BENNEMANNs BLOG
Der Mann steckt ja schon in der Frau

Ich hatte ja neulich erwähnt, dass mein Lieblingsdiscounter offensichtlich gerade dabei ist, seine eigene Marke aufzubauen: ALDImania. Mein Werbeblättchen bot ALDImania Weihnachtssocken feil, und ALDImania Weihnachtsmützen und ALDImania Weihnachtspullover. Gut, dachte ich, Weihnachten eben. Vielleicht als Gag. Aber dann sehe ich in meinem Werbeblättchen zwei echt coole Menschen abgebildet. Eh ich mir jetzt das Gehirn zermartere, ob ich Kerl oder Kerlin sage, oder Typ und Typin, habe ich mich nochmal bei Wikipedia schlaugemacht. Weil, das muss ich ja schon eingestehen. Früher habe ich ja immer das generische Maskulinum verwendet. Hallo, wie war ich denn da drauf! Es las sich bei Wikipedia folgendermaßen: Generisches Femininum bezeichnet in der Sprachwissenschaft die Verwendung einer grammatisch femininen Personenbezeichnung, zu der es ein maskulines Gegenstück gibt (Lehrerin/Lehrer), in einem geschlechtsübergreifenden (generischen) Sinn. Bei einer solchen Verwendung bezieht sich die feminine Form nicht nur auf Frauen, sondern auf Personen aller Geschlechter.

Ich komm deshalb drauf, weil mein "Schaufenster" das ja voll durchgezogen hatte, das mit den Lesern und Leserinnen und Kunden und Kundinnen. Da hatte ich ja schon gesagt, warum nicht einfach Leserinnen, da steckt der Leser doch schon drin. Und da muss ich sagen, da sind die Luise und ich uns so was von einig. Da bin ich mit der Frau Pusch so was von einer Meinung. Die Sprachwissenschaftlerin Luise Pusch spricht sich nämlich schon seit 1984 für den alleinigen Gebrauch von Femininformen im generischen Sinne zur Bezeichnung von Personen aus: Die „totale Feminisierung“ solle für die nächsten 1000 Jahre verwendet werden als „Empathietraining“ für Männer. Und weiter sagt sie: „Das Femininum enthält ja auch sichtbar das Maskulinum: Lehrer ist in Lehrerin deutlich enthalten. Das Femininum ist die Grundform, das Maskulinum die Schwundform (gefällt mir!!)." 2013 erklärte die Frau Pusch, dass es nach dem generischen Maskulinum, „das wir schon seit Jahrtausenden haben“, Zeit für einen Perspektivwechsel nach dem „Rotationsprinzip“ sei: "Ich habe schon immer ein Stufenmodell vorgeschlagen. Erst mal müssen wir die Frauen in die Sprache hineinbringen, am besten mit dem generischen Femininum, aber das Ziel sollte später die Abschaffung der Endung ‚-in‘ sein. Nach der Abschaffung des ‚-in‘ wollen wir zweitens das Neutrum für Personenbezeichnungen einführen. Wir hätten dann ‚die, der und das Professor‘.“ Das mit dem Stufenmodell, ich weiß nicht so recht, Luise, aber sonst.

Wo war ich? Ach ja, bei den coolen Menschen aus dem Werbeblättchen meines Lieblingsdiscounters. Die sind so was von jung. Gut, sagst du jetzt, aus deiner Perspektive sind auch Fünfzigjährige jung. Stimmt, aber die sind wirklich gerade mal so um die fünfundzwanzig. Er trägt einen ALDImania Hoody mit Jogger und sie einen ALDImania Jumpsuit. Und da bin ich jetzt ehrlich. Die fangen jetzt erst einmal mit Kleidungsstücken an, die du vorzugsweise zuhause trägst. Aber ich denke, bald bietet mein Lieblingsdiscounter auch. Ich geb zu, ich bin da hin- und hergerissen: Dass ich da demnächst, ich glaube, so weit geht die Liebe dann doch nicht, dass ich demnächst ebendiese Lettern, das Logo meines Lieblingsdiscounters, draußen spazieren führe.

Apropos draußen. Neues Jahr, altes Thema, ich stehe wieder draußen in der Schlange. Selbstredend mit meinem Einkaufswagen. Den brauche ich, abgesehen vom Glühwein, mehr denn je. Was ich mittlerweile standardmäßig mit mir rumschleppe, wenn ich das Haus verlasse, um mich einzureihen: sowieso immer die gesamte Regenmontur und Wollsocken, falls sich das mit dem Draußen-Stehen hinzieht. Dann eine OP-Maske, falls sich herausstellt, dass in der Warteschlange Einigkeit darüber herrscht, dass schon draußen im Freien, bei jeweils fünf Meter Abstand zur Vorder- und Hinterfrau trotzdem eine Maske getragen wird. Da trage ich jetzt noch keine FFP2-Maske. Wichtig natürlich: Schirm! Weil, wenn du da ohne Schirm im strömenden Regen stehst, mit pitschnasser OP-Maske - nicht schön! Und klar, immer mindestens zwei Ersatz-OP-Masken. Für Wenn-ein-Band-Reißt. Weil, das ist schon ärgerlich, wenn du stundenlang in der Schlange stehst und dann reißt dir ein Maskenband und du die Schlange verlassen musst. Da hats der Brillenträger natürlich einfach, der kann sich das kurzfristig an den Brillenbügel knoten. Mit einer Ersatzmaske bist du aber immer auf der sicheren Seite. Ja, und die zweite Ersatz-OP-Maske für Wenn-der-Vorder- oder Hintermensch-seine-Maske-vergessen-Hat: Kannst du so was von punkten, wenn du da aushelfen kannst. Dann im Einkaufswagen - neben den Kaltgetränken und Hanf-Keksen - natürlich auch zwei FFP2-Masken - für Wenns-dann-drinnen-richtig-eng-und-nahe-zur-Sache-Geht: beide für mich. Da bin ich ehrlich, einfach nur zum Sich-lieb-Kind-Machen ist mir das dann doch zu teuer. Dann, klar, Handy wegen CovPass. Ich hab aber auch immer noch zusätzlich mein gelbes Impfbüchlein dabei, für Wenn-der-Akku-leer-Ist. Dann meinen Personalausweis. Und neuerdings meinen Kulturbeutel mit Spiegel, Lippenkonturenstift und Lippenstift, liegt auch immer im Einkaufswagen. Weil, das ist mir neulich wieder passiert. Da stand ich stundenlang in einer Schlange, in der der allgemeine Tenor war: draußen, im Freien, mit Abstand - keine Maske. Hallo! Und ich hatte keinen Lippenstift aufgetragen, weil ich dachte für Eben-mal-kurz-mit-Maske-Anstehen lohnt sich das nicht.

Leserreporter:

Adelheid Bennemann aus Bonn

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