Videoprojektion an Forum und Stadtbibliothek
Poetry Slam für Gehörlose

Am Forum ist das Videoprojekt von Kai Fobbe (Bild) mit dem Titel „Worte ohne Worte“ besonders gut in der Dunkelheit und aus Richtung Y-Brücke und Eisenbahnlinie zu sehen. In der Stadtbibliothek zeigt der Künstler ebenfalls seine Poetry Slams in Gebärdensprache.
  • Am Forum ist das Videoprojekt von Kai Fobbe (Bild) mit dem Titel „Worte ohne Worte“ besonders gut in der Dunkelheit und aus Richtung Y-Brücke und Eisenbahnlinie zu sehen. In der Stadtbibliothek zeigt der Künstler ebenfalls seine Poetry Slams in Gebärdensprache.
  • Foto: Gabi Knops-Feiler

Leverkusen (gkf). Mit zeitgenössischer Literatur, übersetzt in Mimik und Gebärden, setzt Künstler Kai Fobbe aus Wuppertal seit Mitte der Woche ein deutliches Zeichen. Und demonstriert es vor Ort durch Videoprojektionen auf öffentlichen Gebäuden.
Vier Wochen lang bis Mitte Februar sind die Bilder mit dem Titel „Worte ohne Worte“ jeweils in den Abendstunden im Bereich der oberen Forum-Fassade und noch besser im Obergeschoss-Fenster der Stadtbibliothek Wiesdorf zu sehen. Konkret geht es um insgesamt acht Gedichte für Gehörlose, die von vier Personen in Gebärdensprache übersetzt werden.
Für Hörende zu sehen, aber nur für Gehörlose zu verstehen sind dann die Texte bekannter Literaten. Unter anderem „Mühsal der Besten“ von Bertolt Brecht, „Daheim“ (Franz Hohler), „Eines Tages fiel ein Mann vom Stuhl“ (Ror Wolf) oder „Pisa und Venedig“ (Thomas Bernhard). Dazu erklärte Fobbe: „Weil sich unsere Sprache grammatikalisch von der Gebärdensprache unterscheidet und nicht alle Begriffe aus der Literatur vorhanden sind, musste etwas Neues geschaffen werden.“ Im Grunde bedeutet es: „Die Poetry Slammer haben die vorhandenen Texte genommen und ihre Poesie dazu gefügt“, erläuterte Fobbe. Maßgeblich an dem visuellen Gesamtkunstwerk, das Hörende und Gehörlose gleichermaßen faszinieren dürfte, beteiligt war Rafael-Evitan Grombelka. Der 35-jährige Kölner ist Gebärdendolmetscher, Lyriker und Deutschlands berühmtester Poetry Slammer. Für ihn sei es wichtig, sagt Grombelka, „Gebärdensprache im öffentlichen Raum wahrnehmbar zu machen und zu zeigen, dass diese Sprache eine eigene Poesie hat.“ Weitere Mitwirkende sind außerdem Indika Sandaruwan, Laura-Levita Valyte und Tom-Adrian Wojtas.

Die Idee des ausgebildeten Musikers und heutigen Videokünstlers zu dem Vorhaben reicht zurück bis in die 1990er Jahre. Damals besuchte Fobbe eine Tanzoper von Pina Bausch, als Tänzer Lutz Förster den Text eines Liedes in Gebärdensprache umsetzte. Von der damaligen Vorstellung war Fobbe dermaßen begeistert, dass ihn die Darstellung noch lange danach weiter beschäftigte. Bis er vor zwei Jahren schließlich einen Weg zur konkreten Umsetzung für sein spezielles Vorhaben fand. Seither projiziert er - mit Förderung durch die Bezirksregierung Köln - Videos auf die Fassaden von öffentlichen Gebäuden im gesamten Bundesland Nordrhein-Westfalen, zuletzt etwa auf die Fassade des Düsseldorfer Schauspielhauses. Im Übrigen sind die Filme nicht alleine nur im realen, sondern auch im digitalen Raum zu sehen. Das gelingt mit Hilfe eines QR-Codes und der App „motionartview“, die es ermöglicht, Filme am jeweiligen Standort zu sehen und Texte mitzulesen. Fobbe verdeutlicht: „Das ist nicht nur eine Spielerei. Sondern es bedeutet, dass die Kunst, die im realen öffentlichen Raum stattfindet, auch in den digitalen Raum per Handy übertragen wird.“

Besonders freuen sich Anke Holgersson vom Kulturbüro und ihre Kollegin Uta Wagner von der Volkshochschule nur über das Kunstprojekt. Vor allem darüber, dass der Anruf mit dem Vorschlag von Fobbe, Leverkusen in die Präsentationsorte einzubeziehen, gerade zur richtigen Zeit kam. „Wir sind gerade dabei“, sagte Holgersson, „zur Integration von Gehörlosen kleine Filme zu drehen, schneiden und übersetzen zu lassen. Sie sollen erklären, welche kulturellen Angebote unsere Teilbetriebe bereitstellen. Es ist zwar erst der Anfang von gemeinsamer Kommunikation und nicht immer leicht. Aber wir werden immer besser“, versichert die Kulturschaffende erfreut.

Redakteur:

Gabi Knops-Feiler aus Leverkusen

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