Bezirksvertretung lässt Umbenennung prüfen
Umstrittener Straßenname

Im Fokus der politischen Gremien: Die Heinrich-Lersch-Straße in Neubrück.
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Neubrück - (kg). Nicht zum ersten Mal war in der Bezirksvertretung (BV) Kalk
die Heinrich-Lersch-Straße Thema. Vor der Sommerpause ging ein Antrag
von SPD und Linken gegen die CDU und den Einzelvertreter der AfD
durch.
Demnach soll die Verwaltung prüfen, ob die rund 800 Meter lange
Straße, die parallel zum Neubrücker Ring verläuft, unbenannt werden
soll.

Hintergrund ist, dass der im September 1889 in Mönchengladbach
geborene Kesselschmied und Arbeiterdichter Heinrich Lersch zu den 88
deutschen Schriftstellern gehörte, die 1933 das „Gelöbnis
treuester Gefolgschaft für Adolf Hitler“ unterzeichneten. Lersch
erhielt 1935 den Rheinischen Literaturpreis und verstarb 1936 in
Remagen.

Das Ratsmitglied Stephan Pohl, das zugleich Anwohner der
Heinrich-Lersch-Straße ist, kritisiert dabei unter anderem eine „zu
kurze Anhörungsfrist der Anwohner“. Aufgrund der Sommerferien
hätten sie diese noch nicht wahrgenommen. Die Frist soll am 31.
August enden. Der CDU-Politiker fordert eine Verlängerung bis
mindestens 15. September.

Von der Straßenumbenennung hält Pohl „rein gar nichts“. Er
bezeichnet sie als „überflüssig“ und „nicht schlüssig
begründet“. Pohl erklärt, dass ein Schriftsteller wie Leo
Weismantel (Weismantelweg), der das Gelöbnis ebenfalls unterzeichnet
habe, die Schreckensherrschaft Hitlers erkannt habe und in den späten
1930er-Jahren in Konfrontation zu den Nazis gegangen sei. „Diese
Erkenntnis“, erklärt der CDU-Ratsherr, „konnte dem linken
Schriftsteller Heinrich Lersch wegen seines frühen Todes im Jahre
1936 nicht mehr zuteil werden“. Weismantel lebte von 1888 bis 1964.

Zudem ist Stephan Pohl der Meinung, dass im Falle einer
Straßenumbenennung aufgrund eines Treueaufrufs eigentlich alle
Straßen, die nach den 88 Schriftstellern in Deutschland benannt sind,
umbenannt werden müssten. Das wäre aber unverhältnismäßig, sagt
Pohl, und würde in keinem Verhältnis zum Nutzen und der von SPD und
Linken beantragten Maßnahme stehen.

Es gibt in deutschen Städten mehrere nach Heinrich Lersch benannte
Wege und Straßen, darunter auch in Duisburg, Düsseldorf, Herten,
Hilden und Sinzig. In Münster wird die Namensgebung mehrerer
NS-belasteter Straßennamen diskutiert. Eine Kommission empfahl Mitte
2011 bezüglich des Heinrich-Lersch-Wegs in Münster mehrheitlich
keine Umbenennung und stattdessen eine Erläuterungstafel, um darauf
hinzuweisen, dass der Straßenname aufgrund einer „Polizeilichen
Anordnung“ des damaligen OB Albert Hillebrand (NSDAP) im November
1938 festgesetzt wurde.

Die Bezirksvertretung Ost von Münster beschloss im August 2012
jedoch, keine Erläuterungstafel anzubringen. Dem  Entschluss ist
eine repräsentative Bürgerumfrage beigefügt, die im Winter 2012
über einen Monat hinweg durchgeführt wurde. Die Leitfrage lautete,
wie man sich zu Persönlichkeiten stellt, die durch Straßennamen
geehrt wurden, deren Ehrung sich aber aufgrund neuer
Forschungsergebnisse als fragwürdig erweist.   

Im Fokus der politischen Gremien: Die Heinrich-Lersch-Straße in Neubrück.
CDU-Ratsherr Stephan Pohl lehnt eine Umbenennung der Heinrich-Lersch-Straße ab und kritisiert zugleich eine „zu kurze Anhörungsfrist der Anwohner“.
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