Das sollten Selbstständige wissen
Warum eine steuerliche Optimierung so wichtig ist

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Steuern sind das Letzte, mit dem sich Selbstständige gern beschäftigen. Wer sich als Unternehmer von der Steuerlast nicht erdrücken lassen will, braucht trotzdem Basiswissen. Nur so lassen sich Gestaltungspotenziale nutzen. Hintergrund: Wenn Experten wie Steuerberater nur einmal im Jahr einen Blick auf die Finanzen werfen, ist es für Korrekturen meist schon zu spät. Auf der anderen Seite bietet sich gerade im privaten Umfeld Gestaltungspotenzial, das ungenutzt bleibt.

Bestes Beispiel: Unternehmer haben die Chance, Kinderbetreuungskosten steuermindernd zu nutzen. Parallel bieten Investitionen oft die Gelegenheit, in umsatzstarken Jahren die Steuerlast zu reduzieren – durch den Investitionsabzugsbetrag. Es kommt darauf an, schon vor dem Jahresende ungefähr zu wissen, wo sich verborgene Einsparungen aktivieren lassen.

Steuern sind einer der größten Ausgabenposten

Jeder Euro, den ein Unternehmen umsetzt, interessiert das Finanzamt. Steuern haben sich in Deutschland zu einem der größten Ausgabenposten entwickelt. Es geht nicht allein um Körperschafts- oder Einkommenssteuer. In der Praxis fallen für Unternehmen und Start Ups an ganz unterschiedlichen Stellen Steuerausgaben an. Bestes Beispiel: Für die Buchhaltung wird neue IT beschafft. Auf der Rechnung steht nicht nur der Nettobetrag. Von jeder Maus oder Tastatur gehen 19 Prozent ans Finanzamt.

Versteuert wird dieser Betrag nicht vom einkaufenden Unternehmen, sondern dem Verkäufer. Auf der anderen Seite muss ein Betrieb jeden Euro, der eingenommen wird, versteuern. Dies geht schon mit der Umsatzsteuer – die Verbraucher als Mehrwertsteuer kennen – los. Je nach Steuersatz gehen 7 Prozent bzw. 19 Prozent ab. Hinzu kommen weitere Steuern, welche für bestimmte Warengruppen – Stichwort Schaumwein- und Alkoholsteuer – vom Bund erhoben werden. Hinzu kommt natürlich noch die eigentliche Unternehmensbesteuerung auf den Betriebsgewinn. Entscheidend ist an dieser Stelle immer, welche Unternehmensform der Betrieb hat. Einzelunternehmer und Personengesellschaften zahlen Einkommenssteuer und Gewerbesteuer. Für Kapitalgesellschaften wie der GmbH, der KGaA oder der AG sind die Rahmenbedingungen der Körperschaftssteuer relevant. Je nach Steuersatz und Besteuerungsgrundlage werden alle Steuern kumuliert zu einem der höchsten Ausgabenposten, die Firmen zu stemmen haben. Welche Konsequenz hat diese Erkenntnis? Angesichts der Tragweite, welche Steuern für Firmen und Unternehmer/Gründer haben, ist eine adäquate Steueroptimierung sinnvoll. Dies bedeutet nicht, einfach Umsätze unter den Tisch fallen zu lassen – sprich Steuern über Briefkastenfirmen zu hinterziehen. Intelligente Steueroptimierung ist darauf ausgelegt, legale Möglichkeiten in der Steuergestaltung zu nutzen.

Steuern: Betriebsausgaben und Sonderausgaben checken

Wie lassen sich Steuern sparen? Jedem Unternehmer brennt diese Frage – in ganz unterschiedlicher Form – unter den Nägeln. Hintergrund: Eine niedrige Steuerlast bedeutet einen höheren Nettogewinn. Viele
Firmen schütten diesen nicht pauschal an deren Gesellschafter aus. Kapital, das nicht an den Fiskus überwiesen wird, bietet Investitionspotenzial. In welchen Bereichen bietet sich Sparpotenzial? Die Bereiche
Betriebsausgaben und Sonderausgaben können in der Praxis besonders wichtig werden.

Betriebsausgaben erfassen finanzielle Aufwendungen, welche der Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebs gelten. Einfaches Beispiel: Außendienstmitarbeiter sind mit dem unternehmenseigenen Fuhrpark
unterwegs. Die Fahrzeugflotte ist komplett über Leasing finanziert. Jeder Euro, welchen der Betrieb ins Leasing steckt, ist eine Betriebsausgabe.

Grundsätzlich sind:

  • Finanzierungsgebühren
  • Mieten und Pachtzahlungen
  • Rohprodukte
  • Hilfsstoffe
  • Lizenzgebühren
  • Kosten für Energielieferungen

Betriebsausgaben. Die Liste erhebt natürlich nicht den Anspruch, abschließenden Charakter zu haben. Auch die Abschreibungen auf Wirtschaftsgüter fallen in den Bereich der Betriebskosten. Hier kann es sich um AfA für:

  • Maschinen
  • Fahrzeuge
  • IT Hardware usw.

handeln. Betriebsausgaben sind aber auch Lohnkosten – sprich der eigentliche Arbeitslohn sowie die Arbeitgeberanteile auf das Entgelt. Selbst Porto oder die Kontoführungsgebühren für das Geschäftskonto fallen in die Rubrik der Betriebskosten. Als Unternehmer muss klar sein, welche Ausgaben in diesen Bereich fallen.

Gerade kleinere Anschaffungen fallen schnell unter den Tisch. Dabei ergibt sich kumuliert schnell eine drei- vielleicht sogar vierstellige Summe. Diesen Betrag bei der Steuer unberücksichtigt zu lassen ist ganz klar ein Fehler. Betriebsausgaben sind nicht der einzige Bereich, welcher mehr Beachtung in der Steuergestaltung verdient. Unterschätzt werden schnell – gerade, wenn im Unternehmen Steuerprofis eher außen vor sind – Sonderausgaben. Was fällt alles in diesen Bereich?

