Vernissage im Stadthaus
Von Ballettmusik inspiriert

Zu Ehren des Komponisten Bernd Alois Zimmermann und seiner Ballettmusik veranstaltet das Künstlerforum Schau-Fenster im Stadthaus die Sonderausstellung Alagoana.
  • Zu Ehren des Komponisten Bernd Alois Zimmermann und seiner Ballettmusik veranstaltet das Künstlerforum Schau-Fenster im Stadthaus die Sonderausstellung Alagoana.
  • Foto: Claudia Scheel
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Erftstadt-Lechenich - (cs) In einer Sonderausstellung anlässlich des 100. Geburtstages von
Bernd Alois Zimmermann (1918-1970) zeigen 16 Mitglieder des
Künstlerforums Schau-Fenster Arbeiten, die sich mit dem Orchesterwerk
Alagoana (Caprichos Brasileiros) des Bliesheimer Komponisten
auseinandersetzen. Bis zum 27. März ist die spannende Werkschau im
Lechenicher Stadthaus zu sehen.

Zur gut besuchten Vernissage der Sonderausstellung Alagoana begrüßte
die scheidende Schau-Fenster-Vorsitzende Rosemarie Walker zahlreiche
Kunstfreunde im Stadthaus am Herriger Tor. Saskia Walker führte in
das Werk Bernd Alois Zimmermanns und die Ausstellung des
Künstlerforums ein.

„Die Ballettsuite für Orchester Alagoana ist eine frühe Arbeit
Zimmermanns, noch wenig atonal, sehr rhythmisch und vital und somit
eine hervorragende Möglichkeit, Zugang zum Komponisten zu
gewinnen“, so die Kunsthistorikerin und Filmemacherin – unter
anderem des am Vorabend im Anneliese-Geske-Saal gezeigten Films „Das
Bliesheimer Kreuz“. Erste Ideen für Alagoana gab es schon in den
1940er Jahren, doch die hauptsächliche Inspiration zog Bernd Alois
Zimmermann aus einem Brasilienaufenthalt seines älteren Bruders
Josef: Anfang der 1950er Jahre arbeitete dieser, unterstützt vom
Jesuitenorden, als Geograph in der Provinz Alagoas im Nordosten
Brasiliens. Für das kleine Bliesheim war diese Brasilienreise so kurz
nach dem Ende des Weltkrieges eine Kuriosität, für Bernd Alois
Zimmermann eine wichtige kompositorische Inspirationsquelle, wie der
rege Briefwechsel der Brüder nahelegt.

Die im Stadthaus ausgestellten Arbeiten von Edith Dahm, Hanni Fonger,
Norbert Göckler, Simon Hellmich, Matthias Jung, Theo Kerp, Christiane
Lorber, Michael Mayr, Clelia Meyer, Helmut Ockenfels, Helga Premm,
Klaus D. Rösch, Klaus Schramm, Rose Schreiber, Gertrud Vercruysse und
Christiane Vincent-Poppen spiegeln in unterschiedlicher
künstlerischer Umsetzung den „Assoziationsraum Alagoana“ – das
Orchesterwerk mit seinen vielfältigen Bezügen ebenso wie die für
Zimmermann typischen „collagenhaften“ Klangkompositionen.

So loten Hanni Fonger mit schwarz-weißer Graphik auf Papier bzw.
Christiane Vincent-Poppen mit dem Acrylgemälde „Klanggestalt“ die
rhythmische Ebene der Komposition aus. Christiane Lorber bezieht sich
auf Zimmermanns collagierten Komponierstil und stellt je zehn
imaginierte Bilder des Tanzes und Schiefertafeln mit collagenartigen
Köpfen aus. Das Fotoprojekt „Klangwelten“ von Simon Hellmich
hingegen nähert sich dem Thema auf der Gefühlsebene: Die im Foto
festgehaltene Mimik von Hörern des Orchesterwerks zeichnet die
Reaktion junger Menschen auf Zimmermanns Musik nach. Matthias Jungs
digitale Fotografien dagegen zeigen Realien, die den Bliesheimer
Komponisten in der Phase seiner künstlerischen Ausformung prägten.
Während Clelia Meyer mit ihrer Installation eine dem Ballett
zugrundeliegende indianische Legende thematisiert, widmen sich Klaus
Schramms Serien Alagoana 1 und 2 (Ölkreide auf Papier) der Ouvertüre
und den fünf Sätzen der Ballettsuite. Helmut Ockenfels greift mit
seinen Fotoarbeiten Zimmermanns Forderung auf, Alagoana absolut unter
den Gesichtspunkt der (Klang)farbe zu stellen, und entwirft die
Entstehung der Welt als Explosion von Linien und Farben.

Eigens für die Werkschau hat Theo Kerp einen siebenminütigen
Animationsfilm über Zimmermanns musikalischen Kosmos gedreht, der in
Endlosschleife im vorderen Ausstellungsraum gezeigt wird.

Begleitend informiert eine Dokumentation im Kabinett des Stadthauses
über bisher vom Künstlerforum Schau-Fenster durchgeführte
Veranstaltungen zu Bernd Alois Zimmermann und sein Werk. Noch bis 27.
März ist die sehenswerte Ausstellung Alagoana im Stadthaus am
Herriger Tor, Weltersmühle 1 in Erftstadt-Lechenich, zu besichtigen.
Die Öffnungszeiten sind täglich von 16 Uhr bis 18.30 Uhr. Am
Sonntag, 25 März, findet um 17 Uhr die Finissage mit
Künstlergespräch statt.

Redakteur:

RAG - Redaktion

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