Auf kleinstem Raum
Homa Emami ist im Bohde-Fenster auf dem Weg in eine weit entfernte Heimat

Die Künstlerin Homa Emami hat im Bohde-Fenster eine Installation geschaffen, in der die Betrachter*innen sich auf einen Weg in die Heimat begeben können.
  • Die Künstlerin Homa Emami hat im Bohde-Fenster eine Installation geschaffen, in der die Betrachter*innen sich auf einen Weg in die Heimat begeben können.
  • Foto: Roland Schriefer
  • hochgeladen von Sabine Robels

Nippes (rs). Ein Spaziergang durch Nippes lohnt sich immer. Nicht nur wegen der pulsierenden Neusser Straße mit ihren vielen Geschäften und Konsumangeboten, nicht nur wegen des ansehnlichen Hausbestandes in den Nebenstraßen mit vielen denkmalgeschützten Bauten aus dem 20. Jahrhundert oder wegen der Parkanlagen, die zu Spaziergängen zu sich sich selbst einladen. Spaziergänge lohnen sich auch, weil sich in Nippes an dem einen oder anderen Ort Fenster in eine andere Welt öffnen, die Welt der Kunst, in der alles möglich ist.

Von solchen Fenstern, in die der Spaziergänger, ohne irgendwelche Auflagen beachten zu müssen, einen kurzen oder auch langen Blick werfen kann, gibt es einige in Nippes. Zum Beispiel das Bohde-Fenster in der Florastraße, das Kunstfenster des c/o Ateliers in der Sechzigstraße und das Fenster der Galerie SichtARTen, das sich ebenfalls in der Sechzigstraße befindet.

Zu Beginn des neuen Jahres hat Dea Bohde die Künstlerin Homa Emami eingeladen, das Kunstfenster in der Florastraße 65 zu gestalten. Der erste Blick in das mit einem durchsichtigen Tuch verhangene Fenster fällt auf die Worte „Wir müssen“. Was wir müssen, bestimme aber nicht sie, sagt die Künstlerin. „Jede Kunst soll ja die Fantasie der Betrachter *innen wecken.“

Im Bohde-Fenster hat Homa Emami eine Installation mit unterschiedlichen Medien und Materialien geschaffen, die auf den langen Weg nach einem fernen Zuhause verweisen. Die Künstlerin wurde ja selber im weit entfernten Iran geboren. In Teheran hatte sie an der Fakultät der Schönen Künste das Fach Bildhauerei studiert, das sie 1979 abschloss. Seit 1986 lebt sie in jedoch Deutschland. In Köln hatte sie in den Jahren 1989 bis 1993 an der Fachhochschule für Kunst und Design ein weiteres Studium belegt. Seit 1995 ist sie Dozentin an der Kunst- und Musikschule Brühl und hat an zahlreichen Ausstellungen in Deutschland und im Ausland teilgenommen. Eine Arbeit von ihr ist zurzeit noch bis Mitte des Monats im Kunstmuseum Ahlen in Westfalen, Museumsplatz 1, in der Ausstellung „Reset“ zu sehen.

Ein Schwerpunkt der Arbeiten von Homa Emami – dazu gehört auch ihre Installation im Bohde-Fenster – ist das Thema „Heimat“. Sie baut in ihrer vielschichtigen Arbeit an einer utopischen Heimat – an einem Zuhause, zu dem jeder Betrachter seinen individuellen Weg finden kann. Denn sie arbeite nicht mit dem Zeigefinger, sagt sie. „Meine Arbeiten haben Bedeutungen, die ich der Fantasie der Betrachter*innen überlasse.“ In ihrer Installation hat sie daher auch Materialien verwendet, die vergänglich sind, unter anderem Eierschalen und Glasscherben, auf denen sich zarte Zeichnungen und Motive aus ihrem ursprünglichen Heimat- und Geburtsland Iran finden.

„Kunst zeigen geht auch auf kleinem Raum und ganz öffentlich und überaus geschätzt von den Menschen in Nippes“, sagt Dea Bohde. Zwar solle man Vernissagen und Finissagen besser auslassen, seit Omikron über den Dom späht. Aber wer sich das Bohde-Fenster nicht nur anschauen möchte, der kann auch in der Zeit von 14 bis 19 Uhr das Atelier betreten. Kaffee und Kuchen gebe es auch, am liebsten aber nach kurzer Nachricht, sagt Dea Bohde. „Wir achten dabei natürlich auf Sicherheit mit 2G und guter Lüftung und freuen uns auf Gespräche.“

Redakteur:

RAG - Redaktion

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