliegen, dann ist er aber bereit
zu einem Austausch mit den Bürgern.
 

Redakteur:

RAG - Redaktion

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