Stolpersteine gereinigt
Mit Schwamm und Seife gegen das Vergessen

Etwa zwei dutzend Bedburger haben sich getroffen, um die Stolpersteine an der Hundsgasse und an der Lindenstraße zu putzen.
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Bedburg - (mf) Seit 2018 erinnern Stolpersteine an der Lindenstraße und der
Hundsgasse an das Schicksal der jüdischen Bedburger während des
Nationalsozialismus. Mittlerweile sind die Namen auf den Steinen kaum
noch zu erkennen. Deshalb hatte die Stadt nun zu einer spontanen
Putzaktion aufgerufen.

Etwa zwei dutzend Personen, vor allem Vertreter der Ratsfraktionen und
des Geschichtsvereins, trafen sich vor der Adler Apotheke. Zunächst
gedachten die Anwesenden der Befreiung des Konzentrationslagers
Auschwitz durch die Rote Armee, die sich am 27. Januar zum 75. Mal
jährte. „Wir hatten für den Jahrestag nichts vorbereitet, andere
Städte schon. Es war dann ein Impuls von mir, kurzfristig etwas zu
veranstalten”, erläuterte Bürgermeister Sascha Solbach.

Danach wurde gegen das Vergessen geschrubbt: Mit Schwämmen, Seife und
Politur brachten die Anwensenden die Stolpersteine wieder zum
Glänzen. Heinz Obergünner, Vorsitzender des Geschichtsvereins, und
Bürgermeister Solbach luden vor der Putzaktion in die
Synagogen-Gedenkstätte neben der Apotheke ein – eine Gedenkstätte,
die laut Obergünner oft vergessen werde. Er schätze, dass nur jeder
zehnte Bedburger die Gedenkstätte überhaupt kenne, sagte
Obergünner.

Dort lieferten die beiden Fakten über die Konzentrationslager –
allein in Auschwitz-Birkenau kamen zwischen 1,1 und 1,5 Millionen
Menschen ums Leben – und trugen einen Text von Politikberater Erik
Flügge über den Holocaust vor. Obergünner wollte mit seiner Rede
nicht nur an die Befreiung von Auschwitz erinnern, sondern auch auf
aktuellen Antisemitismus aufmerksam machen. „Nach den Ereignissen in
Halle sind wir angehalten, uns an dieses schreckliche Geschehen zu
erinnern”, sagte der Vorsitzende des Geschichtsvereins.

Bürgermeister Solbach schlug vor, einen Vorschlag des
Grünen-Fraktionsvorsitzenden Jochen vom Berg umzusetzen, damit das
Schicksal der jüdischen Bedburger nicht in Vergessenheit gerät. Die
Schüler der Bedburger Schulen sollen die Patentschaften für die
Steine übernehmen. Die Schulen wurden alle als Schulen ohne Rassismus
ausgezeichnet.

Zu der Putzaktion kamen verhältnismäßig wenig Bedburger. Die Stadt
an der Erft hält regelmäßig ihre Erinnerungskultur hoch: Zum
Jahrestag der Reichspogromnacht im Jahr 2018 versammelten sich mehrere
hundert Bedburger auf dem jüdischen Friedhof an der Kölner Straße,
um der Verfolgung und der Deportation der jüdischen Bedburger zu
gedenken.

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RAG - Redaktion

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