Hierzu müssen die verschiedenen Ausgabenbereiche aus dem Steuerrecht betrachtet werden. Neben den Betriebsausgaben geht es hier um Werbungskosten und Sonderausgaben.

Werbungskosten sind jene Aufwendungen, welche zur Erhaltung und Sicherung der Einnahmen dienen. Dieser Bereich ist für Arbeitnehmer relevant. Reisekosten oder Fahrtkosten fallen Unternehmern genauso an
– werden für diese Personengruppe allerdings anders „verbucht“.

Sonderausgaben sind jene Kosten, die bisher in keinen der beiden genannten Bereiche fallen. Primär sind dies bestimmte Ausgaben des Privatbereichs. Diese entstehen Unternehmern unter anderem im Zusammenhang mit der Kinderbetreuung oder in Bereichen wie der Altersvorsorge. Mittlerweile lassen sich auch Kosten aus der Krankenversicherung durch Unternehmer und Freiberufler ansetzen. Beispiele für Sonderausgaben in der Praxis:
  • Unterhaltsleistungen bei Scheidung oder Trennung bis 13.805 Euro
  • Kirchensteuer
  • Kinderbetreuungskosten (2/3 Drittel) bis höchstens 4.000 Euro
  • Schulgeld in Höhe von 30 Prozent.

Vorsorgeaufwendungen fallen ebenfalls in die Rubrik der Sonderausgaben. Absetzbar sind unter anderen die Beiträge für eine Basisrente oder zu berufsständischen Versorgungssystemen. Hier gilt noch bis 2025 eine Übergangsphase mit schrittweiser Anpassung auf 100 Prozent. Es macht sich bezahlt, auch als Unternehmer ein gesundes Basiswissen rund um Steuern zu haben.

Unter Sonderausgaben als sonstige Vorsorgeaufwendungen fällt zum Beispiel der Schutz im Rahmen einer Berufsunfähigkeitsversicherung, Unfallversicherung oder Krankenvollversicherung.

Dieser Ausgabenabzug ist allerdings begrenzt – auf 1.900 Euro bzw. 2.800 Euro. Letzterer Betrag gilt, sobald Unternehmer und Selbständige ihre Krankenversicherung eigenständig zahlen. Hinweis: Für im Unternehmen angestellte Gesellschafter (etwa als Geschäftsführer) sind die Rahmenbedingungen im Detail zu prüfen. Eine Zusammenarbeit mit Experten aus dem Bereich steuerberatender Berufe erweist sich meist als sinnvoll.

Spartipps in Bezug auf Steuern

Ausgaben im Unternehmen konsequent in die Steuererklärung einfließen lassen, reduziert den finanziellen Aufwand. Die Überweisung ans Finanzamt fällt nicht ganz so hoch aus. Eine konsequente Steuergestaltung ruht auf mehreren Säulen. Unternehmern muss klar sein, welche Register sich an dieser Stelle ziehen lassen.

  • Investitionsabzugsbetrag:

An dieser Stelle handelt es sich um eine Möglichkeit, gezielt Investitionen „vorzuziehen“. Der Gesetzgeber erlaubt für bis zu drei Jahre im Voraus 50 Prozent der geplanten Investitionssumme vorzuziehen. Plant ein Unternehmer beispielsweise die Neuausstattung der IT – was 20.000 Euro kosten würde – sind 10.000 Euro abzugsfähig. Innerhalb der nächsten drei Jahre muss die Anschaffung getätigt werden.

  • Sonderabschreibung:

Unter gewissen Rahmenbedingungen kann ein Unternehmen Sonderabschreibungen vornehmen. Diese sind an gewisse Regeln gebunden. Zu den Voraussetzungen gehört unter anderem, dass im Vorjahr die Gewinngrenze von 200.000 Euro nicht überschritten wurde. Parallel darf der Abzugsbetrag von 20 Prozent für neue und bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens verwendet werden. Als „Abnutzungszeitraum“ sind 5 Jahre festgelegt.

  • Mieten und Leasing statt kaufen:

Im Steuerrecht gibt es einige Punkte, die Unternehmen und Selbständigen indirekt bei der Steuergestaltung helfen. Hierzu gehört die Tatsache, dass Mietzahlungen oder Finanzierungskosten aus dem Leasing direkt als Betriebsausgabe gelten. Bei einer direkten Anschaffung sind Firmen mit den Regeln der AfA konfrontiert – die nicht selten ungünstiger ausfallen. Aus diesem Grund kann es in vielen Bereichen attraktiver sein, sich für Miete und Leasing anstatt eines Kaufs zu entscheiden.

Fazit: Steuern lassen sich ganz legal gestalten

Steuern sind ein Thema, mit dem sich jedes Unternehmen befassen sollte. An dieser Stelle geht es nicht einfach nur um die Unterscheidung, was Betriebskosten oder eher privat veranlasste Sonderausgaben sind. Dank der gezielten Nutzung von Spielraum im Steuerrecht – etwa bei den Sonderabschreibungen – lassen sich Spareffekte aktivieren. Eine Leasingrate ist sofort zu 100 Prozent aktivierbar. AfA-Abzüge sind nur unter Berücksichtigung eines Zeitfaktors möglich. Die gezielte Steuergestaltung sorgt dafür, dass Unternehmen und Selbständige eine geringe Steuerlast zu stemmen haben. Die logische Folge: Am Ende steht mehr Liquidität für Investitionen zur Verfügung.

Redakteur:

RAG - Redaktion

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