Flohmarkt in der Integrativen Gesamtschule Beuel
Alles andere als Flöhe

Nie bespielt und für nur 40 Euro - Angelo blieb zunächst dennoch auf seiner Puppe sitzen. Macht aber nichts. Das gehört zum Flohmarkt dazu.
  • Nie bespielt und für nur 40 Euro - Angelo blieb zunächst dennoch auf seiner Puppe sitzen. Macht aber nichts. Das gehört zum Flohmarkt dazu.
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Beuel - Der Förderverein der Integrierten Gesamtschule (IGS) Beuel
veranstaltete seinen traditionellen Herbst- und Winterflohmarkt. Seit
mehr als 20 Jahren ist dieses Ereignis Grund genug für Ehemalige und
Eltern sowie aktuelle Schüler, Schülerinnen und Lehrer, sich zu
treffen und Anekdoten auszutauschen.

Jan hat sicher mal den Fischmarkt in Hamburg gesehen. So wie die ihre
Aale, preist er seine ollen Klamotten an: „Ich hab‘ hier was
speziell für Sie“, sagt er, der frühere Schüler der IGS, 
beifallheischend. Und hält ein Plüschkissen in einem fürchterlichen
Lila-Ton in die Luft. Triumphierend zeigt er auf die Krone: Das
Zeichen von Harald Glöckler, dem extravaganten Modefürsten. „Dazu
passend hier ein Buch von Harald Glöckler. Das passt doch
hervorragend zu Ihnen.“
Und dann erst seine Handtaschen - für die Frau Zuhause - und seine
Kostümjacken. Die waren mal vor 20 Jahren modern, haben aber die Zeit
bis heute gut überstanden. Standfrau Connie lacht: „Was wir hier
für einen Spaß haben. Heißen Sie vielleicht Oskar? Dann hätte ich
was für Sie.“ Nie waren wir froher darüber, nicht Oskar zu
heißen. Aber da, Wolf. Der kauft von Lisa ein Metallschloss. „Das
ist für meine Frau. Damit binde ich die fest, damit sie mir nicht
wegläuft.“ „Spinner“, ruft seine Frau ...  Sie will sich nicht
fotografieren lassen, nicht mit Wolf gesehen werden.
Ja, hier ist was los. Annett ist mit ihrer 3-monatigen Mila da: „Ich
hab‘ Spielsachen gekauft. Für die Kinder.“ Etwa die Baby Born von
Angelo? „Die habe ich nie bespielt. Mit allen Klamotten und dem
Pinkeltopf und ... und ... und kostet die nur 40 Euro.“ Angelo
bleibt zunächst auf seiner Puppe sitzen. Ina ist in
Verkaufsgesprächen. „Ich habe dem Herrn hier gerade herausragende
Bücher verkauft.“ „Jetzt reicht‘s aber auch“, meint besagter
Herr. Nora ist aktuelle Schülerin der Gesamtschule: „Rosa ist immer
noch in“, verkauft sie gern ihre ausgedienten Barbies an die heutige
Generation.
„Ich suche Pixie-Bilder“, meint Marika. „Ich verschenk‘ die
dann an Kinder, die nicht soviel haben. Drei Stück habe ich schon.
Für 30 Cent je Bild.“ Jana ist noch etwas schüchtern. Sie ist mit
Papa noch recht allein an ihrem Stand. Ein Stück von Jan, der uns zu
Anfang mit Harald Glöckner begeistert hat, würde ihr guttun. Na ja,
noch ist ja Zeit. Was ist das? „Du hast ja einen Osterhasen
gekauft.“ „Ich bin eben schon immer meiner Zeit voraus.“
Sagt‘s schnippisch und zieht von dannen. Klaus hat die Spielkiste
seiner Kinder leer gemacht. und daraus zum Beispiel einen Lego-Lkw
gebaut: „An langen Winterabenden. Gott sei Dank gibt es im Internet
noch die Baupläne. Damit man weiß, welches Stück wohin gehört. Und
ob man alles vollständig hat.“
Angela bedauert: „Ich hatte gedacht, heute sei der
Weihnachtsmarkt.“ Sie hat als leidenschaftliche Häkel-Liebhaberin
wollene Weihnachtsbäume gehäkelt. Und Pilze. Wir wollten eigentlich
nicht: Aber so‘n Weihnachtsbaum aus Wolle???
Ein schönes Zusammentreffen war‘s wieder in der Integrierten
Gesamtschule. Wir haben zwar keine Flöhe gesehen auf dem Flohmarkt.
Dafür sind viele Kindezimmer, Kellerräume und sonstige
Räumlichkeiten leer geräumt. und so mancher Kleiderbügel ist
leergefegt. „Ich hab‘ hier früher Deutsch und Geschichte
unterrichtet, komme immer wieder gern her“, sagt Sylvia. Das merkte
man: Alle waren gern hier. Und ließen sich verzaubern von der
Fantasie, die das gebrauchte Spielzeug ausstrahlte. Wie viele
Kinderträume mögen daran hängen? Na ja, jetzt ist wieder Raum für
Neues. Und der Förderverein der Schule, der 1000 Mitglieder umfasst,
freut sich übe den Erlös des aktuellen Flohmarkts. Wieviel das auch
immer sein mag, das Geld wird einem guten Zweck zugeführt.

- we

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